Grimoire #6: Funken im Dunkeln
Shownotes
🎧 Worum geht’s in dieser Folge?
Seit Generationen erscheinen Ende Oktober seltsame Lichter über einem Hügel. Während das Dorf daraus ein Volksfest gemacht hat, halten einige Bewohner an einer älteren Überlieferung fest: Alle achtundzwanzig Jahre müsse dem geheimnisvollen Cruach etwas geopfert werden. Als der Brauch zuletzt ausgesetzt wurde, verschwand ein elfjähriger Junge spurlos.
In diesem Jahr soll Aoifes Kalb Molly am Hügel zurückgelassen werden. Um das Tier zu retten, versteckt Aoife es auf einer abgelegenen Weide. Doch während im Dorf gefeiert wird, tauchen auch dort die ersten Funken auf. Dazu kommt ein merkwürdiges metallisches Schleifen, das immer näher rückt.
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🎙️ Host: Tim
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00:00:21: Es begann jedes Jahr mit Licht.
00:00:24: Jedenfalls war das die Version, die man den Besuchern erzählte.
00:00:28: Ende Oktober erschienen auf dem Hügel oberhalb des Dorfes kleine Funken mal nur für ein paar Sekunden, mal über Stunden hinweg und bei Menschen mit Dingen, die regelmäßig passieren selten lange zufrieden sind hatte man irgendwann einen Namen und später ein Fest daraus gemacht.
00:00:45: Früher schlossen einige der Älteren bei den ersten Lichtpunkten ihre Türen.
00:00:49: Inzwischen öffneten andere ihre Handykameras.
00:00:54: Auf dem Dorfplatz standen zwei Essenswagen, die Feuerwehr verkaufte Getränke Kinder liefen mit Laternen herum und auf einer kleinen Bühne spielte später Musik.
00:01:03: Der Bäcker machte seit einigen Jahren Gebäck in Flammenform.
00:01:07: Besucher aus den umliegenden Orten kamen vor allem wegen der Bilder, auf denen der Hügel hinter dem Dorfs meist nur als dunkle Fläche erschien über der etwas orange leuchtete.
00:01:17: Auf den Plakaten stand nichts von Groach.
00:01:20: Yves kannte den Namen von ihrer Großmutter und hätte lange nichts sagen können, ob Kroach ein Wesen, ein Ort oder nur das Geräusch war, dass angeblich manchmal unter dem Hügel zu hören war.
00:01:31: Je nachdem wann die Geschichte erzählt wurde lebte er dort unten, kam von irgendwo anders oder war bereits da gewesen bevor überhaupt jemand auf die Idee kamen den Hügel zu benennen.
00:01:42: Solche Widersprücher hatten die Großmütter nie besonders gestört.
00:01:45: Wenn Yves nachfragte, erzählte sie den selben Teil noch einmal gewöhnlich mit einer weiteren Einzelheit die zur ersten Erklärung nicht recht passen wollte.
00:01:55: Über die acht und zwanzig Jahre sprachen allerdings erstaunlich viele Leute ähnlich.
00:02:01: Alle achtundzwanzig jahre müsse etwas gegeben werden wobei schon bei der Frage was genau die Übereinstimmung aufhörte?
00:02:08: In einer Version war es das erst gebrochene Kind einer Familie In einer anderen das erste Tier eines Hofes und Yves' Großmutter hatte stets vom ersten Kalb des Jahres gesprochen, als wäre damit jede offene Frage geklärt.
00:02:22: Irgendwann sollte sich das geändert haben – früher Kinder später Tiere!
00:02:27: Wer mit wem diese Änderung vereinbart hatte wusste niemand mehr.
00:02:31: Es existierte keinen Vertrag kein Datum nicht einmal eine Geschichte in der jemand tatsächlich mit Kruach verhandelte.
00:02:38: Trotzdem sprach man von einem Pakt, weil Pakt deutlich besser klang als die Vermutung dass vor langer Zeit irgendjemand ein Tier an einen Hügel gebunden und danach beschlossen hatte.
