Grimoire #1: Bitter

Shownotes

⚠️ Content-Warnung: Diese Folge enthält psychologisch verstörende Inhalte, darunter Selbstwahrnehmung, Körperhorror und Essverhalten.

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Eines Morgens schmeckt der Kaffee ungewöhnlich bitter. Zunächst denkt sie an schlechte Bohnen oder verdorbene Milch. Doch bald schmeckt alles gleich: Brot, Obst, Käse, selbst ihr Lieblingsessen. Während Gerüche, Temperaturen und Konsistenzen unverändert bleiben, scheint ihr Geschmackssinn nur noch eine einzige Empfindung zu kennen. Die ärztlichen Untersuchungen liefern keine eindeutige Ursache.

Mit jedem Tag wird das Essen schwieriger. Sie verliert Gewicht, versucht es mit Trinknahrung und zwingt sich zu Mahlzeiten, die ihr zunehmend widerwärtig erscheinen. Doch der Hunger verschwindet nicht. Als sie schließlich bemerkt, dass ihr Geschmackssinn offenbar doch nicht vollständig verloren ist, nimmt ihre verzweifelte Suche nach einer Möglichkeit, wieder etwas schmecken zu können, eine beunruhigende Wendung.

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🎙️ Host: Tim

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00:00:21: Sie bemerkte es am Café.

00:00:24: Nicht deutlich genug, um sofort an sich selbst zu denken!

00:00:28: Der erste Schluck schmeckte falsch – also sah sie in die Tasse als hätte sich dort über Nacht irgendetwas verändert.

00:00:35: Vielleicht war die Milch gekippt?

00:00:37: Vielleicht hatte sie zu viel Pulver genommen oder die Bohnen waren schlechter als sonst….

00:00:42: Café war natürlich bitter das gehört zu seinem Geschäftsmodell aber normalerweise gab's daneben noch anderes Die Wärme der Röstung, etwas Weiches von der Milch eine leichte Süße die kaum auffiel solange sie da war.

00:00:55: Jetzt blieb davon nur ein trockener beinahen medizinischer Geschmack zurück der sich hinten auf die Zunge legte und auch nach dem Schlucken nicht verschwand.

00:01:05: Sie schüttete die Tasse aus und machte neuen Kaffee Als der genauso schmeckte, wechselte sie die Milch.

00:01:11: Danach die Bohnen und irgendwann standen drei Tassen auf der Arbeitsplatte, während sie sich fragte, weshalb sie ihren Dienstagmorgen mit einer Kaffeeverkostung verbrachte bei der jeder Kandidat nach derselben verdorbenen Tablette schmeckten.

00:01:24: Wahrscheinlich kündigte sich eine Erkältung an – sie schmierte sich ein Brot!

00:01:30: Die Marmelade schmeckte ebenfalls bitter.

00:01:33: Mittags war es die Tomatensauce, abends das Brot der Käse und schließlich der Wein den sie geöffnet hatte weil ihr irgendwann die Idee gekommen war ein kräftiger Rotwein könnte ihren Mund vielleicht wieder in die richtige Richtung schupsen.

00:01:46: Der Wein war besonders schlimm.

00:01:48: Riechen konnte sie weiterhin!

00:01:50: Die Sauce roch nach Tomaten- und Knoblauch Das Brot nach Hefe und gerösteter Kruste – der Wein schwer und fruchtig.

00:01:58: Mit geschlossenen Augen wusste sie genau was vor ihr stand.

00:02:01: Nur sobald etwas ihre Zunge berührte, verschwand der Unterschied.

00:02:05: Schärfe konnte sich spüren die Säure einer Zitrone als Zusammenziehen des Schleimhäute ebenfalls und natürlich blieben Temperatur und Konsistenz heiß kalt weich knusprig fettig trocken.

00:02:18: Ihr Munte erkannte zuverlässig beinah alles an einem Essen außer dem weswegen sie es essen wollte.

00:02:25: Nach einigen Tagen begann sie schneller zu kauen, weil die Bitterkeit umso stärker wurde, je länger etwas im Mund blieb.

00:02:32: Sie zerkleinerte das Essen nur noch so weit, dass sie es mit Wasser hinunter bekam und stellte dabei fest, dass man überraschend viele Dinge essen konnte ohne sich wirklich mit ihnen beschäftigen zu müssen.

