Grimoire #5: 3:08 Uhr

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Martin vermutet zunächst, dass er schlafwandelt. Doch als er beginnt, seine Nächte aufzuzeichnen, entdeckt er etwas Merkwürdiges: Jeden Morgen fehlen ihm dieselben neunzig Minuten. Auf den Aufnahmen sieht er sich selbst, wie er mit geöffneten Augen einfache Bewegungen wiederholt. Immer wieder, bis sie schließlich gelingen.

Bald stellt Martin fest, dass auch andere Menschen aus seiner Nachbarschaft nachts unterwegs sind. Sie üben Gesten, Gesichtsausdrücke und Laute, als müssten sie erst lernen, sich menschlich zu verhalten. Während er versucht, eine Erklärung zu finden, beginnt er auch seinen alltäglichen Bewegungen zu misstrauen. Denn manche Dinge, die er auf den Aufnahmen beobachtet, kommen ihm zunehmend vertraut vor.

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🎙️ Host: Tim

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00:00:19: Martin bemerkte die fehlenden neunzig Minuten nicht sofort.

00:00:26: Zunächst gab es nur Kleinigkeiten, die morgens nicht mehr dort waren wo er sie am Abend hinterlassen hatte.

00:00:31: Das Schlafzimmerfenster stand offen obwohl er ziemlich sicher war es geschlossen zu haben und der schreibte Stuhl lag auf der Seite.

00:00:39: Er konnte vergessen haben das Fenster dazu zu machen.

00:00:41: bei dem Stuhle hätte er wenigstens erwartet etwas gehört zu haben zumal ihm nicht ganz klar war wann ein stuhl unbeobachtet genug Zeit dafür fand.

00:00:50: Spieliger wurde es mit der feuchten Erde im Flur und dem dunklen Schmutz unter seinen Fuß zu holen.

00:00:56: Martin setzte sich auf die Bettkante, rieb mit dem Daumen über die Ferse.

00:01:01: Die Erde war schon trocken – zwischen den Zehen klebte noch etwas davon!

00:01:05: Zwei Tage später schmerzen seine Oberschenkel als hätte er eine längere Strecke zur Fuß zurückgelegt und beim Frühstück stellte er fest dass seine Zunge Wund war.

00:01:14: Er lebte allein, was ihm normalerweise gefiel und in dieser Sache den Nachteil hatte dass niemand bestätigen konnte ob er nachts durch die Wohnung lief.

00:01:23: Seine Mutter hatte irgendwann erzählt er habe als Kind im Schlaf gesprochen vielleicht auch einmal im Flur gestanden wobei solche Familiengeschichten mit den Jahren dazu neigen immer etwas konkreter zu werden.

00:01:35: Anfangs war es ein einmaliges Aufstehen gewesen.

00:01:38: irgendwann hatte man vermutlich mitten in der Nacht versucht das Haus zu verlassen.

00:01:42: Martin wusste nicht mehr, welche Version die erste gewesen war.

00:01:46: Schlafwandeln erschien ihm trotzdem brauchbar und zunächst genügte es ihm für das was er morgens vorfand einen Namen zu haben.

00:01:54: Vor dem Schlafengehen kontrollierte er nun das Fenster – die Balkon-Tür und den Schreibtischstuhl.

00:01:59: Die Wohnungstür war abgeschlossen.

00:02:01: Beim zweiten Griff an die Klinke ärgerte Er sich darüber dass er überhaupt angefangen hatte weil ihn bereits die erste Kontrolle weniger verlässlich vorkam.

00:02:08: sobald er sie wiederholte Hat er eben richtig hingesehen?

00:02:12: Das ließ sich leicht noch einmal prüfen, allerdings würde anschließend auch die zweite Kontrolle einer Erinnerung sein.

00:02:18: Er liest die Klingel los und legt ein altes Notizheft in die Küche.

00:02:22: Bis dahin hatte es Einkaufslisten, Telefonnummern von Handwerkern und die seit Monaten unerfüllte Erinnerungen enthalten Staubsaugerbeutel zu kaufen.

00:02:31: Nun schrieb er darunter was morgens anders war.

00:02:33: Fenster offen Stuhl um Erde im Flur Füße schmutzig.

00:02:38: Zwischen Milch, Waschmittel und der Nummer für die Wartung der Gastherme sahen die Einträge zunächst fast lächerlich aus.

00:02:45: Aber genau deshalb ließ er sie dort stehen!