00:02:48: Das sei jetzt offenbar so!
00:02:50: Eve hatte schon als Kind gefunden das eine übernatürliche Macht mit einem festen Turnus von achtundzwanzig Jahren wenigstens etwas sorgfältiger bei den Vertragsunterlagen hätte sein können.
00:03:01: In diesem Jahr stand Molly im Stall Das Kalb war im Februar geboren worden, das Erste auf dem Hof und Eve hatte bei der Geburt daneben gestanden.
00:03:11: Eigentlich hatte sie vor allem Handtücher gereicht und einmal so ungünstig im Weg gestanden dass ihre Mutter sich wortlos zwei Schritte zur Seite geschoben hatte aber danach hatte sie für sich beschlossen ausreichend beteiligt gewesen zu sein um den Tier einen Namen geben zu dürfen.
00:03:26: Ihre Mutter hatte ihr ausdrücklich davon abgeraten.
00:03:29: Tiere, die verkauft wurden oder irgendwann geschlachtet werden mussten, brauchten keinen Namen, hatte sie gesagt.
00:03:35: Eve hatte daraufhin Molly gesagt hauptsächlich deshalb weil ein Tier ohne Namen ihr plötzlich noch trauriger vorkam.
00:03:42: Monatelang war daraus kein Problem entstanden.
00:03:46: Erst im Oktober bemerkte sie dass ihre Mutter bei Gesprächen über das Funkenfest stiller wurde.
00:03:52: Der Vater wechselte das Thema, wenn jemand die achtundzwanzig Jahre erwähnte und eines Abends lag ein altes Stricksaal auf dem Küchentüch – obwohl Stallzeug normalerweise im Stall blieb.
00:04:03: Es war gereinigt worden!
00:04:04: Die Fasern waren an einigen Stellen noch dunkel vor Feuchtigkeit und am Ende saß einen Metallring dessen Oberfläche so glatt waren dass er schon lange vor Yves benutzt worden sein musste.
00:04:14: Sie fragte nachdem Seil ihre Muttern saht zunächst auf die noch feuchte Stelle im Holz darunter.
00:04:20: Molly sollte am Nachmittag von Sarwen auf die Nordseite des Hügels gebracht werden.
00:04:25: Dorthin, wo zwischen zwei niedrigen Steinmauern ein Eisener Ring im Boden steckte – das Tier werde angebunden, danach gehe man wieder!
00:04:33: Mehr müsse niemand tun….
00:04:34: Eve fragte ob ihre Mutter wirklich glaubte dass dort nachts irgendein Ding aus dem Hügel käme und einen Kalb abhole?
00:04:41: Ihre Mutter sagte nur sie glaube, dass man manche Dinge nicht ausprobieren müsse.
00:04:46: Das war eine dieser Antworten, die gleichzeitig vernünftig und vollkommen unbrauchbar sein konnten.
00:04:52: Man musste tatsächlich nicht jedes Risiko ausprobieren – Eve steckte schließlich auch keine Gabel in einer Steckdose nur weil sie persönlich nie überprüft hatte ob Strom wirklich so funktionierte wie Erwachsene behaupteten.
00:05:04: Bei Steck Dosen gab es allerdings eine gewisse Menge an Belegen.
00:05:07: Beim Gruach gab es vor allem Großmütter und einen Eisenring im Boden.
00:05:12: Vor achtundzwanzig Jahren hatte das Dorf den Brauch schon einmal ausgelassen.
00:05:17: Warum genau wusste IF nicht?
00:05:19: Manche sagten, der damalige Bürgermeister habe den Aberglauben beenden wollen, andere sprachen von Streit zwischen den Höfen wieder andere von einem Tierarzt, der sich eingemischt haben.
00:05:30: Ihre Mutter war damals noch eine Jugendliche gewesen und hatte an der Suche nach dem jungen Teil genommen, der in dieser Nacht verschwand – er war elf Jahre alt!
