#028: Walpurgisnacht - Die Nacht, in der sie kommen

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Die Walpurgisnacht ist kein ursprüngliches Hexenfest, sondern ein historischer Schnittpunkt verschiedener Vorstellungen. Vorchristliche Übergangsrituale, die Verehrung der Heiligen Walburga und frühneuzeitliche Hexenbilder überlagern sich zu einer Nacht, die mehr Bedeutung trägt, als sie ursprünglich hatte.

Der Brocken wird dabei zum zentralen Ort. Nicht, weil hier alles beginnt, sondern weil sich hier alles sammelt. Literatur, insbesondere Goethe, verankert die Walpurgisnacht endgültig im kulturellen Gedächtnis, während der Harz selbst als Raum voller Sagen und Orte die passende Bühne liefert.

Heute wird die Nacht gefeiert, inszeniert und erlebt, als Event, als Tradition, als Echo einer Geschichte, die sich verändert hat, aber nie ganz verschwunden ist.

⏱ Kapitel

(00:00) Opening: Die Nacht, in der sie kommen

(01:39) Intro & Begrüßung

(04:40) Eine Nacht, die älter ist als Hexen

(08:47) Der Berg bekommt einen Namen

(13:06) Der Harz – ein Gebirge voller Geschichten

(15:39) Die Nacht, wie man sie sich vorstellt

(18:40) Goethe und die Walpurgisnacht

(22:15) Die erste Walpurgisnacht

(25:08) Der Berg wird besucht

(29:16) Die Nacht auf dem Berg

(33:38) Talk

(36:21) snacks.fm

(38:24) Der Berg bleibt

📚 Quellen & Literatur

  • Bärenreiter (Hg.): The First Walpurgis Night op. 60. Product information and work history, Kassel o. J.

  • Behringer, Wolfgang (Hg.): Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 2012.

  • Britannica, Encyclopaedia (Hg.): Brocken, Chicago 2026.

  • Britannica, Encyclopaedia (Hg.): Walpurgis Night, Chicago 2026.

  • Faustedition (Hg.): Faust. Der Tragödie erster Teil. Digitale historisch-kritische Edition, Frankfurt am Main o. J.

  • Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm (Hg.): Deutsche Sagen, Berlin 1816.

  • Goethezeitportal (Hg.): Brocken (Harz). Folge II: Goethes Brockenbesteigungen, o. O. o. J.

  • Harzer Schmalspurbahnen GmbH (Hg.): Die Brockenbahn. Geschichte und Betrieb, Wernigerode o. J.

  • Harzer Tourismusverband (Hg.): Der Harzer Hexenstieg. Informationen und Streckenverlauf, Goslar o. J.

  • Harzer Tourismusverband (Hg.): Walpurgis im Harz. Veranstaltungen und Besucherzahlen, Goslar o. J.

  • Harzklub e. V. (Hg.): Sagen und Mythen aus dem Harz, Wernigerode 2000.

  • Hutton, Ronald (Hg.): The Stations of the Sun. A History of the Ritual Year in Britain, Oxford 1996.

  • Levack, Brian P. (Hg.): The Witch-Hunt in Early Modern Europe, London/New York 2016.

  • Oxford University Press (Hg.): The Oxford Dictionary of Saints, Oxford 2011.

  • Praetorius, Johannes (Hg.): Blockes-Berges Verrichtung, Leipzig 1668.

  • Project Gutenberg (Hg.): Faust. Der Tragödie erster Teil. Text nach der Ausgabe von 1808, o. O. o. J.

  • Sachsen Tourismus (Hg.): Leipzig: 500 Jahre Auerbachs Keller, Dresden 2024.

  • Stadt Thale (Hg.): Walpurgisnacht am Hexentanzplatz. Programm und Organisation, Thale o. J.

  • Universitätsarchiv Leipzig (Hg.): Johann Wolfgang Goethe, berühmter Alumnus und späterer Dichter, Leipzig 2021.

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🎙️ Hosts: Svea & Tim

Transkript anzeigen

00:00:03: Der Weg zieht sich zwischen den Bäumen den Hang hinauf, schmal und dunkel als würde er nur selten benutzt werden.

00:00:11: Unter den Füßen knackt morsches Holz, Wasser tropft von den Ästen und in der Luft liegt ein Geruch nach Rauch, der sich nicht so richtig einordnen lässt und beharrlich in der Nase kitzelt.

00:00:23: Weiter oben flackelt Licht.

00:00:25: es scheint kein einzelnes Feuer zu sein eher mehrere im unruhigen Tanz nach einem falschen Takt.

00:00:32: Mal stehen sie kurz still, dann brechen sie auf zur nächsten Strophe ihres wilden Lides.

00:00:37: Der Wind trägt Geräusche mit sich herüber die sich nicht greifen lassen.

00:00:41: Es erinnert an Stimmen aber selten formtes Worte Reste von Klängen, die ein freudiges Versteckspiel zelebrieren als wollen Sie nicht gefunden werden.

00:00:51: Zwischen den Bäumen zieht Nebel auf und legt sich sanft über den Hang.

00:00:55: Die Konturen hier oben werden weicher – die Abstände unklarer.

00:01:00: Im Grau zucken die Bewegungen, die keinen Stillstand kennen.

00:01:04: Hier ein schattender Einlicht und immer wieder einen Bruch im Grau der nebligen Dämmerung.

00:01:09: Je näher der Gipfel kommt umso klarer läuft alles zusammen.

00:01:14: Aus der Dunkelheit erheben sich Menschen Flammen Stimmen Und Krach.

00:01:19: Seit Jahrhunderten erzählt man sich von dieser Nacht Der Nacht in der sie kommen.

00:01:26: Willkommen bei Radio Obscura.

00:01:59: Schön, dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime und Mystery.

00:02:03: Wir erzählen von Geschichte, Gegenwart- und Grenzbereichen.

00:02:06: Marial?

00:02:07: Mal unerklärlich!

00:02:09: Vom Meeresgrund bis zur Umlaufbahn vom Labor bis zur Legende.

00:02:12: Wir fragen was passiert ist und was davon bleibt.

00:02:15: Ich bin Svea

00:02:16: Und ich bin Tim.

00:02:17: In dieser Folge feiern wir die Walpurgis Nacht.

00:02:21: Wer mitfeiern will kann das auf Instagram tun bei Radio Obscura Podcast alles klein und zusammengeschrieben Folgt da gerne.

00:02:29: Wir haben ein paar Bilder eingefügt zur heutigen Folge, die euch anschauen könnt.

00:02:34: Warum machen wir das Thema heute?

00:02:35: Wir hatten letzte Woche, hört da generell rein einen Grundkurs zum Thema Hexen und Hexendverfolgung denn... Wir haben heute ist der Achtundzwanzigste, ja es ist der Achtenzwanzigerste.