00:02:43: Zähne- und Speiseröhre mussten funktionieren – den Teil dazwischen konnte man auf ein Minimum reduzieren.

00:02:49: Der Arzt gab dem Ganzen einen Namen.

00:02:52: Discozy.

00:02:53: Er fragte nach Infekten und Medikamenten, ließ Blut abnehmen, sah sich den Mund und Drachen an und erklärte das Geschmacksstörungen verschiedene Ursachen haben konnten.

00:03:03: Von Mangelerscheinungen bis zu Problemen mit den Nerven.

00:03:07: Manchmal verschwanden sie wieder, manchmal dauerten sie an.

00:03:11: Bei ihr fand es sich zunächst nichts, dass die Sache eindeutig erklär hatte – also bekamen sie weitere Termine und immer wieder denselben Rat.

00:03:19: Sie musste darauf achten genug zu essen!

00:03:22: Sie nickte, obwohl genau das inzwischen schwierig geworden war.

00:03:26: Hunger schmeckte schließlich nicht bitter – er funktionierte vollkommen normal!

00:03:30: Der Magen zog sich zusammen wenn sie zu lange nichts gegessen hatte….

00:03:34: der Kreislauf wurde schwach die Hände kalt und ihr Körper erinnerte sie daran dass Ekel keine Kalorien enthielt.

00:03:42: Von da an wählte sie Lebensmittel nicht mehr danach aus woraufs sie Lust hatte sondern danach wie schnell sie verschwinden konnten.

00:03:49: Suppe war besser als Brot püriert es besser als Suppe.

00:03:52: Kalte Trinknahrung ließ sich in einigen großen Schlucken hinunterwürgen, wenn sie direkt danach Wasser trank und nicht zu lange darüber nachdachte dass die Hersteller offenbar sehr viel Mühe darauf verwendet hatten Vanille oder Schokolade hineinzubekommen.

00:04:06: Für Sie schmeckte beides gleich.

00:04:08: Essen wurde zur einer lästigen körperlichen Verrichtung ungefähr so angenehm wie Erbrechen nur in die falsche Richtung.

00:04:16: Sie verlor Gewicht.

00:04:18: Die ersten zwei Kilo nahm sie mit einem Rest jener Zufriedenheit zur Kenntnis, die man sich über Jahre angewöhnt hatte – obwohl sie in diesem Zusammenhang bereits etwas fehl am Platz war.

00:04:27: Beim vierten Kilo wurde es albern beim siebten beunruhigend.

00:04:31: Ihre Hosen saßen anders, ihr Gesicht wurde schmaler und irgendwann schob sie die Waage unter das Waschbecken, weil die Zahl darauf nichts mehr zeigt dass man als Erfolg missverstehen konnte.

00:04:41: Nachts lag sie hungrig im Bett und dachte an Essen an Butter auf heißem Brot, Erdbeeren gebratene Zwiebeln und die knusprige Haut eines Hähnchens.

00:04:53: Sie erinnerte sich an diese Geschmäcker mit einer Genauigkeit, die beinahe gemein war.

00:04:57: Manchmal schien es ihr als könne sie das Salz auf eine Scheibe Brot auf der Zunge spüren bis sie tatsächlich etwas aß und wieder nur Bitterkeit bekam.

00:05:07: Im Kühlschrank sammelten sich angebrochene Packungen ein Joghurt aus dem sie einen Löffel gegessen hatte Käse mit einer einzigen abgeschnittenen Scheibe Cracker, von denen genau einer verschwunden war.

00:05:18: Manche Lebensmittel wurden schlecht, bevor sie sich dazu überwinden konnte, sie noch einmal zu probieren.

00:05:24: Mehr als einmal stand sie über der Spüle und spuckte halbgekautes Essen aus während ihr Magen gleichzeitig vor Hunger schmerzte.

00:05:31: Die erste Ausnahme fand sie im Badezimmer.

00:05:34: Sie war zu spät aufgestanden, putzte sich die Zähne und las gleichzeitig eine Nachricht auf dem Handy, als die Zahnbürste abrutschte und das Zahnfleisch traf.

00:05:44: Es tat kaum weh.

00:05:45: Erst beim Ausspucken sah sie einen schmalen roten Streifen im Schaum und schmeckte im selben Moment etwas, das nicht bitter war – metallisch, leicht salzig, warm!

