Grimoire #2: Wir stellen uns tot
Shownotes
🎧 Worum geht’s in dieser Folge?
Nach dem Tod ihrer Tante kehrt eine Frau in das Haus zurück, in dem sie als Kind viele Nachmittage verbracht hat. Während sie Möbel sortiert, Schränke ausräumt und alte Erinnerungsstücke entdeckt, fällt ihr Blick immer wieder in den verwilderten Garten. Dort spielte sie früher mit ihrer Freundin Jule ein ungewöhnliches Spiel: Sie stellten sich tot, hielten füreinander Grabreden und erfanden Regeln, die beide unbedingt einhalten mussten.
Besonders ein Nachmittag ist ihr im Gedächtnis geblieben, auch wenn sie sich an vieles nur bruchstückhaft erinnert. Je länger sie im Haus bleibt, desto deutlicher kehren die gemeinsamen Erlebnisse zurück. Zwischen alten Gegenständen und längst vergessenen Kindheitserinnerungen beginnt sie, sich mit etwas auseinanderzusetzen, dem sie über dreißig Jahre aus dem Weg gegangen ist.
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🎙️ Host: Tim
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00:00:24: Das Haus sah noch genauso aus wie früher.
00:00:27: Nur kleiner!
00:00:28: Die Veranda war schmaler, als ich sie in Erinnerung hatte – die drei Stufen niedriger.
00:00:33: und selbst die Haustür, die mir als Kind schwer und beinahe feierlich vorgekommen war, bögte jetzt wie eine gewöhnliche alte Holztür.
00:00:42: An mehreren Stellen Blätterte die Farbe ab, in der schmalen Scheibe daneben verlief noch derselbe lange Riss und als ich den Schlüssel ins Schloss steckte fiel mir wieder ein dass man die Tür ein Stück zu sich ziehen musste damit er sich drehen ließ.
00:00:57: Meine Tante hatte mir das beigebracht als ich noch beide Hände dafür brauchte.
00:01:01: Ich hatte seit Jahrzehnten nicht mehr daran gedacht aber meine Hand tat es trotzdem richtig!
00:01:11: Meine Tante war seit drei Wochen tot und irgendwann in den nächsten Tagen sollte ich aus ihrem Leben drei verschiedene Kategorien machen.
00:01:18: Behalten, verkaufen, wegwerfen... Die Marklerin hatte mir geraten möglichst viel zu entsorgen!
00:01:26: Ein leeres Haus hatte sie gesagt sei für Interessenten leichter.
00:01:31: Ich hatte genickt obwohl wir telefonierten und nicht gefragt was daran eigentlich leichter sein sollte.
00:01:38: Vielleicht musste man ein Haus erst von dem Menschen befreien, der daran gelebt hatte bevor jemand anderes sich vorstellen konnte darin zu wohnen.
00:01:46: Im Flur hing ihr blauer Regenmantel mit den weißen Punkten.
00:01:49: Darunter stand die Gummistiefe und auf einer kleinen Kommode lag die Schale für Schlüssel in der zwei Münzen unter einzelner Knopf zurückgeblieben waren.
00:01:58: Ich stellte meine Tasche daneben und ging erstmal durchs Zimmer ohne etwas anzufassen.
00:02:04: Das Schlafzimmer ließ ich aus.
00:02:06: Dafür war später Zeit.
00:02:09: Im Wohnzimmer stand der Sessel noch am Fenster, über dessen Lene eine graue Decke hing.
00:02:13: Früher hatte dort die Katze geschlafen.
00:02:16: An ihren Namen konnte ich mich nicht mehr erinnern – wohl aber daran dass sie jeden dunklen Pullover innerhalb weniger Minuten mit hellen Haaren überzogen hat und das sich an ihr irgendwann lernte was Erwachsene tatsächlich meinten wenn sie sagten ein Tier sei eingeschlefert worden.
00:02:33: Das Sofa durfte man nicht mit nassen Sachen betreten.
00:02:35: Im Bücherregal standen die Atlanten, die schon in meiner Kindheit alt ausgesehen hatten und auf dem Fensterbrett lag eine tote Flieger auf dem Rücken.
00:02:44: Nichts davon war wichtig genug um aufgehoben zu werden und trotzdem sah ich mir die Dinge länger an als die Möbel über deren Verkauf ich eigentlich entscheiden sollte.
00:02:53: Ich setzte mich in den Sessel und blickte in den Garten.
00:02:57: Dort war die Zeit deutlicher vergangen.
00:02:59: Die Bete meiner Tante waren unter hohem Gras kaum noch zu erkennen Einer der Apfelbäume hatte einen dicken, abgestorbenen Ast und der alte Blattenweg war an mehreren Stellen von Wurzeln angehoben worden.