00:02:46: Das heißt in der Nacht quasi in den Mai am dreißigsten April ist die Walpurgis Nacht nicht nur im Harz Aber wir bewegen uns heute vor allem im Procken und Harz, was im deutschsprachigen Raum der zentrale Ort ist.

00:02:59: Weil er ist literarisch verbreitet, mythologisch aufgeladen und hat auffällige Naturphänomene.

00:03:04: dazu kommen wir dann noch mal.

00:03:06: aber die Hexen-Tanzplätze, Hexemberge, Plochsberge gibt es auch woanders aber der Procken ist heute dementsprechend symbolisch gemeint.

00:03:15: Der Hexentanzplatz im Harz liegt auch ein bisschen entfernt davon ein paar Kilometer in Tale.

00:03:21: also Falls jemand mit geografischen Skills uns gleich eine Beschwerde schicken möchte.

00:03:27: Nein, wir wissen das aber, wir überspielen es mit unserer Hexerei.

00:03:32: Warst du schon mal im Harz?

00:03:35: Nee, also, da haben wir ja gerade ganz kurz vor der Aufnahme drüber gesprochen und ich habe ehrlich gesagt... Also war dann noch nie!

00:03:42: Und

00:03:42: du?!

00:03:43: Ich war ... Es müsste zwei Ton vier Weihnachten gewesen sein Und da gibt's, also es war nicht direkt in Tale oder direkt auf dem Brocken.

00:03:50: Wir sind natürlich auch ein bisschen rumgefahren aber das war ... Ein Ort zwischen Elend und Sorge.

00:03:55: Ich finde es sind so zwei wunderbare Ortsnamen im Harz.

00:04:00: Elend-Sorge.

00:04:00: Also einen Weihnachten zwischen Elent und Sorgel.

00:04:03: Das beschreibt den Zustand in den frühen Zweitausenden.

00:04:05: dann in meiner Familie?

00:04:06: Nicht!

00:04:07: Aber ist ja eine schöne Story.

00:04:09: Es ist noch eine schöne Gegend dort und wie das hätte ich auch schon erzählt, dass sich ... Ich glaube in der Hexenfolge habe ich das erzählt.

00:04:14: Dass ich ein paar Mal auch dann... damit so Ende der Neunziger auf dem Hexen-Tanzplatz war und Walpurgis Nacht feiern mit meinen Eltern und meinen Geschwistern.

00:04:24: Dementsprechend kehren wir heute noch mal dorthin zurück, ich glaube sehr viel mehr zum Thema Hexens müssen wir gar nicht klären weil hatten wir ja letzte Woche schon.

00:04:32: Und dementsprechend steigen wir einfach einmal ein in die Storchie und hören uns die Walpoges Nacht mal genauer an.

00:04:42: Mit dem Übergang von April auf Mai verändert sich in vielen europäischen Regionen der Alltag für all jene, die von Landwirtschaft und Viehzucht leben.

00:04:52: Die Tiere verlassen ihre Winterstelle – das Weideland ist wieder nutzbar, die Felder werden bestellt!

00:04:58: Der Alltag richtet sich auf die nächste Ernte ganz ohne jede Frühlingsromantik.

00:05:05: Hier herrscht Pragmatismus Das Wetter muss natürlich passen, der Boden fruchtbar sein, dass Vieh nicht erkrankten.

00:05:12: Es dürfte wenig überraschen, dass diese Zeit im Frühmittelalter auch mit Ritualen verbunden war.

00:05:19: In Irland gehört zu diesem Zeitpunkt Beltane beziehungsweise Biltain.

00:05:24: Eine der ältesten schriftlichen Erwähnungen findet sich um das Jahr neunhundert – dass Sanas Cormac übersetzt etwa Cormax-Flüstern benannt nach seinem Verfasser.

00:05:38: Bischof und König der südirischen Provenz Munster in Personalunion.

00:05:44: Dort werden zwei Feuer beschrieben, zwischen denen Rinder hindurchgetrieben werden um sie vor Krankheiten zu schützen.

00:05:52: Rauch- und Flammen sollen reinigen und schützen – vor Krankigkeiten ebenso wie vor anderem Unheil!

00:05:59: Ähnliche Bräuche finden sich natürlich auch in den anderen Teilen Europas, häufig verbunden mit Feuer und Lärm wie Klockengeläut und knallenden Peitschen.

00:06:08: Die Idee dahinter scheint simpel – wenn draußen Dinge unterwegs sind die Menschen, Tieren oder der Ernte schaden könnten sollte man diese im Idealfall irgendwie vertreiben!

00:06:20: Das zähklasche Universal-Lexikon beschreibt noch seventeenhundert siebenundvierzig sogenannte Walpurgisfeuer.

00:06:28: An manchen Orten würden noch am Vorabend des Walpurgistages Strohwüsche an langen Stangen entzündet und herumgetragen, weil man glaubte das sei für Menschen und Vieh nützlich.

00:06:39: Selbiger Eintrag macht allerdings schon sehr deutlich wen man damit inzwischen im Verdacht hat – die Hexen, die in dieser Nacht ausfahren und ihre Zusammenkünfte und Tänze auf dem Blocksberg halten sollen!

00:06:51: Schutzfeuer- und Frühlingsbräuche können alt sein.

00:06:54: Der Hexensawatt auf dem Blocksberg ist es hingegen nicht….

00:06:58: Das verschiedene Traditionen auf dasselbe Datum fallen, führt fast zwangsläufig zur Vereinfachung durch Verbindung.

00:07:05: Schon der Name Walpurgisnacht führte nicht zu irgendwelchen vorchristlichen Hexenkulten sondern zu einer christlichen Heiligen.

00:07:12: Walburga stammt aus dem südenglischen Wessex und kommt im achten Jahrhundert als Missionarin über Antwerpen nach Tauberbischofsheim.

00:07:20: Siebenhundertsechzig wird sie Äbtisten des Klosters Haydenheim und stirbt dort schließlich um siebenhundertneunzebzig.

00:07:27: Rund ein Jahrhundert später werden ihre Gebäude nach Eichstedt überführt.

00:07:32: Das Biestum Eichstädt datiert diese Überführung auf etwa achthundert und siebzig.

00:07:37: Ihr Gedenktag dafür wurde lange am ersten Mai begangen, der Tag ihrer Heilig-Sprechungen durch Papst Hadrian II.

00:07:44: So erhält die Nacht davor den Namen, den wir heute kennen – eine sonderbare Konstellation!

00:07:50: Eine Nacht der Hexen benannt noch einer Heiligen.

00:07:53: Der Termin an sich birgt schon so einiges….