00:05:39: Mehrere Tage lang standen Autos an Straßen, an denen sonst kaum jemand hielt.
00:05:44: Freiwillige aus den Nachbarorten kamen und Polizeihunde wurden über den Hügel geführt.
00:05:49: Dort fand man eine rundliche Fläche in der das Gras Rotbron verfärbt war – dazu feinen metallischen Abrieb, der an den Schuhen- und Hosenbein hängen blieb.
00:05:57: Vom Jungen fehlte jede Spur.
00:06:01: Für die meisten im Dorf war die Sache damit erstaunlich sauber.
00:06:04: Kein Tier gebracht?
00:06:06: Kind verschwunden!
00:06:07: Öffentlich stellte niemand mehr die Frage, ob man den Brauch fortsetzen sollte.
00:06:12: Eve stürzte daran, dass der verschwundene Junge weder das erste Kind seiner Familie noch überhaupt aus einem Hof mit Vieh gewesen war.
00:06:19: Ihre große Mutter hatte das einmal mit einem Schulterzucken beantwortet und gemeint – vielleicht habe man die Regeln eben nie richtig verstanden!
00:06:26: Eve fand, dass dieser Satz eigentlich mehr gegen das Opfern von Tieren sprach als dafür.
00:06:31: Ihre Mutter hatte bei diesem Gespräch nichts gesagt….
00:06:35: Am Morgen von Sauen kam ein Wagen vom Veterinäramt ins Dorf.
00:06:40: Jemand hatte offenbar gemeldet, dass Tiere ohne Genehmigung getötet werden sollten!
00:06:45: Der Beamte kontrollierte zwei Höfe, sprach mit mehreren Leuten und fuhr wieder ohne Moly gesehen zu haben.
00:06:52: Yves' Mutter wartete bis das Auto am Ende der Straße verschwunden war und legte danach das alte Seil neben die Box.
00:06:59: Yve stand am Eingang und sah ihr dabei zu.
00:07:01: Es gab keinen großen Streit – ihre Mutter erklärte, dass sie am Nachmittag losgehen würden.
00:07:06: Yves sagte, Molli bleibe hier.
00:07:09: Der Vater beschäftigte sich auffällig lange mit einem Verschluss an der Nachbarbox obwohl daran nichts kaputt war.
00:07:15: Yves wartet darauf dass er sich umdrehte aber er berufte noch einmal den Riegel und ging dann in den hinteren Teil des Stalls.
00:07:21: Etwa eine Stunde später waren beide Eltern im anderen Gebäude beschäftigt.
00:07:26: Yve holte das Halfter und den Eimer mit Kraftfutter.
00:07:29: Das Kalb ließ sich leichter stehlen, als sie erwartet hatte.
00:07:32: Genau genommen war Steelen wahrscheinlich das falsche Wort da es hier weiterhin ihrer Familie gehörte und Yves ebenfalls dort wohnte.
00:07:39: Sie wollte Molly auch nur für eine Nacht an einen anderen Ort bringen.
00:07:43: Molly folgte vor allem dem Eimer und begann erst hinter dem Hof an jeder halbwegs interessanten Grasstelle stehen zu bleiben.
00:07:50: Yves führte sie über einen Feldweg und später am Bach entlang zu einer alten Sommerweide die ebenfalls der Familie gehörte aber seit September kaum noch genutzt wurde.
00:07:58: In einer Ecke stand ein niedriger Unterstand aus Holz und Wellblech, der Trog enthielt noch Wasser – und der Zaun war trotz seines Alters dicht genug.
00:08:06: Der Ort lag hinter einer Baumreihe und war vom Hof aus nicht zu sehen.
00:08:10: Natürlich würden ihre Eltern irgendwann hier suchen!
00:08:13: Für diesen Abend genügte es aber wenn Molly nicht am Högel stand.
00:08:18: Yves stellte den Futter einmal in den Unterstand, wickelte die Kette zweimal um den Torpfosten und setzte sich auf die niedrige Holzkante am Eingang.
