Grimoire #8: Schneemädchen
Shownotes
🎧 Worum geht’s in dieser Folge?
Seit Jahrzehnten verschwinden Kinder aus einem kleinen Dorf. Manche von ihnen sind noch da. Zwischen den Bäumen, im Schnee, verändert und miteinander auf eine Weise verbunden, die sich kaum erklären lässt.
Als eine Frau ins Dorf kommt und die alten Vermisstenfälle untersucht, begegnet sie dem Schneemädchen. Was zunächst wie die Spur zu einer Antwort aussieht, wird langsam zu etwas anderem: zu einer Kälte, die nicht nur fremd wirkt, und zu einer Ruhe, die gefährlich vertraut werden kann.
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🎙️ Host: Tim
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00:00:21: Wenn eines der Kinder fällt, merke ich es meistens bevor ich sehe welches.
00:00:27: Ein kurzer Stoß geht durch ein Knie eine Schulter oder den Hinterkopf und für einen Moment gehört keinem bestimmten Körper.
00:00:35: Dann richtet sich irgendwo zwischen den Bäumen ein Kind wieder auf klopft Schnee von der Hose und geht weiter.
00:00:42: Wir kümmern uns nicht besonders darum.
00:00:45: Knochen wachsen zusammen Gelenke finden andere Winkel und vieles, was Menschen falsch nennen würden ist nur deshalb falsch weil sie sich gut daran erinnern wie es vorher ausgesehen hat.
00:00:57: Bei einem der Jungen lässt sich der linke Arm inzwischen weiter nach hinten drehen als der rechte.
00:01:02: Ein Mädchen setzt beim Gehen die Hüfte etwas tiefer weil eines ihrer Beine kürzer geworden ist.
00:01:08: Ich glaube früher war's anders herum aber vielleicht gehört dieser Erinnerung auch zu einem anderen Kind.
00:01:14: Je länger man bei uns bleibt, desto schwieriger wird es solche Dinge ordentlich auseinanderzuhalten.
00:01:21: Ein Geruch kann jemand anderem gehören als das Zimmer in dem man ihn erinnert und manchmal weiß ich noch wie sich eine Hand anfühlt obwohl ich längst nicht mehr weiss wessen handes war Und das stört uns nicht mehr.
00:01:34: Es gibt wenig wofür man hier einen vollständigen menschen braucht.
00:01:37: Die Menschen im Dorf nennen mich Schneemädchen.
00:01:41: Einige tun das schon sehr lange, vielleicht länger als sie selbst wissen weshalb sie diesen Namen benutzen.
00:01:47: Die Älteren sehen mich manchmal am Waldesrand und wenden den Blick wieder ab – nicht hastig!
00:01:52: Sondern mit der Sorgfalt von Menschen die wissen an welcher Stelle eines Weges im Winter Eis liegt.
00:01:58: Sie fragen nicht weshalb ich nicht älter werde und auch nicht warum meine nackten Füße keine Spuren hinterlassen.
00:02:05: In einem Dorf muss nicht alles erklärt werden wenn es sich lange genug an derselben Stelle befindet Ein schiefer Zaun.
00:02:13: Eine Klocke, die bei bestimmtem Wind von selbst anschlägt – ein Mädchen zwischen den Bäumen.
00:02:18: Irgendwann gehört auch das Ungewöhnliche zur Gegend, solange es niemand zwingt genauer
00:02:23: hinzusehen.".
00:02:25: Im Dezember kamen die Frau.
00:02:28: Der Bus setzte sie am frühen Nachmittag vor dem Gasthaus ab zusammen mit einer dunklen Ledertasche, die sie beim Aussteigen mit beiden Händen vom Boden hob, obwohl sie nicht besonders schwer aussah.
00:02:39: Später wusste ich was darin lag….
00:02:41: Kopienalter vermissten anzeigen, Aktenauszüge, Zeitungsartikel, Listen mit Namen und Jahreszahlen.
00:02:49: Irgendwo außerhalb des Dorfes hatte jemand begonnen diese Namen nebeneinander zu legen bis zwischen verschiedenen Jahrzehnten und verschiedenen Kindern immer wieder derselbe Ort auftauchte.
00:03:00: Sie ging noch am ersten Tag von Haus zu Haus.