00:05:56: Sie spülte den Mund aus, blieb vor dem Spiegel stehen und fuhr mit der Zunge vorsichtig über die kleine Stelle.

00:06:02: Der Geschmack kam wieder, nicht angenehm jedenfalls nicht nach Maßstäben, die noch vor einigen Wochen angelegt hätte aber eindeutig vorhanden….

00:06:11: Kein bitterer Film schob sich darüber, nichts verzerrte ihn.

00:06:15: Für einige Sekunden stand sie einfach da und bewegte die Zunge immer wieder an dieselbe Stelle bis die Blutung nachließt und mit ihr auch der Geschmack.

00:06:24: Auf dem Weg zur Arbeit musste sie darüber lächeln nicht weil Blut gut schmeckte sondern weil überhaupt etwas geschmeckt hatte.

00:06:31: Den Vormittag über ertappte sie sich dabei wie ihre Zunge zum Zahnfleisch wanderte.

00:06:37: Gegenmittag war dort nix mehr zu finden.

00:06:39: Sie aß einen Joghurt, schaffte zwei Löffel und stellte ihn zurück in den Kühlschrank der Büroküche.

00:06:45: Noch bevor sie den Deckel wieder aufdrückte, dachte sie an den Geschmack vom Morgen – am Abend bis sie sich auf die Innenseite der Wange.

00:06:52: Beim ersten Versuch nicht fest genug, woraufhin sie einige Minuten auf der Couch saß und sich darüber ärgerte dass sie offenbar nicht einmal das Absichtliche auf die Wangebeißen beherrschte.

00:07:02: Beim zweiten Mal kam Blut.

00:07:05: Sie saß reglos da, bis es aufhörte und ärgerte sich danach über die Erleichterung, die sie dabei empfunden hatte.

00:07:11: In den nächsten Tagen bemerkte sie wie viele kleine bestätigte Stellen ein Körper im Alltag produzierte.

00:07:18: Eingerissene Nagel haut eine Kruste am Knöchel, deren Herkunft sie vergessen hatte.

00:07:23: Früher hatte sie solche Dinge kaum beachtet – jetzt prüfte sie sie!

00:07:27: Eine trockene Kruste schmeckte beinahe so bitter als alles andere und enttäuschte sie unverhältnismäßig.

00:07:33: Blut funktionierte zuverlässig.

00:07:36: Dafür fand sie schnell Regeln, bei Regeln beruhigender waren als die Alternative.

00:07:40: Menschen kauten auf ihren Lippen bis ein Fingernägel ab, zogen lose Haut mit den Zähnen weg und schluckten dabei gelegentlich Blut.

00:07:48: Niemand betrachtete das als außergewöhnlich.

00:07:50: so lange sie nur an Stellen ging, die ohnehin wund oder lose waren, konnte sie sich einreden dass sie nichts tat was nicht andere Menschen ebenfalls taten – nur etwas bewusster!

00:08:01: Trockener Haut ließ sich weiter reizen, eine Kruste erneut öffnen und eine aufgebissene Lippe noch einmal treffen.

00:08:07: Das tat weh – aber Schmerz war wenigstens eindeutig!

00:08:11: Ihr Körper verarbeitete ihn korrekt.

00:08:14: Wenn sie sich später die Hände ansah und die geröteten Stellen bemerkte, huhte sie creme und Pflaster, versorgte alles sorgfältig und nahm sich vor damit auf zu hören.

00:08:23: Meist hielt der Vorsatz bis zur nächsten Mahlzeit.

00:08:27: Dann saß sie wieder vor Kartoffelperi oder einer Schlüssel-Suppe, wirkte nach wenigen Bissen und dachte an das was unter den Pflastern lag.

00:08:34: Irgendwann wusste sie nicht mehr, was sie widerlicher finden sollte – dass die Haut zwischen ihren Zähnen manchmal zäh war und nach Blut schmeckte oder dass ihr Körper darauf mit weniger Abwehr reagierte als auf einen Teller gewöhnliches Essen!

00:08:47: Der Gedanke an Fleisch kam unter der Dusche.

00:08:50: Sie hatte eine Wundestelle an der Hand betrachtet und ließ den Arm wieder sinken.

00:08:53: Alles, was sie bisher probiert hatte waren letztlich Reste gewesen.