00:08:27: Bis hierher hatte ihr Plan gereicht.
00:08:28: Was morgen geschah, war weniger durchdacht.
00:08:31: Ihre Eltern würden wütend sein.
00:08:33: Molly würde zurückkommen und spätestens in ein paar Tagen müsste Yves wieder mit Menschen an einem Tisch sitzen denen sie gerade einen Tier vor einem Jahrhunderte alten Ritual versteckt hatte.
00:08:42: Sie sah sich schon beim Abendessen sitzen und auf etwas warten das niemand sagte während Ihr Vater das Salz weiter erreichte.
00:08:49: Wenn sie sich wenigstens jetzt gründlich gestritten hätten hätte sie eine ungefähre Vorstellung davon gehabt was noch auf sie zukam.
00:08:56: Kurz nach drei rief ihre Mutter zum ersten Mal an.
00:09:00: Eve ließ das Telefon klingeln, beim zweiten Anruf ebenfalls, beim dritten drückte sie ihn weg.
00:09:05: Danach kamen Nachrichten erst die Frage wo sie sei später auch Wummoli sei.
00:09:11: Sie laß sie und steckte das Telephone zurück in die Jackentasche.
00:09:14: Von der Weide aus konnte sie einen Teil der Dächer sehen.
00:09:17: Autos kamen über die Straße irgendwo wurde eine Lautsprecheranlage getestet Und zwischen den Häusern gingen nach und nach die Ersten Lichter an.
00:09:27: Molly Fras während Yves zu frieren begann, sie hatte keine Handschuhe mitgenommen und auch sonst erstaunlich wenig von dem was man benötigte wenn man mehrere Stunden auf einer Weide verbringen wollte.
00:09:36: In ihrer Jackentasche fand sie einen Kassenzettel und zwei Bonbons, von denen eines so fest mit der Verpackung verbunden war dass sie es zurücksteckte.
00:09:44: das andere Ars sie langsam.
00:09:47: Als kurz vor fünf ihr Vater anrief hielt die das Telefon solange in der Hand bis sein Name vom Display verschwand.
00:09:54: Sie hätte gern sicher gewusst dass Croach Unsinn war.
00:09:56: Dann wäre die Angst, ihre Eltern zwar weiterhin ihr Problem gewesen aber wenigstens hätte sie hier nichts anderes getan als ein Kalb zu verstecken.
00:10:04: Wenn die Geschichten stimmten, hätte sie Molly wohl zurückbringen müssen.
00:10:08: Sie versuchte sich vorzustellen wie sie das Halfter wieder festmachte und mit ihr zum Hof ging wo ihre Mutter das alte Seil aufnehmen würde.
00:10:15: Bis zu diesem Teil kamen sie jedes Mal.
00:10:18: Den Weg zum Hügel brachte sie in ihrer Vorstellung nicht mehr fertig.
00:10:21: Vielleicht genügter ein verschwundenes Kind damit man ein Leben langer ein Tier dort anwand.
00:10:26: Eve hätte wahrscheinlich auch irgendeinen vollkommen sinnlosen Knopf gedrückt, wenn jemand überzeugend behauptet hätte das genau deshalb seit drei Jahrzehnten niemand mehr verschwand.
00:10:35: Molly hob den Kopf aus dem Eimer und Eve schob ihn mit dem Fuß wieder näher an sie heran.
00:10:40: Als es dunkel wurde stellte sie die Taschenlampe des Telefons an und kontrollierte noch einmal.
00:10:44: Tor-und Zaun Im Dorf liefen zwischen Musik wobei bis zur Weide hauptsächlich der Bass kamen und gelegentlich ein Stück Melodie wenn der Wind günstig stand.
00:10:53: Molly hatte sich in den Unterstand gestellt und kaute.
00:10:57: Yves setzte sich wieder auf die Holzkante, zog die Hände in die Ärmeln und wartete auf die ersten Funken.