00:03:03: Ein alter Mann behauptete Von den verschwundenen Kindern kaum etwas zu wissen obwohl eines davon früher drei Häuser von ihm entfernt gewohnt hatte.
00:03:12: Eine Frau erinnerte sich an beinah jedes Detail, nur leider an andere als ihre Nachbarin.
00:03:17: Jemand sprach von einem Wagen im Wald, jemand von Fußspuren am See – ein anderer davon, dass Kinder früher eben öfter verschwunden seien, als gehörte das zu vergangenen Zeiten wie Kohleöfen und Rauchen im Wartezimmer.
00:03:31: Die Frau schrieb trotzdem alles auf.
00:03:34: Ich sah sie durch die Kinder manchmal nur für Sekunden Vor einer Haustür mit dem Notizbuch in der Hand, am Fenster des Gasthauses über Akten gebeugt an der Bushaltestelle obwohl an diesem Abend kein Bus mehr kommen sollte.
00:03:47: Die blieb lange bei einer Sache.
00:03:49: Menschen die etwas verstehen wollen können erstaunlich ausdauernd werden besonders wenn sie davon ausgehen dass irgendwo eine Erklärung auf sie wartet.
00:03:58: In einem Tag sah sie mich.
00:04:01: Ich stand nahe der Straße zwischen den Bäumen wo der Schnee auf den Ästen lag und Geräusche aus dem Dorf nur noch gedämpft ankam.
00:04:08: Sie blieb stehen, als sie mich bemerkte und ich wartete darauf, dass sie umkehrte.
00:04:12: Erwachsenen tun das meistens.
00:04:14: Kinder kommen näher!
00:04:16: Erwachsene rechnen zunächst Entfernung, Kälte, fremde Menschen und all die Dinge zusammen, die sie irgendwann gelernt haben bevor sie sich entscheiden.
00:04:24: Die Frau rechnete offenbar länger als andere kam am Ende aber zu einem anderen Ergebnis.
00:04:30: Sie machte einen Schritt auf mich zu dann noch einen hobt die rechte Hand mit der offenen Handfläche nach vorn und sagte Hallo An ihrem Zeigefinger lebte blaue Tinte.
00:04:40: Ihr Atemstand weiß zwischen uns, meiner nicht und obwohl ich das Wort noch kannte fühl mir nicht mehr ein wann ich zuletzt selbst darauf geantwortet hatte.
00:04:49: Sie wartete trotzdem.
00:04:52: Erst sah sie mein Gesicht an danach meine Füße im Schnee Und als sie noch näher kam spürte ich ihre Wärme Nicht nur an der Haut Das Blut unter den Fingern Die Muskeln im Unterarm Den schnellen Herzschlag.
00:05:04: Sie hatte Angst blieb aber stehen.
00:05:07: Etwas Kaltes berührte ihre Hand, kaum mehr als eine Stelle zwischen zwei Fingern.
00:05:12: Die Frau zuckte zurück, rieb mit dem Daumen darüber und suchte nach einem Splitter oder einem Eiskristall.
00:05:18: Es gab nichts das sie herausziehen konnte.
00:05:21: Nach einigen Sekunden steckte sie die Hand in die Manteltasche und ging zurück ins Dorf.
00:05:27: Am nächsten Morgen hielt sie die Spellung für eine Entzündung.
00:05:31: Beim Frühstück griff sie nach ihrer Tasse und bemerkte dass der kleine Finger einen Augenblick später als die anderen um den Hänkel schloss.
00:05:38: Sie öffnete die Hand wieder, bewegte jeden Finger einzeln, massierte das Gelenk und schrieb etwas auf einen losen Zettel.
00:05:46: Es faszinierte mich, dass sie nicht wirklich erschrak – sie prüfte!
00:05:50: Das war was anderes….
00:05:52: Sie wärmte die Hand an der Tasse, redete mit der Würtin über einen alten Vermisstenfall und benutzte den Kugelschreiber später weiter, obwohl der Griff unbequemer wurde.
00:06:02: Erst am dritten Tag fand sie uns im Wald.
00:06:05: Vier Kinder waren bei mir, verteilt zwischen den Bäumen ohne miteinander zu spielen oder etwas Bestimmtes zu tun.