00:02:48: Nach einigen Tagen fiel ihm auf wie häufig er nachts ungefähr zur selben Zeit auf die Uhr sa.

00:02:54: Meistens war es gegen halb zwei dann wieder kurz nach drei.

00:02:57: Da zwischen konnte er geschlafen haben.

00:02:59: sich daran zu erinnern wäre eher ungewöhnlich gewesen.

00:03:03: Er legte sein Telefon trotzdem so oft in Nacht durch dass er nur den Kopf drehen musste.

00:03:07: Um ein Uhr und dreißig war er noch wach.

00:03:10: Beim nächsten bewussten Blick zeigte das Display drei Uhr acht.

00:03:14: Am folgenden Abend beschloss, er wacht zu bleiben.

00:03:16: Er laß im Bett bis die Sätze anfingen länger zu werden ohne dass ihm Buch etwas hinzugekommen wäre stand auf Trankwasser und setzte sich mit dem Rücken an das Kopfteil um ein uhr.

00:03:27: Sechsunddreißig War er müde aber eindeutig wach um ein Uhr sieben und Dreißig ebenfalls.

00:03:34: Als Die Anzeige Auf Einer Acht und Drei Sich Sprangen sei er direkt Darauf.

00:03:38: Danach war es drei Uhr acht.

00:03:41: Das Buch lag auf dem Boden, die Schlafzimmertür stand offen und sein rechter Fuß war kalt, wo die Decke nur noch bis zum Knöchel reichte.

00:03:48: Martin blieb sitzen und betrachtete die Uhr.

00:03:51: Er wusste noch welchen Satz er zuletzt gelesen hatte und an welche Stelle er den Kopf zum Telefon gedreht hatte.

00:03:56: Es fühlte sich nicht an als wäre er eingeschlafen.

00:03:59: Kein Rest eines Traumes keine schwere Bewegung zurück ins Wachsein Nicht einmal dieser kurze Moment in dem das Zimmer nachts erst wieder zum eigenen werden musste.

00:04:08: Er hatte eben noch gewusst, dass er bald umblättern würde.

00:04:11: Das wusste er weiterhin – nur waren inzwischen anderthalb Stunden vergangen!

00:04:15: Im Heft schrieb er die beiden Uhrzeiten nebeneinander und darunter die Dauer – neunzig Minuten.

00:04:22: Er rechnete sie noch einmal nach und ging anschließend ins Schlafzimmer, um das Buch aufzuheben.

00:04:27: Am nächsten Tag kaufte er eine kleine Kamera und stellte sie auf ein Regal gegenüber dem Bett.

00:04:32: Er prüfte den Bildausschnitt, ließ sie nachts durchlaufen und saß am Morgen mit einer Tasse Kaffee vor dem Rechner.

00:04:38: Zunächst sah er sich beim Schlafen zu, was hauptsächlich die Feststellung ermöglichte, dass er seine Decke nach und nach nach links schob.

00:04:45: Um ein Uhr achtunddreißig setzte er sich auf.

00:04:48: Die Augen blieben geschlossen, während er die Beine über die Bettkante schwang und die Hände auf die Oberschenkel legte.

00:04:54: Danach öffnete er die Augen.

00:04:56: Martin stoppte das Video – der Blick ging gerade aus, ungefähr auf die Wand neben der Tür an der es nichts anzusehen gab!

00:05:04: Er rückte näher an den Bildschirm, ließ die Aufnahme weiterlaufen und sah seinen Körper aufstehen.

00:05:09: Er hob beide Hände, spreizte die Finger schloss sie wieder und begann von vorn.

00:05:14: Danach drehte er die Handflächen nach oben und fühlte die Daumen nacheinander zu den Fingerspitzen.

00:05:19: Martin wartete darauf das noch etwas geschehen würde.

00:05:22: Nach einer Weile zog er den Regler zurück und sah sich die erste Minute erneut an.

00:05:27: Der rechte Daumen hatte den kleinen Finger verfehlt.

00:05:30: Beim nächsten Durchgang berührte er ihn zu weit oben, dann rutschte er daran vorbei.

00:05:34: Obwohl Martin sich nicht erinnern konnte wann ihm diese Bewegung zuletzt misslungen war.

00:05:39: Er prüfte es mit der eigenen Hand neben der Tastatur Daumen an Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und Kleinenfinger.

00:05:46: Auf der Aufnahme dauerte es fast sieben Minuten bis die Hände wieder sanken.