00:11:03: Sie erschienen kurz nach sieben am oberen Hang.
00:11:05: Zunächst nur drei oder vier Lichtpunkte, die seitlich durch die Dunkelheit sprangen und verschwanden Bevor man den Blick richtig darauf einstellen konnte.
00:11:13: Nach einer Weile folgten weitere.
00:11:15: Yves dachte an die Schleifscheibe der Werkstatt ihres Vaters Und daran dass sie sich dort längst angewöhnt hatte etwas Abstand zu erhalten.
00:11:23: Hier lag ein Bach zwischen ihr und dem Hügel.
00:11:26: Sie filmte ein paar Sekunden, hielt das Telefon anschließend näher ans Gesicht und konnte im Video kaum etwas erkennen.
00:11:33: Während sie den Ausstitt vergrößerte schrug hinter ihrem Molli gegen die Wand des Unterstands.
00:11:38: Das Kalb stand mit erhobenem Kopf dar und saß zum Bach – Eve leuchtete in dieselbe Richtung über den Zaun und die dunklen Stämme dahinter und wartete darauf, dass ein Tier durchs Unterholz lief!
00:11:48: Das Schleifen war zunächst so leise, da sie an einer Maschine auf einem entfernten Hof dachte….
00:11:53: Metall wurde langsam über Stein gezogen, blieb kurz hängen und lief weiter.
00:11:57: Molly ging rückwärts bis ihre Hinterhand gegen die Wand stieß.
00:12:01: Als das Geräusch ein zweites Mal kam, schwenkte Eve das Telefon vom Hügel zurück zum Bach weil sie dort viel eher hätte sehen müssen was es verursachte.
00:12:10: Ihr Vater hatte ja einmal erklärt weshalb man manche Maschine nachts kilometerweit hörte obwohl die tagsüber kaum auffielen.
00:12:16: Temperatur und Luftschichten waren darin vorgekommen.
00:12:19: Mehr wusste sie nicht, und normalerweise hätte sie ihn einfach noch einmal gefragt.
00:12:23: Sie konnte ihm auch jetzt eine Nachricht schreiben – dabei müsste sie erwähnen wo sie war und das wäre eine ziemlich lächerliche Art gewesen mit Molly aufzugeben.
00:12:32: Vater bitte huhl uns.
00:12:33: ich habe hier ein Geräusch
00:12:34: gehört.".
00:12:36: Yves liess das Telefon sinken und legte dem Kalb einer Hand um den Hals.
00:12:40: unter dem kurzen Fell waren die Muskeln hart.
00:12:42: Die sagte es sei gut und hörte an ihrer eigenen Stimme, dass sie auf eine Reaktion wartete.
00:12:48: Am unteren Zaun klitzerte etwas im Licht.
00:12:50: Dief ging näher, obwohl Molly sich zunächst gegen das Halfter stemmte und sah kleine graue Partikel auf den Halmen liegen.
00:12:57: Als die mit der Schuhspitze durchs Grasstrich blinkten ein paar davon auf.
00:13:01: Sie kannte solchen Staub aus der Werkstatt, wo man ihn auf dem Boden zusammenkehrte und manchmal an den Händen hatte, obwohl man bloß etwas vom Tisch genommen hatte.
00:13:09: Ihr Blick ging vom Gras zum Zaun und weiter zum Bach.
00:13:11: An den Drehten war nichts zu sehen.
00:13:13: Sie zog den Schuh zurück und blieb stehen, bis das Telefon in ihrer Hand vibrierte.
00:13:18: Diesmal nahm sie den Anruf an.
00:13:21: Sie hörte Schritte, entfernte Musik und jemandem der etwas rief – dann sagte ihre Mutter ihren Namen.
00:13:26: Yves wollte erklären wo sie war.
00:13:28: noch während sie Luft holte, zog das Schleifen durch die Leitung so laut dass sie das Telephone vom Ohr nahmen.
00:13:34: Die Verbindung brach ab.