00:06:12: Eines der Mädchen zog mit der Schuhspitze immer wieder dieselbe Fusche durch den Schnee.
00:06:16: Die machte keine Figur daraus, schrieb keinen Namen, begann nur neu sobald genug frischer Schnee hineingefallen war.
00:06:25: Als sie sich umdrehte sah die Frau dass ihre Hüfte bei jedem zweiten Schritt etwas absank.
00:06:30: Danach bemerkte sie den Jungen daneben, der ihr erst mit den Augen folgte und dann mit dem Kopf weiter als nötig, bis ein Kind fast über der Schulter stand.
00:06:39: In seinem Nacken knackte es leise.
00:06:41: Er hielt kurz inne, als hätte jemand hinter ihm einen Zweig zertreten und drehte den Kopf noch ein wenig weiter.
00:06:48: Die Frau blieb stehen und wieder erwartete ich, dass dies der Punkt sein würde, in dem sie ging.
00:06:54: Stattdessen sah sie die Kinder an – nicht besonders lange auf das Bein des Mädchens oder auch nicht auf den Hals des Jungen sondern auf ihre Gesichter.
00:07:02: Keines der Kinder fragte wer sie war.
00:07:05: Das Mädchen zog weiter seine Linie durch den Schnee, der Junge ließ den Kopf langsam zurückkommen.
00:07:09: Ein anderes Kind hielt eine Hand voll dunkler Tannen Nadeln und verlor nach und nach einzelne davon ohne hinzusehen – die Frau sagte nichts.
00:07:19: Nach einer Weile veränderte sich ihre Atmung.
00:07:21: Die Schultern sanken, der Mund öffnete sich ein wenig und für einige Minuten stand sie bei uns als hätte sie vergessen dass Schweigen normalerweise etwas ist das zwischen fremden Menschen überwunden werden müsste.
00:07:33: Im Dorf hätte längst jemand eine Frage gestellt, sich geräuspert oder über das Wetter gesprochen.
00:07:38: Hier war nichts zu füllen.
00:07:41: Erst als die Frau tief Luft holte schien sie selbst zu bemerken wie ruhig sie geworden war.
00:07:45: Sie sah auf ihre rechte Hand.
00:07:47: Der kleine Finger hing wieder ein wenig hinter den anderen zurück.
00:07:51: Trotzdem blieb sie noch.
00:07:54: An diesem Abend stellte sie keine Fragen mehr.
00:07:57: Die Ledertasche lag geöffnet auf dem Tisch ihres Zimmers.
00:08:00: Die Unterlagen waren ordentlich daneben ausgebreitet Aber sie las nichts darin.
00:08:06: Lange saß sie am Fenster und hielt den rechten Arm mit der linken Hand fest.
00:08:10: Die Schwellung war über das Handgelenk gezogen, der Ellenbogen fühlte sich für Sie inzwischen anders an als am Morgen und ihr Körper reagierte darauf mit Wärme.
00:08:19: Später stand sie im Badezimmer und hiel die Hand unter heißes Wasser.
00:08:23: Sie drehte den Hahn weiter auf bis die Haut rot wurde und der Spiegel beschlug und beobachtete minutenlang wie das Wasser über die Finger lief.
00:08:31: Als sie es abstellte, ließ sie die Hand trotzdem unter dem Hahn liegen.
00:08:34: Kein Wasser mehr, kein Grund dort stehen zu bleiben!
00:08:37: Sie bemerkte es erst als die Wärme aus der Haut wich.
00:08:40: Für einen kurzen Moment entspannte sich ihr Gesicht dabei – nicht genug dass jemand, der sie nur flüchtig kannte etwas darin gesehen hätte aber ich kannte dieses nachlassen.
00:08:49: Manchmal ist die Anstrengung erst sichtbar wenn sie vor den Augenblick aufhört.
00:08:55: In der Nacht schlief sie kaum.
00:08:58: Sie drehte sich, schob die Decke weg, zog sie wieder über sich und stand zweimal auf ohne das Licht einzuschalten.
00:09:04: Gegenmorgen lag sie lange reglos auf dem Rücken – in diesen stillen Phasen war sie leichter zu spüren.
00:09:10: Nicht näher zumindest nicht räumlich und auch nicht stärker!