00:07:56: Frühlingsbeginn, Feuer, Schutzrituale und die Vorstellung einer Nacht in der man sich gegen schädliche Einflüsse wehrt.

00:08:03: Das christliche Europa erweist sich in der Umdeutung solcher Gefahren aber als kreativ- und flexibel.

00:08:09: Aus Krankheit, Misswuchs oder schwer greifbarem Unheil werden kurzerhand Hexerei und Dämonen.

00:08:16: Das ersetzt somit nicht die vorherrschenden Ideen – es führt sie letztendlich einfach auf andere Ursachen zurück!

00:08:23: Der große Hexensabatt, der nächtliche Flug und die gemeinsame Versammlung auf einem Berg gehören damit vor allem in die Vorstellungswelt der frühen Neuzzeit.

00:08:32: Das Bild davon was Hexen eigentlich angeblich so tun entwickelt sich nach und nach aus unterschiedlichen Vorstellungen und Deutungen durch beispielsweise Theologen und Juristen Und mit dem Brocken wird dieses Phänomen auch bald einen festen Platz erhalten.

00:08:49: Der Brocken ist mit elevenhundert und einenviertig Metern die höchste Erhebung des Harzes, und weit hin sichtbar.

00:08:56: Der dortige Nationalpark Harz beschreibt ihn bis heute als Ort der Wetterextreme.

00:09:02: Wind, Regen und vor allem Nebel können dort ziemlich schnell dafür sorgen dass aus einer ohnehin Kargenbergkuppe ein recht müstiger Ort wird!

00:09:11: Im sechzehnten oder siebzehnten Jahrhundert kommt hinzu, dass man dort oben eben nicht mal aus der Brockenbahn steigt wie zumindest wir Faulen es heute tun würden.

00:09:20: Der Harz ist großflächig bewaldet, Wege sind schlechter und der Gipfel damit um einiges mühsamer zu erreichen.

00:09:27: Der Nebeltut erwartungsgemäß sein übriges – Entfernungen werden schwerer einzuschätzen, Konturen verschwinden im verhangenden Grau und Bewegungen können plötzlich ziemlich sonderbar wirken.

00:09:39: Berühmt wird später sogar ein optisches Phänomen, das seinen Namen direkt vom Berg bekommt.

00:09:44: Das Brockengespenst!

00:09:47: Steht die Sonne tief hinter einem Beobachter und fällt dessen Schatten auf eine gegenüberliegende Nebelwand erscheint dort eine stark vergrößerte menschliche Gestalt.

00:09:56: Durch die Bewegung des Nebels scheint sich diese Figur mitunter selbst zu bewegen.

00:10:01: Der Deutsche Wetterdienst verweist auf eine ausführliche Beschreibung des Phedomens aus dem Jahr siebzehntundachzig durch den Naturforscher Johann Esaias Silberschlag.

00:10:11: Für die Entstehung des Hexenglaubes auf dem Procken ist das zu spät, taugt aber zumindest als Erklärung für den Ruf des Berges.

00:10:19: Ein Ort an dem einen unter passenden Bedingungen ein riesiger Mensch aus dem Nebel entgegenblickt muss sich seinen übernatürlichen Ruf jedenfalls nicht besonders hart erarbeiten!

00:10:28: Die Verbindung zwischen dem Brocken und den Hexen ist allerdings ein Stück älter.

00:10:33: Besonders deutlich wird sie bei Johannes Brittorius.

00:10:36: Der Leipziger Schriftsteller veröffentlicht, sechzehnhundertachundsechtzig, einen Buch mit dem angenehmen Knappentitel Plockesbergs Verrichtung.

00:10:45: Vollständig wird es etwas ausufernder!

00:10:48: Habt ihr kurz Zeit?

00:10:50: Dann los!

00:10:51: Plocksbergs-Verrichtungen oder ausführlicher geografischer Bericht Von den hohen, trefflich alt und berühmten Blockesberge ingleichen von der Hexenfahrt-und Zaubersabatte so auf solche Berge die Unholden aus Kanzdeutschland jährlich den ersten Mai in Sankt-Volpurgis Nachte anstellen sollen.

00:11:09: Aus vielen Autoribus abgefasset und mit schönen Raritäten angeschmückert samt zugehörigen Figuren nebens einem Appenditie vom Blockesberg wie auch des alten Rheinsteins und der Baumannshöhle am

00:11:22: Harz.".

00:11:24: Jedenfalls beschreibt Pretorius darin unter anderem die Hexenfahrt und den Zauber-Sabbat, den die sogenannten Unholden aus ganz Deutschland jährlich zum ersten Mai in der Walpurges Nacht auf dem Berg abhalten sollen.

00:11:36: Das ist keine beiläufige Erwähnung mehr sondern regelrecht ein ganzes Veranstaltungsprogramm.

00:11:42: Erfunden hat er diese Vorstellungen allerdings nicht – Teufelspakt, Hexenflug und gemeinsame nächtliche Versammlungen gehören im siebzehnten Jahrhundert längst zum europäischen HexENbild.

00:11:53: Die deutsche digitale Bibliothek fasst diesen früh neuzeitlichen sogenannten elaborierten Hexerei-Begriff unter anderem mit Teufelspakt, Teufelbuhlschaft, Hexenflug, Hexxensabbat und Schadenzauber zusammen.

00:12:05: Theologen, Juristen und Dämonologen haben aus verschiedenen älteren Vorstellungen inzwischen ein ziemlich detailliertes System gebaut.

00:12:13: Und der Brocken liefert eben diesem einen durchaus prominenten Treffpunkt – bei Pretorius heißt er Blockersberg.

00:12:20: Die Bezeichnung Blocksberg wird später gerade durch solche Texte eng mit dem Brocken verbunden, obwohl der Name nicht ausschließlich für diesen einen Berg verwendet wurde.

00:12:29: Im Volksglauben konnten auch andere Erhebungen als orte nächtlicher Hexenversammlungen gelten – im Harz setzt sich aber der höchste Berg auch als der berühmteste durch.

00:12:39: Klar man sieht ihn schließlich von weitem, aber er liegt dann noch abseits!

00:12:44: Das Wetter ist trau, der Gipfel häufig im Nebel und ringsherum befindet sich eine Landschaft angereichert mit Sagen.

00:12:52: Runterrum finden wir Riesen-, Teufel-, seltsame Felsen, tiefe Schluchten- und Orte mit verheißungsvollem Namen.

00:12:59: Svea schaut sich den Harz und seine Geschichten jetzt etwas genauer an!

00:13:07: Man muss im Harz gar nicht allzu weit reisen um diese Geschichten zu finden.

00:13:11: rund um Tale reichen dafür schon wenige Kilometer.

00:13:15: Rostrappe, Hexentanzplatz und Bodetal gehören nicht zur selben Sage stehen aber praktisch geografisch nebeneinander.