00:13:37: beim Rückruf hatte sie kein Netz mehr.
00:13:39: Sie hielt das Telefon höher, ging einige Schritte zurück zum Unterstand und sah immer wieder auf den kleinen Hinweis oben im Display.
00:13:45: Molly musste sie dabei mitziehen.
00:13:48: Auf dem Hügel wurden die Funkten zahlreicher und vom Dorfplatz kam Jubel später Applaus.
00:13:54: Eve konnte sich vorstellen wie die Leute dort die Köpfe holen und einander den besten Platz zum Filmen zeigten.
00:13:59: Sie hätte selbst zwischen ihnen gestanden wenn ihre Mutter das Seil nicht auf dem Küchentisch gelegt hätte.
00:14:03: Jetzt trieb sie Molly's Hals und überlegte ob man unten im Dorf auch das Schleifen hörte.
00:14:09: Es begann wieder, zunächst in Richtung des Hügels dann direkt auf der anderen Seite des Zauns.
00:14:14: Sie zog das Kalb vom Bach fort.
00:14:16: Moly drängte aus dem Unterstand, Yves wickelte sich die Leine um das Handgelenk und löste sie sofort wieder weil er einfielen wie viel ein Kalb vog wenn es wirklich irgendwo hin wollte.
00:14:26: Sie griff die Lein weiter oben vielleicht zehn Meter vor.
00:14:29: ihr sprang einen weißer Funken knapp über den Gras auf Und Yves sah noch auf die Stelle.
00:14:33: als weiter rechts ein zweiter erschien.
00:14:36: In der Werkstatt ihres Vaters hätte sie jetzt zurückgehen können, weg von der Schleifscheibe und dem was daran gehalten wurde.
00:14:42: Sie leuchtete über die Wiese, suchte nach einer Bewegung und musste zugleich Molly halten, die sich gegen sie warf.
00:14:49: Als das Kalb den Kopf herumriss, glitt ihr die Leine durch die Hände.
00:14:52: Molly lief am Zaun entlang, rutschte auf dem feuchten Boden kurz weg und verschwand hinter einem flachen Nebelstreifen.
00:14:59: Lief fluchte und lief hinterher.
00:15:02: Sie fand sie nur wenige Meter weiter neben einer ungefähr runden Fläche im Gras, deren Halme rotbraun geworden waren.
00:15:08: Einige standen aufrecht andere waren unter Mollys Hufen umgeknickt.
00:15:13: Yves leuchtete von einem Rand zum anderen und sah das der Fleck etwa vier Meter breit war.
00:15:18: Ringsum lag derselbe feiner Abrieb wie am Zaun.
00:15:22: Sie hatte das Foto gesehen irgendwann in einer Lokalzeitung die den alten Vermisstenfall wieder aufgegriffen hat.
00:15:27: Zwei Prizisten waren darauf zu erkennen gewesen, ein Stück Absperrband und hinter ihnen eine verfärbte Stelle im Gras.
00:15:34: Yves hatte damals mehrmals zwischen dem Bild und dem Text gewechselt, weil ein brauner Fleck auf einer Wiese ziemlich wenig über einen verschwundenen Jung aussagte.
00:15:42: Jetzt konnte sie sich an seine Größe nicht erinnern und versuchte trotzdem festzustellen ob die Fläche vor ihr genauso aussah.
00:15:49: Molly setzte einen Fuß vor und Yves griff wieder nach dem Halfter.
00:15:53: Das Kalb ließ sich zurückziehen, Yves ging seitlich von der verfärbten Stelle weg ohne ihr den Rückenzug zu kehren und spürte dabei wie Molly den Hals streckte.
00:16:02: Sie rochfeuchte Erde und etwas das sie an nasse Münzen erinnerte – das Schleifen brach ab!
00:16:08: Yves wartete auf dem nächsten Ton und bemerkte erst dadurch dass auch die Musik aus dem Dorf nicht mehr zu hören war.