00:03:11: Weiter hinten zwischen zwei Sträuchern lag noch immer die flache Senke, die Jule und ich unseren Friedhof genannt hatten.
00:03:19: Wir waren acht gewesen und hatten dort Beerdigung gespielt.
00:03:23: Ich weiß nicht mehr wer damit angefangen hat.
00:03:25: wahrscheinlich Jule.
00:03:27: Sie dachte sich solche Dinge aus und konnte mitten im Spiel eigene Regeln erfinden wie anschließend schon immer gegolten haben sollten.
00:03:35: Wer tot war, lag in der Senke auf dem Rücken.
00:03:38: Die Hände auf den Bauch und die Augen geschlossen.
00:03:40: Die andere hielt eine Grabrede.
00:03:43: Schuhe waren verboten – weil Tote keine Schuwe brauchten!
00:03:46: Und wer sich bewegte oder lachte, war nicht richtig tot und musste von vorn anfangen.
00:03:52: Jule konnte sehr gut tot sein, obwohl sie sonst kaum still saß.
00:03:57: Wenn wir auf der Terrasse Himbeersaft tranken, wippte sie mit dem Fuß unter dem Tisch.
00:04:01: Beim Reden nahmen sie Dinge in die Hand, drehte sie um legte sie woanders hin und vergasst wo sie waren.
00:04:07: Im Gras lag sie dagegen Minuten lang reglos.
00:04:10: Ich schielte irgendwann fast immer bei mir langweilig wurde oder weil ich wissen wollte ob sie noch mitmachte.
00:04:16: Julit hat das nie.
00:04:18: Wenn sie mich erwischte musste ich die Beerdigung nochmal beginnen.
00:04:22: Einmal hatte sie beschlossen eine Königin zu sein.
00:04:26: Er legte sich in ihrem gelben Kleid ins Gras faltete die Hände und überlegte lange, woran eine Königin sterben konnte.
00:04:33: Da ihr nichts Königliches einfiel, entschied sie sich für eine Himbeere.
00:04:38: Ich erklärte in meiner Grabrede das Herr Jule Liege die Königinnen, die an einer Himbeer gestorben sei und jetzt leider tot wäre.
00:04:46: Sie öffnete sofort die Augen – ich klänge überhaupt nicht traurig!
00:04:51: Also begann ich noch einmal und erzählte dass das ganze Königreich sie vermissen würde….
00:04:55: Das genügte ihr.
00:04:57: Ein anderes Mal beerdigten wir einen abgebrochenen Bleistift.
00:05:01: Jule sagte am Ende ihrer Rede, er sei ein guter Bleistift gewesen obwohl wir seinen Kopf abgekaut hätten.
00:05:08: Manchmal stand eine von uns zwischendurch auf weil wir Durst hatten oder meine Tante uns rief.
00:05:13: Die andere musste liegen bleiben bis sie zurück kam.
00:05:17: Einmal blieb ich mit meinem Becher auf der Terrasse sitzen wo meine tante Erdbeeren putzte und mir die Kleinen gab die sie nicht mehr auf den Kuchen legen wollte.
00:05:25: Als sich zurückkam lag Jule noch immer im Gras.
00:05:28: Die war wütend und erklärte mir, dass ich sie nicht einfach allein lassen durfte.
00:05:33: Danach brachte ich ihr den Saft mit.
00:05:36: Zum Aufwecken legte sie manchmal ihren kleinen Finger an meinen Und wartete bis ich ihn bewegte.
00:05:41: Ich ließ mich damit Zeit wenn ich wusste das sie neben mir saß.
00:05:44: An diese Dinge erinnerte ich mich kaum dass sich wieder in dem Zimmer saß An Julius Galvest-Kleid, das hinten ein wenig zu kurz geworden war, ihre dreckigen Knie den Himbeersaft in Plastikbechern und unsere Schuhe die wir am Rand des Gartens ordentlich nebeneinander stellten.
00:06:00: Ich wusste noch wie frisch gemähtes Gras an nacktem Fußsohn kratzte und dass meine Tante jedes Mal schimpfte wenn mir danach Erde ins Haus trugen.
00:06:07: An dem letzten Nachmittag kam ich nicht so leicht heran.
00:06:12: Die stand auf und begann mit dem Bücherregal.
00:06:14: Kochzeitschriften konnten weg – die alten Fernsehzeitungen auch!
00:06:19: Bei den Atlanten war ich unsicher.
00:06:21: Ich stellte sie auf einen eigenen Stapel, obwohl ich nicht wusste wozu ich einen davon brauchen sollte.
00:06:26: Als sich ein besonders schweren Band heraus zurück kippte der daneben um.