00:05:50: Gegen Ende trafen die Finger jedes Mal aufeinander.

00:05:53: Auch das Öffnen sahen zwischen aus wie eine beiläufige Bewegungen, die Martin tagsüber gar nicht erst betrachtet hätte.

00:05:59: Er ließ seine Hand neben der Tastatur liegen.

00:06:01: Als er sie wenig später wegnahm, blieb auf der glatten Tischplatte ein schwacher Abdruck seiner Finger zurück.

00:06:07: Auf dem Bildschirm verließ er das Schlafzimmer und das Bett bliebe bis drei Uhr sechs leer.

00:06:11: Dann kam er zurück, setzte sich und legte sich hin Um drei Uhr acht sei er aufs Telefon.

00:06:17: Martin spielt die letzten Sekunden dreimal ab.

00:06:20: Der Kopf drehte sich zur Uhr dann griff seine Hand nach der Decke.

00:06:23: Danach?

00:06:25: Daran konnte er sich erinnern.

00:06:27: Am folgenden Morgen bemerkte er Druckstellen an beiden Handflächen und befestigte eine zweite Kamera im Hausflur auf dem schmalen Schrank neben der Treppe.

00:06:36: In dieser Nacht kam er um, ein Uhr neununddreißig barfuß heraus, im selben T-Shirt und derselben Schlafrose in denen er sich hingelegt hatte.

00:06:44: Er blieb stehen und begann erneut mit den Händen.

00:06:47: Eine Minute später öffnete sich die Wohnungstür gegenüber und Frau Seidel trat in den Flur.

00:06:54: Sie wohnte seit Jahren auf derselben Etage, war Anfang sechzig und gehörte zu den Menschen über deren Tagesablauf man mehr wusste als man jemals bewusster erfahren hatte.

00:07:03: Martin wusste wann sie einkaufen ging dass die Samstags putzte und das sie der Meinung war im Haus könne niemand außer ihr Biomüll richtig sortieren.

00:07:11: Jetzt trug sie einen Nachthemd, Wollsocken und keine Brille.

00:07:14: Sie ging drei Schritte vorwärts drehte sich um und ging zurück.

00:07:19: Bei der ersten Wendung setzte sie den rechten Fuß zu spät auf und musste einen zusätzlichen Schritt machen, um das Gleichgewicht zu halten.

00:07:26: Martin hörte das kleine Scharren in der Socke auf den Fliesen – er spulte zurück weil die Bewegung aussah als hätte sie sich erschrocken.

00:07:32: Die Gesicht blieb jedoch unverändert und kaum stand sie wieder richtig, gingen sie die Strecke noch einmal.

00:07:38: Später brauchte sie den zusätzliche Schritt nicht mehr!

00:07:41: Das Gewicht verlagerte sich, der rechte Fuß ging ein wenig nach außen und der linke zog nach.

00:07:46: Währenddessen öffnete Martin im Hintergrund immer wieder seine Hände.

00:07:50: Schließlich gingen beide zur Treppe und verschwanden aus dem Bild.

00:07:54: Erst kurz nach drei kamen sie zurück, Frau Seidel trete sich vor ihrer Wohnungstür um bevor Sie sie öffneten mit derselben kleinen Bewegung die sie zuvor so lange geübt hatte.

00:08:04: Martin sah auf die Hände in seinem Schoß und ließ die Aufnahme bis zum Ende laufen.

00:08:09: Am Nachmittag traf er sie auf den Flur.

00:08:11: Er fragte möglichst beiläufig ob sie schlecht geschlafen habe.

00:08:15: Frau Seidel sah ihn an, als hätte er sich nach ihrer Verdauung erkundigt, erklärte dann aber sie schlafe im Gegenteil seit Wochen ungewöhnlich tief.

00:08:22: Es gehe ihr hervorragend!

00:08:25: Danach beschwerte sie sich über die neue Straßenbeleuchtung, die nachts viel zu hell sei und ausgerechnet an der Ecke nichts ausleuchte wo man sie brauche.

00:08:32: Martin hörte ihr zu und überlegte ob er ihr die Aufnahme zeigen sollte.

00:08:36: Dafür hätte er zunächst erklären müssen deshalb bei den gemeinsamen Flurfilmte worauf Frau Seidl wahrscheinlich nicht sehr freundlich reagiert hätte.

00:08:44: Er hätte sie dann mit ihren eigenen Bildern beruhigen müssen, indem sie ohne Brille immer wieder an der Kamera vorbeilief.