00:13:23: Die Rostrappe liegt auf einem etwa vierhundert drei Meter hohen Granitfelsen oberhalb des Bodetals rund zweieinundfünfzig Meter über der Bode oben befindet sich eine Vertiefung im Fels die tatsächlich wie ein großer Hufabdruck aussieht.

00:13:37: Die bekannteste Sage erklärt Prinzessin Brunnhilde flied vor dem riesen Bodo.

00:13:43: Am Rand der Schlucht bleibt nur noch der Sprung.

00:13:45: Ihr Pferd setzt über das Tal, schlägt auf der anderen Seite auf und hinterlässt dabei seinen Huf im Felsen.

00:13:51: Bodo folgt ihr zwar aber erscheitert.

00:13:54: Je nach Fassung der Sage stürzt er in die Tiefe, wird zum Schwarzen Hund oder bewacht fortan Brunhildes verlorene Krone.

00:14:02: Sogar die Bode bekommt in manchen Erzählungen ihren Namen von ihm.

00:14:06: Direkt gegenüber liegt der Hexentanzplatz.

00:14:09: Von der Rostrappe kann man hinüber sehen.

00:14:12: Bei gutem Wetter reicht der Blick sogar weiter bis zum Brocken.

00:14:15: Archäologische Spuren auf dem Platz reichen bis in die frühe Eisenzeit zurück.

00:14:20: Jahrhunderte später kommen Hexensagen und schließlich die große Walpurgis-Feier einzu.

00:14:25: Heute stehen dort unter anderem das Bergtheater, Seilbahnstationen und die inzwischen ziemlich unvermeindlichen Hexenfiguren.

00:14:34: Dazwischen liegt das Bodetal – Die Bode schneidet sich hier zwischen Tale und Träseburg tief durch den Harz.

00:14:40: Felswände stehen dicht am Fluss.

00:14:43: Wege wechseln zwischen engem Talgrund, Wald und steilen

00:14:46: Hängen.

00:14:47: Rostrappe- und Hexentanzplatz wirken auf einer Karte beinahe wie Nachbarn.

00:14:52: Wer unten im Tal steht bekommt von dieser Nähe allerdings deutlich weniger mit.

00:14:57: Ein Stück weiter nördlich zieht sich die Teufelsmauer durch das Harzvorland.

00:15:01: Dort stehen Sandsteinfelsen teilweise fast senkrecht in der Landschaft.

00:15:06: Als sich der Harz erhob wurden Gesteinschichten aus der Oberkreide aufgerichtet.

00:15:10: Besonders stark verfestigter Sandstein widerstand später der Verwitterung, während weicheres Material verschwand.

00:15:17: Übrig

00:15:17: blieben diese langen unterbrochenen Felsrippen – da ist der Name Teufelsmauer doch deutlich griffiger als die geologische Erklärung!

00:15:26: Der Brocken steht also nicht für sich irgendwo am Ende des Haarses.

00:15:30: Er gehört zu jener Landschaft in der Felsen, Täler und auffällige Formation schon lange eigene Sagen

00:15:36: tragen.".

00:15:40: Wieso eine Walpurgis Nacht nach frühneuzeitlicher Vorstellung eigentlich abläuft, lässt sich aus Prozessakten, theologischen Schriften und späteren Sammlungen relativ gut rekonstruieren.

00:15:52: Wobei Rekonstruiren hiermit Vorsicht zu genießen ist!

00:15:55: Wir beschreiben keine Feier bei der Irgendwer-Pennibel-Protokoll führt sondern ein Bild das sich über lange Zeit aus Erzählungen, Verhören und gelehrten Vorstellungen zusammensetzt.

00:16:07: Der Aufbruch beginnt meistens nachts.

00:16:10: Menschen verlassen heimlich ihre Häuser und begeben sich an einen abgelegenen Ort, den Rest erledigt praktischerweise die Magie.

00:16:18: Besen sind bekanntermaßen der Klassiker schlechthin aber keineswegs das einzige Verkehrsmittel.

00:16:24: in den Überlieferungen tauchen ebenso Tiere oder andere Gegenstände auf.

00:16:29: wie dem auch sei zu Fuß gehen die Hexen jedenfalls nicht.

00:16:33: am Ziel wartet der sogenannte Hexensabbatt.

00:16:36: Der Historiker Brian Lavec beschreibt in seiner Forschung zur europäischen Hexenverfolgung ein Bündel von Vorstellungen, das sich besonders in der frühen Neuzeit verfestigt.

00:16:47: Mächtliche Zusammenkünfte der Teufel gemeinsames Essen, Tanz, sexuelle Handlungen und verschiedene Formen der Umkehr christlicher Rituale.

00:16:56: auch Wolfgang Behringer weist daraufhin wie sehr dieses Bild durch Demologie- und Hexendprozesse geprägt wird.

00:17:06: Wie er aussieht unterscheidet sich je nach Bericht erheblich.

00:17:09: Mal erscheint er menschlich, mal als Tier oder Mischwesen, mal mit genau den Merkmalen die wir heute erwarten würden.

00:17:17: Wichtiger als sein Aussehen ist ohnehin seine Funktion!

00:17:20: Er steht im Zentrum der Versammlung, nimmt Huldigungen entgegen und schließt angeblich Bündnisse mit den Anwesenden.

00:17:27: Vieles was aus dem christlichen Alltag vertraut ist, erscheinnt in diesen Beschreibungen verdreht und entweit.

00:17:33: Gebete, Sakramente und Gesten werden nachgearmt aber in ihr Gegenteil verkehrt.

00:17:39: Der Hexensabbat wirkt damit wie die Gegenwelt zur christlichen Ordnung Und es wird unfassbar viel getanzt.

00:17:47: Besonders der Tanz bleibt später stark an der Walproges Nacht hängen.

00:17:51: Menschen kommen nachts auf einem Berg zusammen Feuer brennen Musik und Stimmen bilden einen Klangteppich.

00:17:56: Die gesamte Veranstaltung bewegt sich irgendwo zwischen fest, ritual und vollständigem Kontrollverlust.

00:18:03: Interessant ist, dass solche Beschreibungen an weit voneinander entfernten Orten erstaunlich ähnliche Bestandteile besitzen.

00:18:09: Wir hatten das in unserer Folge über die Hexenverfolgung beschrieben.

00:18:13: Vorhöhre fanden nicht in einem luftleeren Raum statt.

00:18:16: Richter und Theologen hatten recht konkrete Vorstellungen davon womit Hexon ihre Freizeit verbringen.

00:18:22: Entsprechend zielgerichtet konnten die Fragen ausfallen.

00:18:25: Wer unter Druck und Folter oder der Aussicht auf ein Todesurteil verhört wurde, bekam damit teilweise schon vorgekaut welche Geschichte erwartet wurde.