00:06:31: Kielt ihn fest und sah durch die Lücke wieder in den Garten.
00:06:34: Dort lag Jule in meiner Erinnerung im gelben Kleid, die nackten Füße vom Gras schmutzig, die Hände ordentlich auf den Bauch.
00:06:41: An dem Tag war sie im Schlaf gestorben.
00:06:44: Wir hatten schon mehrere Nachmittage mit Krankheiten, Unfällen und vermutlich einigen Morden verbracht.
00:06:49: Allmählich gingen uns die Todesursachen aus.
00:06:52: Ich hielt eine Grabrede an die ich mich nicht mehr erinnere und legte mich neben sie.
00:06:57: Das machten wir manchmal wenn die eigentliche Beerdigung vorbei war.
00:07:00: Dann waren beide tot bis einer die Augen öffnete und die andere weckte.
00:07:05: Ich hatte zuerst die Augen geöffnet.
00:07:07: Jule lag da wie vorher.
00:07:09: Ich dachte, sie wolle mich ärgern oder gewinnen, obwohl wir nie festgelegt hatten wie man beim Tod sein Gewinn konnte.
00:07:15: Ich sagte die Beerdigung sei vorbei und als ich nicht reagierte noch einmal.
00:07:20: Dann wartete ich.
00:07:22: Es passte zu ihr eine Regel so lange auszureizen bis sich genervt war.
00:07:27: Irgendwann berührte ich ihre Hand.
00:07:30: Danach sind es nur noch einzelne Dinge an die ich mich erinnere.
00:07:33: Meine Tante kam durch den Garten und wurde auf den letzten Metern sehr schnell.
00:07:37: Jemand schickte mich ins Haus, vom Sofa aussah ich durch die Terrassentür.
00:07:41: Beine im Garten erst zwei später mehr.
00:07:44: Die Menschen darüber konnte ich nicht sehen.
00:07:47: Irgendwann stand meine Tante in der Küche und telefonierte mit dem Rücken zu mir.
00:07:51: Ich dachte sie spreche besonders leise.
00:07:54: Erst viel später verstand ich dass sie beim Reden versuchte nicht hörbar zu weinen.
00:08:00: Den Weg zum Haus konnte ich mir noch immer genau vorstellen.
00:08:06: Später versuchte ich oft mich daran zu erinnern, ob ich Jule gesagt hatte dass sich gleich wieder käme.
00:08:11: Ich wusste es nicht mehr.
00:08:13: Jule starb an diesem Nachmittag.
00:08:15: Meine Mutter erklärte mir später das sie eine Herzrhythmusstörung gehabt hat von der niemand etwas wusste.
00:08:21: Es hätte beim Rennen passieren können Im Frühstück oder nachts im Bett.
00:08:25: Das sie ausgerechnet dort mit einem unserem Spiel gestorben war hatte Medizinich nichts zu bedeuten.
00:08:31: Diesen Satz hörte ich mehr als einmal, vermutlich weil die Erwachsenen merkten dass sich ihnen verstand und trotzdem nichts damit anfangen konnte.
00:08:38: Wir hatten uns hingelegt und totgestellt wie in vielen Nachmittagen zuvor.
00:08:43: Sonst sagte irgendwann einer von uns Beerdigung vorbei und dann standen wir auf klopften uns das Gras von den Kleidern und machten etwas anderes.
00:08:51: An diesem Tag hatte ich die Worte gesagt aber nur eine von uns war wieder aufgestanden.
00:08:56: Das zwischen unserem Spiel und Julius Herz keinerlei Zusammenhang bestand konnte ich irgendwann glauben Und dass beides im selben Augenblick passiert war, ließ ich damit nicht wegmachen.
00:09:07: Danach wollte ich nicht mehr zu meiner Tante.
00:09:09: Erst weinte ich, wenn meine Eltern davon sprachen, später er fand ich andere Gründe und irgendwann musste ich keine mehr erfinden.
00:09:16: Meine Tante kam zu uns – Ich wurde älter und allmählich verschwand das Haus mit seinem Garten aus meinem Leben.
00:09:23: Als ich wieder ins Zimmer sah, kielte ich noch immer den Atlas fest.
00:09:26: Ich wusste nicht wie lange ich so gestanden hatte.
00:09:29: Draußen lag der Garten unverändert hinter der Scheibe nur das Licht war weitergewandert.
00:09:33: Ich stellte das Buch zu den anderen auf dem Boden und ging hinaus.
00:09:37: Der Weg zur Senke war fast vollständig mit Gras überwachsen, vor den Stöcken die wir früher als Grabmarkierungen benutzt hatten waren nichts mehr übrig.
00:09:44: Ich ging in die Hocke und strich mit der Hand etwas Gras zur Seite obwohl ich nicht wusste wo nach ich suchte.