00:08:50: Während er noch nach einem Anfang suchte verabschiedete sie sich und ging die Treppe hinunter.

00:08:55: Er stellte die nächste Kamera ans Wohnzimmerfenster – von dort sah man den Gehweg zwei gepackte Autos und die Haustüren schräg gegenüber.

00:09:03: Um ein Uhr forty kamen er und Frau Seidel aus dem Haus, wenig später erschien der ältere Mann von gegenüber, den Martin vom Sehen kannte danach eine junge Frau aus dem Nachbarhaus und drei weitere Personen.

00:09:14: Am Ende waren es sieben.

00:09:16: Sie standen dicht genug beieinander, um sich unterhalten zu können aber niemand sah zu einem der anderen hin.

00:09:21: Frau Seidel ging ihre Schritte.

00:09:23: Der Mann von gegenüber hob die Arme und zog dabei die Schultern so weit hoch dass ein Hals zwischen ihnen verschwand.

00:09:29: Ein Junge vielleicht sechzehn beugte sich nach etwas auf dem Asphalt.

00:09:33: Die junge Frau hielt die Hände vor sich.

00:09:36: Martin musste länger nach sich selbst suchen weil er im dunklen Lack eines geparkten Autos zunächst nur die helle Schlafhose erkannt hatte.

00:09:42: Er stand vor der Scheibe und bewegte das Gesicht.

00:09:45: Die Lippen schoben sich vor, sanktend zurück – der Mund öffnete sich dann, plinzelte er.

00:09:50: Als er lächelte, jett Martin die Aufnahme an!

00:09:53: Der linke Mundwinkel war zweit oben, die Oberlippe spannte sich über die Zähne und die Augen sahen aus als hätten sie mit dem restlichen Gesicht nichts zu tun.

00:10:02: Er kannte dieses Gesicht seit Jahrzehnten.

00:10:04: Es war beim Rasieren stellenweise verzogen, auf Fotos manchmal unvorteilhaft und in Spiegeln an fremden Orten überraschend alt gewesen.

00:10:11: Aber er hätte nie prüfen müssen ob es wirklich sein eigener Ausdruck war.

00:10:15: Auf der Aufnahme folgten die Wangen dem Mund mit einer kleinen Verspätung.

00:10:19: Martin bewegte vor den Bildschirmen denselben Mundwinkel.

00:10:21: bisher bemerkte dass er die Zähne zusammenpresste Und ließ den Kiefer locker.

00:10:26: Sein Körper draußen wiederholte das Lächeln.

00:10:29: Gegen Ende war von der Verzögerung beinahe nichts mehr zu sehen.

00:10:33: Das Telefon hatte in dieser Nacht auf dem Fensterbrett gelegen und den Ton aufgezeichnet.

00:10:37: Zwischen vorbeifahrenen Autos und dem Rauschen des Mikrofons erkannte Martin seine eigene Stimme, sie sprach schnell und leise mit trockenen Klicks und Lauten die weit hinten im Hals entstanden.

00:10:48: Er schob die Kopfhörer fester über die Ohren.

00:10:51: Bei einem gedehnten Bokal stellte er fest dass er mit dem Fuß auf den Boden drückte und darauf wartete Luft zu holen obwohl er natürlich längst geatmet hatte.

00:10:59: Weiter entfernt hörte er Frau Seidel dann eine tiefere Stimme.

00:11:03: Er erkannte kein einziges Wort.

00:11:05: Nachdem er die Datei geschlossen hatte, räusperte er sich und sagte den Namen des Ordners laut in dem er sie gespeichert hat.

00:11:11: Das kam ihm albern vor aber er sagte ihn noch einmal.

00:11:16: In den folgenden Tagen schrieb er Uhrzeiten und Namen entzefft und sah sich die Aufnahme am Nachmittag erneut an.

00:11:22: Der Junge hob einen Schlüssel eine leere Dose und ein Stück Papier auf.

00:11:26: Manchmal griff er daran vorbei.

00:11:28: Bei der Dose blieb sein Mittelfinger lange abgespreizt ehe er ihn unter den Rand legte.

00:11:33: Den Ringfinger benutzte er kaum.

00:11:35: Martin hielt das Bild an und zeichnete die Hand neben einer Einkaufsliste.

00:11:40: In der Aufnahme der folgenden Nacht fand der Junge den Rand sofort.