00:09:13: Er fehlte etwas, dass sonst zwischen ihr und uns lag.
00:09:17: Bei den Kindern hatte ich früher geglaubt, dies sei immer etwas Neues, was von außen in sie eindrang, weil es einfacher war einen Anfang zu finden wenn man irgendwo eine Grenze zog.
00:09:27: Bei der Frau war das schwieriger.
00:09:29: Manche Stellen in ihr fühlten sich an, als müsste nichts erst Platz schaffen – sie waren bereits ruhig!
00:09:34: Als hätte dort lange jemand gewohnt oder als hätte jemand die Möbel stehen lassen und nur die Tür geschlossen.
00:09:40: Kurz vor Morgenkrauen zog sie sich an.
00:09:43: Die Ledertasche nahm sie vom Tüch, stellte sie neben die Tür und legte die Hand an den Griff.
00:09:48: Eine Weile stand sie so.
00:09:50: Dann ließ sie die Tasche zurück und ging hinaus.
00:09:53: Im Dorf brannten nur noch wenige Fenster, unter ihren Schuhn knürschte der gefrorene Schnee und der rechte Arm bewegte sich beim Gehen kaum mit.
00:10:01: Sie kam an der Bushaltestelle vorbei ohne langsamer zu werden und ging weiter in Richtung See – ich musste ihr nicht folgen!
00:10:08: Jeder Schritt war deutlich genug.
00:10:11: An einer Kreuzung blieb sie stehen.
00:10:13: Links führte die Straße zurück zwischen die Häuser rechts zum Wasser.
00:10:17: Sie kannte beide Wege und sah trotzdem lange gerade aus als lege die Entscheidung nicht darin welchen sie nahm.
00:10:24: Hinter einem Fenster hätte jemand wach sein können, ein Auto hätte kommen können.
00:10:28: Der Wintermorgen tat nichts Besonderes um ihr zu helfen oder sie aufzuhalten.
00:10:34: Am Ufer begann der Himmel heller zu werden.
00:10:37: Der See lag unter einer dünnen Schneeschicht.
00:10:38: nur an einigen Stellen hatte der Wind das Eis freigelegt und eine graue Oberfläche hinterlassen.
00:10:44: Hinter der Frau sprang irgendwo im Dorf ein Motor an Wurz.
00:10:47: darauf fiel eine Tür ins Schloss.
00:10:50: Sie sah nicht zurück.
00:10:53: Den ersten Fuß setzte sie vorsichtig auf das Eis, verlagerte das Gewicht und wartete bevor der zweite folgte.
00:11:00: Diese Vorsicht blieb ihr erhalten.
00:11:02: Körper lernen solche Dinge früh und behalten Sie mit unterlänger als den Grund aus dem sie es gelernt hatten.
00:11:08: Sie ging einige Meter hinaus bis unter dem Schnee ein dunkleres Sichtbar wurde – und kniete sich daneben.
00:11:14: Die linke Hand legte sie auf die Eisfläche, die rechte bliebe nahe am Körper, die Finger leicht gekrümmt.
00:11:20: Ihr Herz stuch schnell.
00:11:21: Alles andere an ihr war ruhig.
00:11:24: Sie blieb dort so lange, dass sich auf ihren Schultern wieder eine dünne Schicht Schnee sammelte.
00:11:32: Als das Eis nachgab verschwand die Ruhe sofort.
00:11:35: Der Körper fiel ins Wasser und tat was Körper tun wenn sie nicht sterben wollen!
00:11:39: Die Beine traten die linke Handschluck gegen die Unterseite des Eises, fand den Rand der Öffnung und verlor ihn wieder als ein Stück unter ihren Fingern brach.
00:11:47: Die rechte Hand bewegte sich ebenfalls obwohl sie seit dem Vorabend kaum gehorcht hatte.
00:11:52: Für eine Weile gab es nichts Ruhiges mehr an ihr.
00:11:55: Das Herz schlug so schnell, dass die einzelnen Schläge ineinander fielen.
00:11:59: Muskeln arbeiteten, Luft fehlte, Hände suchten.
00:12:03: Später wurden die Bewegungen kleiner nicht gleichzeitig sondern eine nach der anderen.