00:08:57: Etwas Haut, ein wenig Blut, winzige Mengen von etwas das ohnehin beschädigt war – nichts davon half gegen den Hunger!

00:09:04: Nach einigen Sekunden Geschmack kamen Wiedertrinknahrung, Suppen und diese Bitterkeit die ihr mittlerweile schon beim Gedanken daran den Magen zusammen zog.

00:09:13: Das Wasser lief über ihren Körper und als ihr Blick am Oberschenkel hängen blieb entstand der Gedanke so vollständig dass sie ihn nicht einmal langsam kommen sah unter der Haut aber mehr.

00:09:24: Die wusste selbstverständlich, was dort lag – Fett, Muskeln, Blutgefäße, Sehnen, Dinge über die man im Alltag nicht nachdachte solange sie an ihrem Platz blieben.

00:09:35: Gleichzeitig hatte sie ihr ganzes Leben Fleisch gegessen, geschnitten, gebraten, gewürzt und gekaut.

00:09:41: Muskeln von Tieren ordentlich zerlegt, portioniert und verpackt bis kaum noch etwas an den Körper erinnerte aus dem Sie stammten.

00:09:48: Ihr Blick blieb auf Ihrem Oberschenkel.

00:09:51: Wenige Sekunden später kniete sie vor der Toilette und erbrach sich, obwohl kaum etwas in ihrem Magen war.

00:09:56: Später saß ihnen ein Handtuch gewickelt auf dem Badezimmerboden – der Gedanke war nicht verschwunden, nur wieder abstrakter geworden, solange sie nicht hinsah.

00:10:05: Man konnte sich offenbar für etwas schämen das ausschließlich im eigenen Kopf stattgefunden hatte.

00:10:12: Einer Woche lang ließ sie die Sache dort.

00:10:14: Die Gewicht sank weiter, die Trinknahrung blieb nicht immer im Magen, manchmal sitze da Würgereiz bereits beim Schlucken ein.

00:10:22: Es folgten neue Untersuchungen, Infusionen andere Empfehlungen und irgendwann eine Warnung bei der der Arzt nicht mehr versuchte besonders gelassen zu klingen.

00:10:30: Zu Hause stellte sie die Tasche aus der Praxis auf den Küchentisch und lasst die Unterlagen noch einmal.

00:10:36: Sie wusste dass ihr Gedank an ihren eigenen Körper als Nahrung schon mathematisch Unsinn war?

00:10:41: Ein Körper konnte sich nicht ernähren indem er Material aus sich selbst entfernte und dann anderer Stelle wieder Aufnahmen.

00:10:47: Man gewann nichts dazu.

00:10:48: im Gegenteil Selbst wenn sie es vertrug, würde sie am Ende weniger sein als vorher.

00:10:54: Die Logik war vollkommen klar – der Hunger ebenfalls!

00:10:58: Drei Tage versuchte sie noch die beiden Dinge gegeneinander antreten zu lassen.

00:11:02: Am ersten schaffte sie zwei Flaschen Trinknahrung und behielt wenigstens eine davon bei sich.

00:11:07: Am zweiten aßt sie eine halbe Schüssel Suppe, am dritten saß sie vor einem Tellern Nudeln und kaut er denselben Bissen so lange bis die Bitterkeit ihren gesamten Mund ausfüllte.

00:11:17: Schließlich spuckte sie ihn in ein Papiertuch und blieb am Tisch sitzen, während ihr die Tränen übers Gesicht liefen.

00:11:24: Sie warnte nicht heftig – vor ihr stand einfach ein voller Telleressen, Ihr Magentat vor Hunger weh'n und trotzdem reagierte ihr Körper darauf als hätte sie versucht etwas Giftiges hinunterzuschlucken.

00:11:36: Während sie mit dem Handdrücken über das Gesicht fuhr kam ihr wieder der Badezimmer boden in den Sinn Das Wasser auf ihrer Haut und ihr Blick auf den Oberschenkel.

00:11:45: Diesmal schrub sie den Gedanken nicht sofort weg.

00:11:48: Am späteren Abend erinnerte sie sich nur brückstückhaft an das, was danach geschehen war – An Angst!

00:11:53: An Schweiß und dem Geruch von Blut, an Schmerzen die alles andere für eine Weile verdrängten Und einen Moment in dem sie beinahe aufführte.