00:11:43: Der ältere Mann stand inzwischen mit lockeren Armen da Und zog nur noch die Schultern hoch, in einer kurzen Bewegung Die Martin auch kannte wenn ihm jemand unerwartet auf den Rücken tippte.

00:11:52: Frau Seidel treten sich um als hätte es die ersten Versuche Mit dem kleinen Nachstellschritt nie gegeben.

00:11:58: Martin fand morgens eine Wundestelle seitlich der Zunge.

00:12:01: Das Ziehen in den Wangen wurde beim Kaun stärker, einmal Schmerze der Kiefer bis in den Nachmittag.

00:12:07: Vor einem Termin bei der Arbeit stand er im Waschraum und wollte prüfen ob man ihm etwas ansah.

00:12:12: Er läschelte in den Spiegel Der Mundwinkel bewegte sich die Augen mussten mitmachen Und als er versuchte das ganze weniger absichtlich aussehen zu lassen wurde er nur noch angesteigter.

00:12:22: Vielleicht konnte niemand vernünftig lächeln während er darauf achtete wie er es tat.

00:12:27: Man konnte auch schlecht die Treppe hinuntergehen, wenn man sich überlegte welches Beinitz an der Reihe war.

00:12:32: Martin trete den Wasserhahn auf, wusch die Hände und sah dabei auf dem Abfluss.

00:12:36: Draußen kam ihm einen Kollege entgegen, dem er zunickte.

00:12:39: Erst einige Schritte später fiel ihm ein das er dabei gelächelt hatte und er war kurz erleichtert bis er versuchte sich daran zu erinnern wie sich sein Gesicht bewegt hatte.

00:12:48: Abends brauchte der Körper auf dem Bildschirm nur noch wenige Wiederholungen.

00:12:52: Martin zog den Regler zum Anfang zurück weil er glaubte versehnlich eine ältere Datei geöffnet zu haben.

00:12:57: Das Datum stimmte.

00:12:59: Er verglich beide Aufnahmen, wechselte zwischen den Fenstern und fand den Ausdruck vom Ende der einen nun leicht zu beginnen der anderen.

00:13:06: Eine Weile ließ er beide Gesichter nebeneinander lächeln Dann schloss er den Richtner obwohl die neuere Aufnahme noch fast eine Stunde lang war.

00:13:14: Am nächsten Morgen meldete er sich krank und schlief bis zum Mittag.

00:13:17: Beim Aufwachen musste er sich erst daran erinnern, weshalb es so hell im Schlafzimmer war.

00:13:22: Er hatte geträumt, etwas Zusammenhangsloses von dem schon während des Aufstehens nur noch übrig blieb dass er irgendwo zu spät gekommen war.

00:13:29: Seine Füße waren sauber.

00:13:30: in der Küche machte er Kaffee und zog das Heft zu sich heran schob es dann wieder weg um die Tasse abzustellen.

00:13:37: Er wusste wie er die kommende Nacht verbringen würde wenn er zu Hause bliebe.

00:13:40: kurz darauf packte er eine Tasche.

00:13:44: Wenn die Wohnung oder das Haus etwas damit zu tun haben musste sich wenigstens etwas verändern sobald er woanders schlief.

00:13:50: Er nahm ein Geschäftshotel am anderen Ende der Stadt mit Teppichfluren, einem Wasserspender in der Lobby und genau einem gerammten Bild über dem Bett.

00:13:59: Sein Zimmer lag im vierten Stock.

00:14:01: Martin schob einen Sessel vor die Tür setzte sich kurz hinein und drückte ihm dann sobald heran dass die Lähne die Klinke verdeckte.

00:14:07: Die Kamera stand auf dem Schreibtisch.

00:14:10: Im Bild waren die Tür, der Sessel und das Bett auf den man sich mit angezogenen Beinen an das Kopfteil lehnte.

00:14:16: Diesmal würde er das Telefon in der Hand behalten.

00:14:19: Er las keine Seite, trank nichts mehr und wartete auf die Ziffern, die um ein Uhr dreißig wechseln sollten.

00:14:26: Danach war es drei Uhr acht.

00:14:29: Das Telefon lag auf der Bettdecke.

00:14:31: Der Sessel stand unverändert vor der Tür – die Schuhe darunter mit den Spitzen zur Wand.

00:14:37: Martin setzte sich an den Schreibtisch und öffnete die Datei.

00:14:40: Um ein Uhr achtunddreißig richtete sich sein Körper auf, legte das Telefon weg und ging drei Schritte durchs Zimmer.