00:16:14: Der Bach lief weiter irgendwo belter ein Hund.
00:16:17: direkt neben ihrem Ohr atmete Molly laut und schnell.
00:16:21: Zwischen zwei Nebelbändern standen dunkle Teile, die Yves erst für die Posten des hinteren Zauns hielt.
00:16:27: Sie wusste aber wo der Zaun verlief und schwenkte das Telefon ein Stück nach rechts um einen der wirklichen Posten zu finden.
00:16:33: Als sie zurück leuchtete lag die untere Kante des Dings anders.
00:16:37: Ein schmaler Abschnitt dragte darüber hinaus etwa dort, wo sie nach einem Kopf gesucht hätte wenn sie sich hätte entscheiden können was sie ansah.
00:16:44: Ein Funke sprang auf und beleuchtete etwas Helles glatt wie Metall oder Knochen.
00:16:49: Yves blinzelte.
00:16:50: Danach sah sie nur nach Nebel und hielt das Telefon weiter auf dieselbe Stelle.
00:16:54: Vom Feldweg rief ihre Mutter ihren Namen, Yves antwortete sofort so laut dass Molly zusammenzuckte und hörte gleich darauf erneut den Ruf diesmal näher.
00:17:03: Zwischen den Stämmen erschien das Licht einer Taschenlampe.
00:17:05: Sie erkannte die Jacke ihrer Mutter unter hinter einem zweiten Lichtkegel.
00:17:09: Vor wenigen Stunden hatte sie noch überlegt, wie sie ihnen Molly wenigstens für diesen einen Abend entziehen konnte.
00:17:14: Jetzt wollte sie, dass ihr Vater das Halftername und ihre Mutter ihr zeigte, wo sie sich hinstellen sollte um nicht im Weg zu sein.
00:17:22: Eve verführte Molly zum Tor.
00:17:23: Um den rot-blauen Fleck machte sie einen Bogen, wobei sie die ganze Zeit zu den Lampen hinter den Bäumen sah.
00:17:29: Direkt neben ihrem Schuh sprang ein Funke auf.
00:17:31: Sie zuckte zurück, draht mit der Ferse in den Rand der verfärbten Fläche und verlor das Gleichgewicht.
00:17:37: Als sie sich mit einer Hand abstützte, gab der Boden und ihr nach bis die Finger etwas hartes berührten.
00:17:42: Eine schmale Metallkante drückte in ihre Handfläche.
00:17:45: Yves zog die Hand zurück und leuchtete darauf aber zwischen den Halmen war nichts zu sehen.
00:17:50: Sie wollte aufstehen und bekam ein Knie unter dem Körper.
00:17:53: dabei musste sie Molly loslassen.
00:17:55: das kalpe Wicht zurück und im selben Moment begann das Schleifen so nah dass Yves es bis in den Kiefer fühlte.
00:18:01: Ihre Mutter rief wieder, Yves versuchte zu antworten.
00:18:04: Bresste aber nur die Zähne aufeinander weil das Vibrieren stärker wurde sobald sie den Mund öffnete.
00:18:09: Sie legte das Telefon auf dem Oberschenkel und setzte die Hand ein zweites Mal ins Gras.
00:18:13: etwas weiter links unter den Halmen lag dieselbe Kante.
00:18:17: Sie konnte keinen schästen Boden erreichen von dem aus sie sich hätte hochdrücken können.
00:18:22: Eine der Lampen hielt am Tor an.
00:18:25: Yves sah das Gesicht ihres Vaters hinter den Drehten und streckte ihm die freie Hand entgegen.
00:18:29: Sie war noch nie auf dieser Weide gewesen, ohne dass ihr eingefallen war wie weit es im Winter bis zum Warmenhaus war.
00:18:36: Jetzt waren erst nur wenige Schritte bis zu ihm und sie überlegte ob er über den Zaun klettern oder erst die Kette aufmachen würde.
00:18:42: Sein Licht ging über sie hinweg und blieb am Unterstand stehen.