00:12:02: Die eigentliche Handlung blieb in ihrer Erinnerung seltsam unscharf Vielleicht weil sie währenddessen nun damit beschäftigt gewesen war Sie zu überstehen.

00:12:10: Als sie wieder am Küchen durchsaß war ihr Oberschenkel verbunden.

00:12:13: Vor ihr lag ein Stück von ihr auf einem Teller.

00:12:17: Er sah anders aus, als sie es sich vorgestellt hatte und gleichzeitig genauso wie Fleisch eben aussah, sobald man ihm die Verpackungen, die Kühlung und die Selbstverständlichkeit eines Supermarktes nahm.

00:12:28: An einer Seite hingen helles Fett, stellenweise gelblich.

00:12:31: das Fleisch selbst war dunkler und Blut sammelte sich darunter zu einem schmalen roten Rand.

00:12:36: Sie musste an die Dusche denken und daran, wie schnell ihr damals schlecht geworden.

00:12:41: Jetzt war ja ebenfalls übel, aber darunter lag noch etwas anderes.

00:12:45: Ihr Mund fühlte sich mit Speichel.

00:12:47: Mit der Gabel berührte sie das Fleisch – es gab ein wenig nach und kehrte danach fast in seine Form zurück.

00:12:54: Genau diese Elastizität brachte sie beinahe dazu aufzustehen.

00:12:58: Blut kannte sie von Verletzungen Haut-Ebenfalls.

00:13:01: Fleisch war etwas, dass normalerweise erst dann vor einem Lag beniemannt mehr daran dachte, daß es einmal Bestandteil eines Körpers gewesen war.

00:13:08: Ihr sagt ihr Körper noch daneben?

00:13:11: Sie trennte ein kleines Stück ab und hob es mit der Gabel an.

00:13:15: Der Geruch war warm und metallisch, ihr Magen zog sich zusammen aber nicht nur vor Ekel und diese Unsicherheit war fast schlimmer als alles andere.

00:13:22: Als sie das Stück in den Mund nahm, schmeckte sie zuerst Blut- und Salz.

00:13:26: Beim Zubeißen blieb ein kurzer Widerstand.

00:13:28: dann gaben die Fasern nach.

00:13:30: Das Fett war weicher und legte sich an den Gaumen, dass Fleisch fester schwere.

00:13:35: Nichts daran war bitter.

00:13:38: Sie kauten auch einmal und bemerkte, dass ihr Geschmackssinn plötzlich wieder Unterschiede kannte.

00:13:42: Das Eisen des Blutes die milde Fettigkeit etwas fast Süßliches darunter ein voller warmer Fleischgeschmack.

00:13:49: Nach Wochen in denen alles an derselben bitteren Stelle geendet hatte, war da auf einmal wieder eine ganze Abfolge von Geschmacks.

00:13:57: Sie begann zu weinen – und kautete trotzdem weiter!

00:14:01: Eine Faser blieb zwischen den Zähnenhängen.

00:14:03: Sie löste sie mit der Zunge und erschrak beinahe mehr über diese Bewegung als über den Bissen selbst, weil sie vollkommen vertraut war.

00:14:10: Früher hatte sie das ständig getan wenn sie Fleisch gegessen hatte nur hatte sie damals nie darüber nachgedacht was genau zwischen ihren Zähne steckte.

00:14:18: Nach dem Schlucken wartete sie auf die Reaktion ihres Magens.

00:14:21: Sie rechnete mit einem Krampf oder Übelkeit etwas dass ihr bestätigte dass es Grenzen gab die nicht nur im Kopf existierten.

00:14:28: Nichts davon kam.

00:14:30: Der Bissen blieb dort, wo ein bisschen nach dem Schlucken bleiben sollte.

00:14:34: Beim zweiten Mal zögerte sie kürzer – der Ekel war noch vorhanden aber er musste sich seinen Platz mittlerweile mit dem Hunger teilen und der Hunger hatte Wochenlang Gelegenheit gehabt stärker zu werden.

00:14:44: Sie kaufte langsamer und bemerkte dass die dunkleren Stellen anders schmeckten als das Fett.

00:14:49: Beim dritten Stück ertappte sie sich dabei wie sie auf den Geschmack achtete und nur für einige Sekunden vergaß, woher das Fleisch gekommen war.