00:18:34: Deshalb wiederholen sich die Motive Hexenflug Teufelspark Tanz Sabat Berg Einer der dem Brocken als Hexemberg einen erheblichen Teil seiner späteren Bekanntheit verschafft ist Johann Wolfgang von Goethe.

00:18:47: Und der kannte den Berg nicht nur aus Erzählungen.

00:18:50: Am zehnten Dezember, siebzehnhundertsebenundsiebzig steigt er tatsächlich selbst hinauf.

00:18:55: Seine Aufzeichnungen beschreiben den Weg über Torfhaus und den verschneiten Gipfel.

00:18:59: Ein Jahr später erinnert er Schalotte von Stein in einem Brief daran, dass er vor dem Jahr um diese Stunde auf dem Brocken gewesen sei.

00:19:07: Da lebt Goethe bereits in Weimar.

00:19:10: Einige Jahre zuvor hat er allerdings an einem Ort studiert, der in seinem späteren Faust ebenfalls ziemlich prominent auftaucht – Leipzig!

00:19:19: Am neunzehnten Oktober, siebzehnhundertfünfundsechzig schreibt er sich dort für Jura ein und bleibt bis August siebzenhundertachtundsechtzig.

00:19:27: Wie die Universität Leipzig selbst festhält verbringt er seine Zeit allerdings nicht ausschließlich mit Juris Prudenz.

00:19:34: Goethe besucht Poetik Vorlesungen nimmt Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Öser und bewegt sich ausgiebig durch das leibziger Kultur- und Gesellschaftsleben.

00:19:43: Dass später ausgerechnet Auerbachs Keller in Faust auftaucht, kommt also nicht von ungefähr.

00:19:50: Der Brocken folgt knapp zehn Jahre später.

00:19:53: Im Winter, siebzehnhundert und siebzig reist Goethe durch den Harz und besteigt den Gipfel trotz Schnee und schwieriger Witterung.

00:20:00: Aus dieser Reise entsteht unter anderem das Gedicht Harzreise im Winter.

00:20:04: Goet he wusste somit aus eigener Erfahrung wie sich diese Landschaft anfühlt Und so schickt er schließlich in Faust, der Tragödie Ersterteil.

00:20:12: Erschien an... Die Walpurges Nacht bei Goethe ist kein besonders geordnetes Treffen!

00:20:20: Auf dem Berg herrscht Bewegung, Stimmen tauchen hier und da auf, Figuren drängen sich durch die Szene, Feuer leuchten und überall passiert gleichzeitig irgendetwas.

00:20:30: Faust und Mephisto bewegen sich mitten hindurch, treffen auf Hexen, Geistern und allerlei Gestalten während Goethe munter Volksglauben, Satire und eigene Figuren miteinander vermüchten.

00:20:41: Direkt im Anschluss folgt der Walpurges Nachtstraum ein eingeschobenes kleines Theaterstück innerhalb des ohnehin schon nicht sonderlich ereignisarmen Abends.

00:20:51: Goetha nutzt dieselbe Nacht also gleich mehrfach Einmal als wilden Hexensabatt auf dem Brocken und anschließend als Bühne für ein satirisches Intermezzo.

00:21:00: Plicken wir aber auf einen anderen Text, der vermutlich seltener im Deutschunterricht behandelt wird als Der Faust.

00:21:05: In den letzten Jahren schreibt Goethe die Ballade Die Erste Walpurgis Nacht Und dort dreht er die bekannte Vorstellung einmal komplett herum.

00:21:15: Bei Goetha sind es keine Hexen, die sich heimlich zu einem täuflichen Ritual treffen.

00:21:19: Es sind Heiden, die ihren alten Frühlingsbrauch feiern wollen.

00:21:23: Das Problem an der Sache, die neuen christlichen Machthaber haben genau solche Rituale verboten.

00:21:28: Also entwickeln die Feierenden einen Plan, der direkt in der Angst der anderen ansetzt.

00:21:33: Wenn die Christen ohnehin glauben das Nachtsdemonen durch den Wald ziehen dann kann man ihnen doch auch welche liefern!

00:21:39: Die Heiden verkleiden sich mit Hörnern, Zacken und Gabeln machen möglichst viel Lärm und jagen den christlichen Wächtern damit einen solchen Schrecken ein dass diese überzeugt sind die gesamte Hölle sei gerade auf Betriebsausflug im Harz Und während die Wächter die Flucht ergreifen, kann das eigentliche Frühlingsritual umgestört stattfinden.

00:21:58: Goethe macht aus dem vermeintlichen Hexensabbat damit gewissermaßen eine historische Fehlinterpretation innerhalb der Handlung – weder Dämonen noch Hexen!

00:22:07: Nur Menschen.

00:22:09: Den Text der Ballade gibt es jetzt... Ein reiner Schnee liegt auf der Höhe, doch eilen wir nach oben begehend den alten Heilgenbrauch Alfhater dort zu loben.

00:22:34: Die Flammelotre durch den Rauch begeht den alten heilgen Brauch.

00:22:37: Hinauf, hinauf!

00:22:39: Alfhator dort zu loben – so wird das Herz

00:22:42: erhoben.".

00:22:43: Könnt ihr so verwegen handeln?

00:22:45: Wollt ihr denn zum Tode wandeln?

00:22:47: Kennet ihr nicht die Gesetze unserer strengen Überwinder?

00:22:51: Ringsgestellt sind ihre Netze auf die Heiden und Sünden.

00:22:55: Ach, sie schlachten auf dem Walle unsere Väter und Kinder.

00:22:58: Und wir alle nahen uns gewissem Falle.

00:23:01: Auf das Lagershof im Walle schlachten Sie unsere Kinder.

00:23:05: Ach die Stringer überwinden!

00:23:09: Wer Opfer heute zu bringen scheut verdient erst seine Bande.

00:23:12: Der Wald ist frei, das Holz herbei und schichtet es zum Brande.

00:23:17: Doch bleiben wir in Buschrevier am Tag noch im Stillen?

00:23:20: Und Männer stellen wir zu Hut um eurer Sorge

00:23:23: Willen.".

00:23:23: Dann aber lasst mit frischem Mut uns unsere Pflicht erfüllen.

00:23:27: Kinauf, kinauf!

00:23:29: Verteilt euch wacke Männer hier.

00:23:32: Verteilt euch wakke Männer her durch dieses ganze Waldrevier und wachet hier im Stillen wenn sie die Pflicht

00:23:38: erfüllen.".

00:23:39: Diese dumpfen Pfaffenkristin lasst uns Kecks sie überlisten – Mit dem Teufel den Sie fabeln wollen wir sie selbst erschrecken.