00:18:46: Yves versuchte die Hände höher zu heben.
00:18:48: Ihr Telefon rutschte vom Bein viel mit dem Licht nach oben ins Gras Und sie hörte ihre Mutter fragen wo sie sei.
00:18:55: Das Tor war geschlossen die Kette zweimal um den Pfosten gelegt.
00:18:58: Yves' Mutter hatte ihre Tochter noch eben Antworten hören.
00:19:02: Während ihr Mann das Tor öffnete, sah sie Molly nahe dem Unterstand stehen – nass vom Nebel und unverletzt!
00:19:07: Sie leuchtete um die Holzwände herum unter den Troghund zurück zum Zaun.
00:19:11: Dann saß sie das Telefon im Gras.
00:19:16: Noch in derselben Nacht begann die Suche.
00:19:18: Zuerst liefen ihre Eltern den Bach und die angrenzenden Felder ab.
00:19:21: Später kamen Prezai, Hunde- und Freiwillige aus dem Dorf dazu.
00:19:25: Am nächsten Morgen suchten weitere Kräfte den Hügel, Scheunern, Straßen und leerstehende Gebäude ab.
00:19:31: Proben von der rot-brauen Stelle gingen ins Labor – sie enthielten größtenteils Eisen-, Rost- und Spuren anderer Metalle.
00:19:38: Yves' Mutter ließ sich zeigen wo man sie genommen hatte und erzählte noch einmal aus welcher Richtung sie Yve gehört hatte.
00:19:44: Ihr Telefon blieb das einzige dass sicher von ihr zurückgeblieben war.
00:19:52: Molly kam in derselben Nacht zurück auf den Hof.
00:19:54: Das alte Strickseilag weiter neben ihrer Box, wo Yves' Mutter es am Nachmittag hingelegt hatte.
00:19:59: Niemand hatte es benutzt.
00:20:01: Einige Tage später hängte der Vater es wieder an seinen Haken.
00:20:04: An der Hintertür hing Yves dünne Stalljacke die sie an diesem Abend gegen die Wärmere getauscht hatte.
00:20:10: Im Kühlschrank stand ein Joghurt den nur sie mochte mehrere Tage über dem Datum bei ihre Mutter jedes Mal etwas anderes herausnahm und ihn stehen ließ.
00:20:18: Die Suche lief weiter – nun irgendwann nicht mehr jeden Morgen sichtbar vom Küchenfenster aus.
00:20:23: Erst verschwanden die Polizeiwagen, dann die Menschen auf den Feldwegen und schließlich auch das Absperrband an der Sommerweide.
00:20:32: Fast zwei Wochen nach Sorben blieb Yves' Mutter nach dem Füttern länger im Stall.
00:20:37: Draußen regnete es auf das Wellblechdach.
00:20:39: Molly hatte gefressen und stand in ihrer Box – das Seil hing neben dem Regal und Yves Mutter nahmes vom Haken um es zu den anderen Halftern zu legen.
00:20:48: Beim Falten klitt ihr der Metallring aus der Hand und schliff ein Stück über den Boden.
00:20:53: Sie hielt ihn fest Ob ihn an und lauschte.
00:20:55: Von der hinteren Stallwand kam das Geräusch noch einmal, langsam gezogen genauso wie sie es in dieser Nacht vom Feldweg aus gehört hatte.
00:21:05: Sie wartete mit dem Ring in der Hand.
00:21:07: Ihr Mann war schon im Haus – die hintere Stalltür hatte sie vor den Füttern geschlossen!
00:21:11: Sie sah zur Box als Molly den Kopf hob und strich mit dem Daumen über die Klatte Stelle am Metall, an der so viele Hände vor ihrer Gelegen hatten.
00:21:19: Eine Weile blieb sie dort stehen.
00:21:22: Als sie schließlich den leeren Futter einmal aufnahm musste sie ihn mit der linken Hand tragen, weil sie das Seil nicht ablegte.
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