00:14:46: Beim Umdrehen setzte er den rechten Fuß zu weit nach außen.

00:14:50: Martin hielt das Video an.

00:14:51: Auf dem Teppich war die Bewegung beinahe lautlos, aber er hatte sofort an das Scharren von Frau Seidels Socke gedacht.

00:14:57: Er ließ die Aufnahme weiterlaufen – der zweite Versuch war kleiner.

00:15:00: Dann hob sein Körper die Arme und die Schultern kamen mit nach oben wie bei den älteren Mann unter der Laterne.

00:15:07: Später nahm ja einen Kugelschreiber vom Schreibtisch, verfehlte ihn und griff erneut danach.

00:15:12: Martin sah zu, wie sein Körper sich vor den Spiegel setzte.

00:15:16: Das Gesicht war ihm inzwischen vertraut, auch mit diesem Blick den Erfrohr der ersten Aufnahme noch nie an sich gesehen hatte.

00:15:22: Es bewegte die Lippen und begann zu sprechen.

00:15:24: Er hörte ein Ba dann Da später Ma Die Silben wiederholten.

00:15:30: sich wurden verbunden und brachen wieder ab.

00:15:33: Als sein Körper zur Lachen versuchte klang es zunächst nach Husten.

00:15:37: Martin ging mit dem Regler ein Stück zurück und hörte es noch einmal hielt er aber an ihr.

00:15:42: das nächste lachen kam.

00:15:43: Er hatte schon beim ersten Durchlauf gemerkt, wie wenig daran fehlte.

00:15:47: Das Bild stand auf seinem offenen Mund.

00:15:50: Martin schloss die Datei und saß noch eine Weile am Schreibtisch bis er Aufstand um das Telefon vom Bett zu nehmen.

00:15:55: Nach drei Schritten war er dort.

00:15:57: Ein Name drehte sich um und blieb stehen.

00:16:01: Durch das Fenster fiel Licht von der Straße auf den Teppich.

00:16:03: Der rechte Fuß stand etwas weiter außen als der Linke.

00:16:06: Er wusste nicht ob er vorher jeder darauf geachtet hat Wie er sich in einem engen Zimmer umdrehte.

00:16:11: Wieder am Schreibtisch öffnete er die Aufnahme vom Jungen, dann die aus dem Hotel und legte die eigene Hand so um den Kugelschreiber wie er es auf beiden Bildern sah.

00:16:19: Er nahm den Finger weg mit dem er den Stift von unten stützte – der Stift kippte ihm gegen den Daumen!

00:16:26: Er verlängerte das Zimmer um zwei Nächte in der ersten Bliebherr bis einhundertdreißig wach und fand später dieselben Übungen auf der Kamera nun mit weniger Wiederholung im zweiten Liter Sien der Tasche.

00:16:36: Beim Zehneputzen stand er seitlich zum Spiegel und sah auf das Faschbecken.

00:16:39: bisher fertig war Das Telefon legte er mit dem Display nach unten auf den Nachttisch.

00:16:44: Am Morgen wachte er kurz nach sieben auf und ging zum Frühstück.

00:16:48: Im Speisesaal saßen vielleicht zwölf Menschen, ein paar in Wanderschuhen.

00:16:52: beugte sich über einen Prospekt.

00:16:54: zwei Männer arbeiteten vor aufgeklappten Laptops unter einem anderen Tisch als ein Kind Cornflakes aus einem Becher.

00:17:00: Martin nahm Kaffee und ein Brötchen und setzte sich nahe der Wand.

00:17:04: Er hatte kaum angefangen zu essen als sein Mann hereinkam Mitte dreißig dunkle Jeans grauer Pullover kurze Haare.

00:17:11: Er größte die Frau am Buffet, nahm einen Teller und ging zum Kaffeeautomaten.

00:17:16: Martin sah ihm kurz nach und blickte schon wieder auf den eigenen Teller als der Mann sich umdrehte.

00:17:21: Der rechte Fuß ging nach außen das Gewicht verlagerte sich und der Linke zog nach.

00:17:26: Martin hatte das Brötchen zwischen beiden Händen und hielt es eine Weile so bevor er es zurücklegte.

00:17:31: Der Mann nahm eine Tasse.

00:17:32: Daumen- und Zeigefinger fanden den Henkel, der Mittelfinger kam darunter, der Ringfinger blieb außen.