00:23:47: Kommt, kommt mit Zacken und mit Gabeln und mit Glut- und Glapperstöcken.

00:23:51: Lärmen wir bei Nächtegeweile durch die engen Felsenstrecken.

00:23:55: Kauts und Eule heulen in unser Rundgeheule.

00:23:58: Kommt!

00:23:59: Kommt!!

00:24:00: Kommt!!!

00:24:00: Kommt!!!!

00:24:02: Kommt mit Zacken und Mitgabeln wehrt Häufe den sie fabeln Und mit wildem Glipperstücken durch die Engenfelsen strecken.

00:24:14: Soweit gebracht, dass wir bei Nacht Allvater heimlich singen.

00:24:16: Doch es ist Tag sobald man mag ein reines Herz dir bringen!

00:24:21: Du kannst zwar heute und manche Zeit dem Feinde viel erlauben.

00:24:24: die Flamme reinigt sich von Rauch.

00:24:26: zu Reinig unseren Glauben Und raubt man uns den alten Brauch dein Licht wer will es rauben?

00:24:32: Hilf Ach, hilft mir Kriegsgeselle!

00:24:34: Ach es kommt die ganze Hölle.

00:24:36: Sie wie die verhexten Leiber durch und durch von Flammeglöhnen Menschenwölf-und Drachenweiber Die im Flug vorüberziehen.

00:24:44: Welch entsetzliches Getöse.

00:24:46: Lasst uns lasst uns alle fliehen.

00:24:48: Oben flammt uns Saust der Böse Aus dem Boden dampfe dringens ein Höllern Broden.

00:24:53: Lassts uns fliehn'.

00:24:55: Die Flamme reinigt sich vom Rauch.

00:24:57: So reinig unseren Glauben Und raub man uns den alten Brauch Dein Licht Wer kann es rauben?

00:25:09: Wer oft genug über einen geheimnisvollen Berg liest, kommt irgendwann auf die naheliegende Idee da selbst mal hinzufahren.

00:25:16: So wird natürlich auch der Brocken im XVIII und XIX Jahrhundert zunehmend touristisch erschlossen.

00:25:23: Es erscheinen Reiseberichte und Karten Wege werden ausgebaut Und der abgelegene Hexenberg wird nach und nach zum Ausflugsziel.

00:25:32: Was der Ausbau natürlich nicht verhindern kann, ist dass der Brocken weiterhin über seine unheimlich wirkenden Eigenheiten verfügt.

00:25:39: Denn auch ein hübscher Weg nach oben lässt den Nebeln nicht verschwinden und Wind- und Wetter richten sich nicht nach stark frequentierten Besuchszeiten.

00:25:48: Den wirklich großen Unterschied macht schließlich die Infrastruktur.

00:25:55: Wer auf den Gipfel möchte, braucht damit nicht mehr zwingend Wanderschuh und einen ausgeprägten Hang zu körperlicher Anstrengung.

00:26:02: Die Schmalspurbaden bringt Besucher direkt nach oben – ganz bequem!

00:26:06: Man könnte meinen, dass sich die Hexen nach einer neuen Location umsehen müssten… aber das tun sie nicht.

00:26:13: Aus den Erzählungen entwickelt sich nach und nach ein touristisches Bild des gesamten Harzes.

00:26:18: Hexens, Teufel und Sagenfiguren stehen nicht nur in Büchern sondern auch auf Schildern und Souvenirs.

00:26:25: Der Harzer Hexenstieg trägt dieses Prinzip heute bereits im Namen.

00:26:29: Wer dort wandert, erlebt das Marketing der Sagenwelt aus erster Hand.

00:26:34: Noch deutlicher wird es rund um Tale und den Hexentanzplatz.

00:26:38: Dort findet heute eine der bekanntesten Walpurgisfeiern in Hartstadt.

00:26:42: Am dreißigsten April stehen Bühnen auf dem Gelände Es gibt Musik, Feuer, Shows Und selbstverständlich reichliche Menschen in Hexn- und Teufelskostüm.

00:26:51: Der MDR berichtete für im Jahr zwanzig von insgesamt rund fünfzehntausend sechshundert Besuchern bei den größeren Feiern allein in Talle, Schirke und Werniger Rode.

00:27:02: Die früh neuzeitliche Vorstellung hat sich damit vollständig umgekehrt.

00:27:06: Niemand muss mehr Flüchten vor dem demonischen Partys auf den Blocks bergen!

00:27:10: Man nimmt teil, kauft Merch, hat Spaß und das ganz ohne Besenführer erscheinen.

00:27:16: Natürlich ist auch das Feuer geblieben mit leicht veränderter Aufgabe.

00:27:20: Dem Schutz des Fies oder der Hexenvertreibung dient es schon lang nicht mehr.

00:27:24: Es gehört inzwischen einfach zur Atmosphäre.

00:27:26: Pyrotechnik und Feuerschalen ersetzen Schutzrituale.

00:27:30: Im Harz ist die Walpurgisnacht längst kein Brockenunikat mehr.

00:27:34: Schirke, weniger.

00:27:35: Rode, Gossler und zahlreiche kleinere Orte veranstalten eigene Feiern mit Märkten, Umzügen, Konzerten und Feiern.

00:27:43: Der Hexentanzplatz in Tale ist dabei der wohl bekannteste Ort.

00:27:47: Außerhalb der Region begegnet uns dieselbe Nacht oft etwas weniger Dämonisch als Tanz in den Mai.

00:27:53: Musik, Feiern, Mai-Bäume und Feuer sind geblieben und funktionieren hervorragend ohne Brockenhexen oder Besenflug.

00:28:00: Man kann den Mai schließlich auch begrüßen, ohne vorher einen Teufelspakt abzuschließen – das vereinfacht die Organisation sicherlich erheblich!

00:28:10: Dann wäre der noch Beltane dass wir zu Beginn erwähnten.

00:28:13: Moderne neo-pagane Religionen wie Wicca greifen das Fest noch heute auf und feiern es als eines der jahreszeitlichen Feiertage ihres sogenannten Jahresrades.

00:28:23: Feuer, Natur, Fruchtbarkeit und der Übergang in die warme Jahreshälfte spielen dabei gewichtige Rollen.

00:28:28: Eine lückenlose Fortsetzung.

00:28:30: frühmittelalterliche Rituale ist das allerdings nicht.

00:28:33: Moderne Wiccatraditionen entstehen erst im zwanzigsten Jahrhundert und setzen ältere Bräuche und Vorstellungen neu zusammen.

00:28:40: Heute existieren somit ziemlich unterschiedliche Nächte gleichzeitig unter demselben Datum.

00:28:44: Für die einen ist der dreißigste April schlicht eine Party vor dem Feiertag, andere feiern ein religiöses Fest.