00:14:57: Danach legte sie die Gabel weg.

00:14:59: In dieser Nacht schlief sie schlecht, der Oberschenkel pochte bei jeder Bewegung und mehrmals wachte sie auf weil sie im Traum gegessen hatte.

00:15:06: Einmal war es Brot gewesen noch warm mit Butter.

00:15:09: ein anderes Mal saß sie wieder am Küchentüch nur das auf dem Teller nichts lag und sie trotzdem kaute.

00:15:15: Am Morgen entfernte sie den Verbanden nur so weit wie es nötig war um die Wunder anzusehen.

00:15:19: Hier wurde er neut schlecht.

00:15:21: Gleichzeitig kam mein Gedanke zurück der sich fast vernünftig anhörte Der Körper würde versuchen das zu reparieren.

00:15:28: Er würde neues Gewebe bilden und die Wunde schließen.

00:15:31: Nicht vollständig und nicht beliebig oft, das wusste sie.

00:15:34: trotzdem dachte sie noch daran als sie den Verband wieder anlegte.

00:15:37: Beim Frühstück probierte sie erneut Trinknahrung.

00:15:40: Die Bitterkeit war sofort da Und so stark dass sie den ersten Schluck kaum hinunter bekam.

00:15:45: Danach stand sie eine Weile mit der geöffneten Flasche in der Küche Während der Teller vom Vorabend noch auf dem Tisch stand.

00:15:52: Am Nachmittag räumte sie ihn weg.

00:15:54: In den folgenden Tagen ging sie nicht zur Arbeit.

00:15:56: Zuerst meldete sie sich krank.

00:15:58: Später reagierte sie auf Nachrichten nur noch sporadisch.

00:16:01: Die Arzttermine verschob sie, Lebensmittel kaufte sie keine mehr, obwohl der Kühlschrank fast leer war.

00:16:07: Auf der Arbeitsplatte standen mehrere ungeöffnete Flaschen Trinknahrung daneben Verbandszeug und eine Tasse in der der Kaffee vom Morgen kalt geworden war.

00:16:15: Sie hörte auf sich zu wiegen.

00:16:16: die Pflaster verschwanden aus dem Badezimmer dann die Verbände aus der Packung.

00:16:20: Manchmal saß sie lange am Küchentüch ohne etwas vor sich zu haben.

00:16:24: Am Donnerstag meldete sie sich bei niemandem mehr.

00:16:28: Am Freitag blieb eine Nachricht ihre Kollegin ungelesen, eine weitere kam am Nachmittag.

00:16:33: Abends versuchte jemand anzurufen dann noch einmal am Samstagmorgen.

00:16:37: Das Telefon lag in der Küche und war das Ladekabel angeschlossen.

00:16:41: Als einige Tage später die Wohnung geöffnet wurde, waren niemand darin.

00:16:45: Es gab keine Anzeichen dafür dass sie gepackt hatte.

00:16:48: Ihre Tasche stand im Schlafzimmer Die Jacke hing im Flur Im Portemonnaie lagen Ausweis- und Bankkarten.

00:16:55: Ein paar Schuhe fehlte.

00:16:57: Auf dem Küchentisch stand ein Teller.

00:16:59: An seiner Seite war das Porzellan mit eingedrockneten Blut verschmiert, daneben lagen Messer und Gabel – es gab keine Reste die sich auf den ersten Blicketten zuordnen lassen nur dunkle Spuren und einen schmalen, bräunlich gewordenen Rand.

00:17:12: Im Spülbecken standen zwei weitere Teller.

00:17:15: einer war offenbar nur mit Wasser abgespült worden, auf dem anderen waren dieselben dunklen Verfärbungen zu sehen.

00:17:21: Im Badezimmerlagen benutzte Verbände im Abfalleimer.

00:17:24: Einen Abschiedsbrief oder eine Nachricht fand man nicht.

00:17:27: Im Kühlschrank waren noch ein Joghurt, ein Stück Käse und zwei Flaschen Trinknahrung.

00:17:32: Später wurde darüber gesprochen ob das Blut auf dem Teller tatsächlich ihres gewesen sei und ob die Menge überhaupt etwas bewies.

00:17:39: Auf dem Porzellan lag die Gabel quer über den Messer.

00:17:42: Zwischen zwei Zinken klemmte etwas Helles...

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