00:17:38: Die Hand war größer als die des Jungen und eine Tasse musste man wahrscheinlich auf diese Weise halten.

00:17:43: Martin versuchte sich vorzustellen, wie er selbst nach einer Griff – seine eigene Stand vor ihm!

00:17:48: Als er sie anfasste wusste er bereits, wie ihr die Finger anordnen würde und nahm sie wieder weg.

00:17:53: Das Malwerk lief an.

00:17:55: Der Mann zog die Schultern ein kleines Stück hoch, wartete bis der Kaffee durchgelaufen war Und setzte sich zwei Tische weiter.

00:18:03: Es blieb nichts dass ich irgendjemand hätte zeigen lassen.

00:18:05: Menschen drehten sich um, hielten Tassen und der Schraken vor Geräuschen.

00:18:09: Wenn man lange genug an einem Frühstücksbuffet saß, musste man dort vermutlich jede Bewegung finden die er nachts aufgenommen hatte.

00:18:15: Martin dachte an die Hand, die er eben vom Henkel genommen hatte.

00:18:18: Er hätte gar nicht mehr sagen können ob er die Tasse schon immer so hielt oder erst seit einer Minute.

00:18:23: Der Mann schnitt sein Brötchen auf, strich Butter darauf und sah zwischendurch aus Telefon.

00:18:28: Irgendwann wüsste er mit dem Daumen Kaffee von der Oberlippe?

00:18:31: Martin begann selbst wieder zu essen – er hatte Hunger!

00:18:34: was er erst bemerkte, als er das erste Stück herunterschluckte.

00:18:38: Der Mann saß einfach beim Frühstück und er selbst hatte mehrere Nächte damit verbracht Aufnahmen von Füßen und Fingern anzuhalten.

00:18:44: Dann kam eine Kellnerin vorbei und fragte den Mann etwas.

00:18:47: Er sah zu ihr auf und lächelte.

00:18:49: Martin hörte auf zu kauen.

00:18:52: Das Gesicht ähnelte ihm nicht.

00:18:53: der Mann hatte andere Augen andere Lippen und ein schmaleres Kinn.

00:18:56: Der linke Mundwinkel hob sich kaum sichtbar.

00:18:59: dann kam die Wangen und die Augen reagierten einen Moment später.

00:19:02: Martin hatte diese Verzögerung wieder und wieder zurückgespult.

00:19:05: Zuletzt war sie so gering gewesen, dass er sie nur noch erkannt hatte weil er die ersten Versuche kannte.

00:19:11: Der Mann sagte etwas zur Kellnerin doch gleichzeitig begann der Automat wieder zu malen – Sie lachte kurz und ging weiter.

00:19:18: Martin nahm einen Schluck Kaffee obwohl er das Brötchen noch im Mund hatte und stellte die Tasse vorsichtig zurück.

00:19:25: Einige Minuten später bemerkte der Mann seinen Blick.

00:19:27: Er sah herüber, ohne die längere Pause mit der man sich vergewissert jemanden schon einmal gesehen zu haben und wandte sich wieder seinem Frühstück zu.

00:19:34: Martin blieb sitzen bis er fertig war.

00:19:36: An der Tür setzte der Mann den rechten Fuß leicht nach außen und trete sich in den Flur.

00:19:41: Martin hätte nur aufstehen müssen.

00:19:43: Er sa auf die offene Tür und suchte nach einer Frage, mit der ihm hätte folgen können – ob sie sich kannten?

00:19:48: Offensichtlich nicht!

00:19:49: Ob er nachts schlief?

00:19:51: Das würde sogar einem Mann, der gerade vom Frühstücken kam seltsam vorkommen.

00:19:54: Ob ihm bewusst war, dass einzelne Bewegungen in seines Körpers von Menschen standen die Martin über Wochen nachts beim Üben gefilmt hatte?

00:20:01: Bereits die Erklärung, weshalb er das wusste hätte aus ihm den deutlich verdächtigeren der beiden gemacht.

00:20:06: Während er noch überlegte kam jemand anderes durch die Tür.

00:20:09: Martin trank seinen Kaffee aus und checkte.

00:20:11: wenig später aus Zu Hause begegnete ihm Frau Seidel auf der Treppe zwei Einkaufstaschen in der Hand.

00:20:18: Sie blieb stehen damit er vorbei kam Und erzählte ohne Nachfrage, dass sie seit einiger Zeit ausgezeichnet schlafe.