00:28:51: Im Harz ziehen Tausende zwischen Hexen Teufeln Krach und feuern durch Orte deren sagenumwobene Landschaft den perfekten Schauplatz liefern.

00:29:00: Die einst vorherrschenden Bilder sind damit längst überlagert Und niemand ist mehr darauf angewiesen zu wissen wie genau man sich eigentlich den Hexensabbat vorgestellt hat Wieso eine Nacht ausgesehen haben könnte?

00:29:11: Wir hätten da einen Vorschlag.

00:29:19: Die Feuer brennt bereits, als du den Platz erreichst – nicht eines unzählige!

00:29:26: Flache Feuerstellen liegen zwischen steinen und festgetretener Erde die Flammen niedrig genug dass der Wind sie immer wieder zur Seite drückt, Ihr Licht reicht kaum bis an den Waldrand.

00:29:40: Es schwingt sich spielerisch von Gesichtern über Händestoffe und Nacktehaut, begräbt die restliche Nacht im schwarzen Kontrast.

00:29:48: Keine Stille!

00:29:49: Die Minge bewegt sich pausenlos – kein Stillstand.

00:29:52: Menschen drängen aneinander vorbei, drehen sich, greifen nach Händen und Schultern lösen sich wieder.

00:29:59: Irgendwo schlägt jemand einen Takt auf Holz ein zweiter nimmt ihn auf dann noch einer.

00:30:05: Kein bekanntes Liedgut, das in Würzhäusern erklingt.

00:30:08: Nur ein Rhythmus der zwischen den Stimmen sitzt und sie nach und nach zusammenzieht.

00:30:14: Der Boden unter deinen Füßen ist weich.

00:30:16: Schlamm klebt an den Sollen, vermischt mit Asche zerdrücktem Gras und Splittern.

00:30:21: Über allem hängt der Rauch.

00:30:23: Er kriegt in die Kleidung unter die Haut, brennt in deinen Augen und legt sich bitter auf die Zunge.

00:30:28: Einer beginnt zu rufen andere Antworten erst versetzt dann langsam mehr andern im smultanen Klang.

00:30:35: Worte gehen darin verloren, wenn es je welche waren.

00:30:38: Es bleibt der Klang tief und gleichmäßig unterbrochen vom Knacken des Holzes und dem stumpfen Stampfen der Füße.

00:30:46: Dann öffnet sich inmitten der Menge ein Kreis.

00:30:49: Die Menschen treten einfach zurück als hätten sie genau darauf gewartet.

00:30:53: Zwei Gestalten führen ein Tier hinein.

00:30:56: Im Feuerlicht lässt sich kaum erkennen was für eines die Beine stemmen sich noch einmal gegen den Boden rutschen weg finden schwerlich Halt.

00:31:04: Einer der Männer umfasst den Kopf, der andere hält den Körper fest.

00:31:08: Alles geschieht mit einer Ruhe die bedrohlicher wirkt als jedes hektische Zerren – nur Bestimmtheit ohne Diskussion!

00:31:17: Als die Klinge angesetzt wird werden die Stimmen lauter.

00:31:20: das Tier zuckt einmal zweimal ein letztes Mal.

00:31:27: Blut läuft über Hände und Unterarme es tropft auf die dunkle Erde.

00:31:31: Im Feuerschein sieht es beinahe schwarz aus, bis eine Flamme aufflackert und für einen Moment das Rot zurückholt, dass ein Hauch von Eisen in die rauchige Luft trägt.

00:31:41: Menschen beugen sich vor, Finger tauchen hinein, ziehen Linien überhaupt, stören berust.

00:31:47: Niemand weicht zurück – der Kreis schließt sich!

00:31:51: Der hölzerne Takt beschleunigt sich, Füße antworten, Röcke-und Mendelschlagen gegeneinander.

00:31:57: Der Rauch wird von den Bewegungen auseinandergerissen und malt grausige Fratzen in den Feuerschein des Nachthimmels.

00:32:03: Du wirst angerempelt, fängst dich doch jemand packt deinen Arm und zieht dich ein Stück mit!

00:32:09: Eine Hand lässt sich los die nächste greift nach dir.

00:32:11: auch du wirst Teil des Taktes.

00:32:14: Zwischen dem Köpfen erheben sich seine Hörner nur für einen Augenblick dann wieder näher.

00:32:19: diesmal eine dunkle Gestalt steht dort wo der Kreis eben noch offen war.

00:32:23: Der Teufel ist größer als die meisten um ihn herum.

00:32:26: Nicht riesig, nicht das Monster.

00:32:27: aus den Kirchenfenstern des Feuerspalt.

00:32:29: dem Schwefel aus den Ohren trieft eine fast menschliche Gestalt begrünt von Horn mit durchdringendem Blick der durch die Menge wandert und schließlich bei dir hängen bleibt.

00:32:40: Um ihn herum wird weiter getanzt gerufen gestampft.

00:32:43: Eine Frau lacht so laut dass ihre Stimme kurz aus allem anderen herausbricht.

00:32:47: Funken steigen über einem der Feuer auf und verschwinden im Dunkel Und er sieht

00:32:52: dich

00:32:52: an.

00:32:53: Dann schiebt sich ein Körper zwischen euch noch einer, du verlierst ihn aus den Augen und findest ihn wenige Sekunden später nicht wieder.

00:33:00: Der Takt wird langsamer.

00:33:02: Stimmen brechen auseinander erst einzelne dann immer mehr und immer mehr.

00:33:07: Jemand wirft Holz ins Feuer eine Frau kniet im Schlamm und wücht sich mit den Handdrücken über den Mund.

00:33:13: zwei Männer verschwinden zwischen den Bäumen.

00:33:15: das Tier liegt noch im Kreis Und plötzlich säuselt ihr der Wind sanft am Ohr entlang.

00:33:21: Er zieht gemächlich über den Platz, drückt den Rauch flach über die Erde und trägt den Geruch von Blut-und verbranntem Holz in den Wald.

00:33:29: Die Feuer brennt weiter – nur der Teufel ist fort!

00:33:40: Das war unsere kleine Harzrundreise an einem ganz besonderen Tag zur Walpurgisnacht Und du hattest in der Hexenfolger schon erzählt dass es In- und Umswehrtauen ja auch irgendwie so Hexennorte gibt oder Orte die nach Hexe benannt sind.

00:33:54: Gibt's da auch eine Tradition?

00:33:56: Hexen feiern oder bei Purgis Nacht zu feiern.

00:33:58: Oder heißen die Orte einfach nur so, weil sie...so heißen?

00:34:05: Also ich musste immer an das eine Beispiel von diesem Dorf, den wir jetzt mal nicht in Namen denken, indem ich nicht aufgewachsen bin aber eine Freundin von mir und wir haben halt in der, glaube ich würde es mich irgendwie, siebte oder achte Klasse meinen Referat darüber gehalten.