00:12:08: Wermer verschwand aus den Fingern, aus den Beinen, aus dem Gesicht.
00:12:12: Das Herz hielt länger durch.
00:12:14: Zwischen zwei Schlägen lag irgendwann genug Zeit das ich auf den nächsten wartete.
00:12:20: Ich wartete auch darauf, daß die Frau verschwand.
00:12:22: Bei anderem war irgendwann ein klarer Unterschied entstanden Eben noch ein Körper, ein Geruch eine Stimme danach nichts mehr davon.
00:12:30: Nur das was bei uns ankam.
00:12:32: Bei ihr kam dieser Moment nicht auf dieselbe Weise.
00:12:35: Der Körper unter dem Eis hörte auf sich zu bewegen aber fast gleichzeitig sah ich einen Tüch im Gasthaus Auf dem eine kalte Tasse neben geöffneten Akten stand.
00:12:45: Ich spürte den schmalen Griff der Ledertasche in einer Hand die nicht meine war und wusste wie er nach einer längeren Strecke gegen die Finger drückte.
00:12:52: Ein Busfenster erschien darin ihr eigenes Gesicht, dahinter eine Straße die weit von diesem Dorf entfernt lag.
00:12:58: Die Kinder erhoben die Köpfe weil sie dieselben Dinge bekamen.
00:13:02: Bilder kamen ungeordneten Verschwanden teilweise sofort wieder.
00:13:05: Eine Küche ein Telefon mit dem Display nach unten Vorhänge obwohl draußen Tag war Einer Decke unter der Beine lagen Obwohl im Zimmer niemand schlief.
00:13:15: Keine dieser Erinnerungen blieb lange genug um eine Geschichte daraus zu machen.
00:13:20: Vielleicht gehörten Sie nicht einmal alle ihr.
00:13:22: Bei uns ist das irgendwann schwer zu sagen.
00:13:26: Manche Dinge aus ihrer Erinnerung blieben besser erhalten als andere, die blaue Tinte am Finger ein bestimmter Geruch in einem Treppenhaus Das Gewicht der Tasche Ein Licht des Abends durch eine halb geschlossene Tür fiel.
00:13:39: Gesichter verschwanden schneller Namen sowieso.
00:13:42: So war es auch bei den Kindern gewesen.
00:13:44: Von einem weiß ich noch wie man einen bestimmten Reißverschluss öffnet Obwohl nicht mehr weiß welche Jacke daran hingen.
00:13:51: Ein anderes kannte einmal jeden Stein eines Weges durch einen Garten, aber den Garten selbst sehe ich nur noch manchmal.
00:13:57: Die Frau schien dieses Verlieren nicht fremd zu sein.
00:14:00: Vielleicht bildete ich mir das später dazu?
00:14:03: Erinnerungen werden nicht zuverlässiger – nur weil mehrere Menschen sie gemeinsam vergessen!
00:14:08: Trotzdem fühlt sich ihre Ankunft anders an.
00:14:11: Nicht leichter, nicht glücklicher… Nur weniger wie etwas, dass zum ersten Mal geschah.
00:14:19: Am Morgen fragte die Würtin nach ihr.
00:14:21: Sie klopfte an die Zimmertür, wartete, öffnete schließlich mit einem zweiten Schlüssel und fand die Unterlagen auf dem Tüch.
00:14:28: Die Ledertasche stand daneben genau dort wo die Frau sie abgestellt hatte.
00:14:34: Zwei Tage blieb sie hinter den Dresen des Gasthauses weil niemand wusste was man sonst mit einem fremden Gepäckstück macht dessen Besitzerin nicht zurückkommt.
00:14:43: Danach stellte sie jemand in einen Schrank.
00:14:45: Im Dorf wurde einige Zeit über die Frau gesprochen aber nicht besonders lang.
00:14:50: Menschen können nicht jeden vermissten Fall dauerhaft mit sich tragen.
00:14:53: Irgendwann müssen sie einkaufen, Holz bestellen, Schneeräumen und darüber reden ob der Bus im nächsten Winter noch dieselbe Strecke fährt.
00:15:02: Im Winter verschwinden Menschen manchmal, sagten einige.
00:15:06: Wenn jemand fehlt suchen Sie zuerst im Wald und später am See – sie suchen immer draußen.
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