00:20:24: Früher sei sie oft vor dem Wecker wach geworden, inzwischen kaum noch.

00:20:28: Martin sauf ihre Füße – als sie die Taschen anders griff, blickte er schnell wieder zu ihrem Gesicht und brauchte einen Moment, ehe er sich daran erinnerte was sie eben gesagt hatte.

00:20:37: In der Wohnung lag das Heft noch auf dem Küchentisch.

00:20:40: Er blätterte durch die letzten Seiten Urzeiten Namen Pfeile Die Zeichnung einer Hand neben der er versucht hatte Das Geräusche seiner eigenen Stimme mit Buchstaben wiederzugeben.

00:20:50: Auf einer Seite stand Frau Seidels Name dreimal untereinander.

00:20:53: Martin schlug eine neue Seite auf und legte den Stift daneben.

00:20:57: Um ein Uhr sechsunddreißig saß er noch dort unter Trankwasser, um ein Uhr siehunddreizig ebenfalls.

00:21:02: Als ein Uhr achtunddreyzig erschien, bemerkte er dass seine Hände flach auf der Tischplatte lagen und nahm sie herunter.

00:21:09: Um einen Uhr vierzig hörte er im Treppenhaus eine Tür zufallen.

00:21:13: Er sah auf das Telefon und blieb sitzen.

00:21:15: Es wurde ein Uhr einundvierzig dann einer dreienfünfzig.

00:21:19: Zwischen den Blicken auf die Uhr konnte er sich daran erinnern was er getan hatte.

00:21:23: Er war aufgestanden, hatte das Glas aufgefüllt und sich wiedergesetzt.

00:21:26: Gegen halb drei kochte er Kaffee.

00:21:28: um drei Uhr acht stand er am Fenster.

00:21:30: Auf der Straße fuhr ein Taxi vorbei sonst bewegte sich nichts.

00:21:34: Als er die Tasse wegräumte war die neue Seite im Häft noch leer.

00:21:39: Auch in der folgenden Nacht fehlte keine Zeit in der danach ebenfalls nicht Die Bundesstelle an der Zunge heilte dass Ziem in den Bein verschwand.

00:21:47: Nach einer Woche brachte er die Kameras in den Keller und legte das Heft in die Küchenschublade zu alten Batterien, Bedienungsanleitungen und einem Schlüssel von dem er seit Jahren nicht mehr wusste wozu er gehörte.

00:21:58: Er ging wieder zur Arbeit, kaufte ein-und vor Bahn.

00:22:01: In der Kantine setzte sich ein Kollege neben ihm und zog mit dem Fuß einen Stuhl heran ohne hinzusehen.

00:22:07: Martin bemerkte wie sie sein Gewicht schon verlagert hatte bevor er die Bewegung begann.

00:22:11: Früher hätte er ihn wahrscheinlich nicht einmal dabei zugesehen.

00:22:14: Nun sah er an Ampeln auf Hände, die Reißverschlüsse fanden und auf Köpfe, die sich nur soweit drehten wie es nötig war.

00:22:21: Manchmal musste er erst überlegen was ihn an einer Bewegung festhielt.

00:22:25: Einmal blieb er vor einem Café stehen bei eine Frau am Fenster lachte und dabei zuerst den linken Mundwinkel hob.

00:22:31: Sie saß schräg zur Scheibe.

00:22:32: Martin trat ein Stück zur Seite um die Augen sehen zu können und bliebe neben der ausgestellten Speisekarte stehen.

00:22:38: Die Frau hörte jemanden am Tisch zu nahm eine Tasse und stellte sie wieder hin.

00:22:43: Er wartete auf das nächste Lachen.

00:22:44: Seine Hand war schon in der Jackentasche am Telefon, als die Frau den Kopf zurücklegte und wieder lachte – diesmal mit offenen Mund- und geschlossenen Augen.

00:22:52: Er hatte das erste Lächeln nur einmal gesehen.

00:22:54: Durch die Scheibe war ihr Gesicht schlecht zu erkennen gewesen und je länger er darstand, desto weniger wusste er noch wie es ausgesehen hat.

00:23:01: Ein Mann wollte an ihm vorbei zur Tür.

00:23:03: Martin machte Platz und ging weiter.

00:23:06: Zu Hause öffnete er die Küchenschublade weil er die Schere suchte.

00:23:10: Sie lag unter dem Heft, er hob es an zog die Schere heraus und legte es wieder zurück.

00:23:16: In dieser Nacht schlief er durch.

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