00:34:21: Da ging es um eine Geschichte, wo ein Jungs-Mädchen als Hexe verbrannt wurden.

00:34:25: Das war die letzte Hexe, die dort verbrannt wurde und das gibt in diesem Dorf die Tradition von der Kirche aus tatsächlich, dass sie dort irgendwie so wie eine Art Feier auf diesen Platz machen, wo man dann auch einen Lagerfeuer gibt und Stockbrot

00:34:40: usw.,

00:34:41: aber sonst mit so mega viel Tradition ist das bei uns eigentlich ehrlich gesagt gar nicht verbunden.

00:34:45: also es gibt diese Orte Und in vielen Dörfern gibt's halt auch solche Plätze, aber so sehr viel passieren tut dann nicht.

00:34:53: Also bei Purgis Nachtfeien kommt gerade aktuell für mich oder meine Empfinden in dieser Region ein bisschen wieder einen Trend vor allem Leute die sich so esoterisch beschäftigen da irgendwie wieder drauf kommen.

00:35:04: Aber so lange Tradition hat das gesagt bei uns nicht.

00:35:07: Den Eindruck hab ich hier überhaupt nie auch, also ist ja der Folge auch erwähnt... Das war irgendwie so diese Ursprungsfeier, erster Mai, Walpurgis Nacht.

00:35:17: Das feste Heiligen Walburga, die unterschiedliche Ausprägung hat und für mich war es immer Walpurgis Nacht.

00:35:23: aber seit ich jetzt hier in NRW wohnen habe ich zum ersten mal richtig auch diese Maibaum- und Mayabend Tradition mitbekommen.

00:35:31: Es läuft ja gerade hier am Freitag durch die Stadt gelaufen und war ganz erschlagen von so vielen Menschen traditionellen Uniformen, ist glaube ich hier das sechshundert was auch immerste.

00:35:42: Sechshundert und dreißig oder irgendwie etwas über sechshundert so viele gibt es sich schon?

00:35:47: Und dann hab' ich dann auch mal gelesen eben diese Tradition in den Baum zu klauen.

00:35:52: Was weiß ich, sowas kannte ich gar nicht.

00:35:54: Das war mir völlig neu.

00:35:56: Also kann jeder für die selber entscheiden möchte man lieber um einen Baum tanzen was ja auch so ein bisschen skandinavisch ist.

00:36:02: Ich weiß nicht ob jemand den Film Midsommar gesehen hat von Ari Ester muss ein bisschen sehr eskaliert oder eben lieber auf Hexen steht, aber letztendlich eine nette Feier in den Mai hinein ist ja nie so verkehrt.

00:36:14: Da sagt keiner Nein weil bei Feiern gibt es immer leckere Getränke und leckeres Stacks.

00:36:22: Erstens Bei der ersten organisierten Walpurgisfeier auf dem Brocken, Organisiert wurde sie vom Bad Harzburger Verlagsbuchhändler Rudolf Stolle.

00:36:34: Gefeiert wurde im Brockenhotel und Mitternacht zog die Gesellschaft zur Teufelskanzel.

00:36:39: Erst einige Jahre später wurde die Veranstaltung größer, auch Frauennamen in Nennsvetterzahl teil.

00:36:46: Zweitens.

00:36:52: Föhrst Christian Ernst zu Stolberg.

00:36:55: Werniger Rode ließ die großen Feiern auf seinem Berg untersagen.

00:36:58: Zeitgenössliche Berichte nennen neben moralischen Bedenken auch die Probleme, die mehrere hundert feierende Besucher auf dem Gipfel verursachten.

00:37:05: Die Walpurgisfeiern wichen daraufhin stärker in die Orte und Hotels des Harzes aus.

00:37:10: Drittens – das Brockengespenst ist ein reales optisches Phänomen und wurde siebzehnundachtzig auf den Brocken beschrieben.

00:37:18: Steht die Sonne hinter einem Menschen und vor ihm liegt Nebel oder eine Wolkenschicht kann sein Schatten riesenhaft auf den Nebel projiziert werden.

00:37:27: Rolfik erscheint darum zusätzlich einen farbiger Lichtkranz.

00:37:30: Das Phänomen kann überall auftreten, sein internationalen Namen Brocken Specter verdankt ist aber dem Harz!

00:37:37: Viertens – im schwedischen Uppsala gehört zu Walpurgis ein Floßrennen durch die Innenstadt.

00:37:44: Wahlburg ist in Schweden längst weniger Hexen Nacht als großes Frühlings- und Studentenfest.

00:37:48: In Uppsalar gehören selbstgebaute Flosse auf den Fürissan-, Korgesang- und traditionellen Studentenmützten zu den festen Bestandteilen.

00:37:56: Fünftens.

00:37:57: In Tschechien werden am dreißigsten April bis heute symbolische Hexenfiguren verbrannt, die sogenannte Charo-Gianitze wird dort ebenfalls mit großen Feuern gefeiert.

00:38:07: Traditionell wurden Stroh oder Holzfiguren von Hexzen ins Feuer geworfen.

00:38:12: Mancherorts warf man sogar brennende Besen oder Stoffkugeln in die Luft.

00:38:17: Heute ist daraus vor allem ein öffentliches Frühlingsfest mit Feuer Musik und Essen

00:38:22: geworden.".

00:38:26: Der Weg führt wieder hinunter Kein Feuer mehr zwischen den Bäumen, kein Rauch über dem Hang.

00:38:32: Der Wald ist dunkel aber nicht mehr bedrohlich.

00:38:35: Unter den schuhnknacken Äste der Wind rauscht durch die Gronen und der Brocken verschwindet langsam hinter den Stämmen.

00:38:41: Was dort oben über Jahrhunderte stattgefunden haben soll hat sich immer wieder verändert.

00:38:47: Erst Schutzrituale und Frühlingsbräuche dann Hexenflug, Sabbat- und Teufel später Goethe, Tourismus und schließlich Menschen mit Plastikbesen und Eintrittsbänchen.

00:38:58: Der Berg ist trotzdem behaulich.

00:39:01: Er steht noch immer im Harz, verschwindet regelmäßig im Nebel und sieht unter den richtigen Bedingungen genauso aus als sei er die wahre Heimat aller übernatürlicher Dinger.

00:39:12: Das war Radio Obskura.

00:39:15: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann bleibt auf Frequenz folgt uns und lasst gerne eine Bewertung da

00:39:21: Wir hören uns bis dahin.

00:39:22: Bleibt mit eurem Besen außerhalb von Halteverbotzone Bleibt

00:39:25: bei Euch

00:39:26: Bleibt in Dunkeln

00:39:27: Und Radio Aus.

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