00:09:50: Vielleicht nach einem Stück Pappe irgendeinem kleinen Gegenstand der mir bewies dass wir wirklich hier gespielt hatten und ich den Ort nicht nur mit den Jahren immer genauer erfunden hatte.
00:10:00: Jule war natürlich nicht hier begraben worden.
00:10:02: Ich kannte ihr richtiges Grab und war als Kind mit meinen Eltern dort gewesen.
00:10:06: Zwei Mal, soweit ich mich erinnerte?
00:10:09: Dort hatte ein Stein gestanden auf dem ihr Name zwei Jahreszahlen und einen Spruch eingraviert waren den ich schon damals nicht verstand.
00:10:16: Erwachsene brachten Blumen mit und standen davor als wer genau dieser Fleck nun der Ort an dem Juli hingehörte.
00:10:23: Für mich war sie dort nie gewesen.
00:10:25: Wenn ich an ihren Tod dachte, sah ich weder Grabstein noch Friedhof sondern diese Senke die Apfelbäume und das gelbe Kleid im Kras.
00:10:34: Ich setzte mich.
00:10:35: Vor dir unten war das Haus kaum zu sehen, die Sträucher verdeckten einen Teil der Terrasse, dahinter ragte nur das obere Stück des Küchenfensters hervor.
00:10:44: Als Kinder hat mir genau das gemocht, weil meine Tante uns nicht mehr im Blick hatte sobald wir tief genug in der Senke saßen.
00:10:50: Wahrscheinlich hatte sie uns trotzdem gesehen.
00:10:51: Erwachsene behaupten nur manchmal etwas nicht mitzubekommen wenn sie ihre Ruhe haben wollen.
00:10:57: Ich blieb eine Weile dort und erwartete nichts Bestimmtes.
00:11:00: Nach der Erinnerung an Julius Tod war mir der Garten zunächst fremder vorgekommen, aber je länger ich saß, desto mehr kamen wieder die gewöhnlichen Dinge zurück.
00:11:07: Die rauere Rinde des Apfelbaums hinter mir, kleine braune Blätter im Gras – Der Geruch feuchter Erde.
00:11:14: Irgendwo sumpt er einen Sekt.
00:11:15: Vom Nachbargrundstück hörte ich Geschirrklappern und eine Stimme ohne die Worte verstehen zu können.
00:11:21: Der Fleck an dem Jule gelegen hatte ließ sich nicht mehr bestimmen.
00:11:25: Als Kind war ich sicher gewesen ihn immer
00:11:27: wiederzufinden.".
00:11:29: Jetzt hätte ich nicht sagen können, ob es links von mir gewesen war oder näher am Baum.
00:11:34: Dreißig Jahre Gras, Regen und Herbstlaub hatten sich darüber gelegt – und vielleicht war das ganz gut so!
00:11:40: Ich stand schließlich auf und ging zurück zum Haus.
00:11:42: Erst auf der Terrasse bemerkte ich meine Schuhe.
00:11:45: Sie standen auf der untersten Stufe ordentlich nebeneinander die Spitzen zum Garten gerichtet.
00:11:51: Ich sah an mir hinunter.
00:11:52: Meine Füße waren dunkel.
00:11:53: vom nassen Gras.
00:11:55: An der rechten Ferse gläbte Erde Zwischen zwei Zehen ein dünner Halm.
00:12:00: Ich versuchte mich zu erinnern, wann ich die Schuhe ausgezogen hatte.
00:12:03: Auf dem Weg zur Senke?
00:12:04: Bereits an der Hintertür?
00:12:06: Einen Moment lang glaubte ich noch zu wissen wie ich mit den Sohlen über die feuchten Blatten gegangen war aber je genauer ich diesen Gedanken berufte desto weniger blieb davon übrig.
00:12:16: Seit meiner Ankunft hatte ich Dinge abgestellt und später gesucht, war in Zimmer gegangen und hatte vergessen was ich dort wollte und mehrmals länger auf einen Gegenstand gesehen weil er eine Erinnerung hervorgeholt hat, die mir meine eigentlichen Arbeit nichts zu tun hatte.
00:12:30: Ich konnte gut auf der Terrasse die Schuhe abgestreift haben, ohne darauf zu achten.
00:12:35: Vielleicht war es eine alte Gewohnheit?
00:12:37: Am Morgen hatte ich auch die Haustür richtig aufgemacht bevor man wieder eingefallen war wie es ging.
00:12:42: Trotzdem blieb ich vor den Schuhen stehen.
00:12:44: Genau dort hatten früher unsere Schuher gestanden Beide Paare nebeneinander, bevor wir zur Beerdigung in den Garten ging Zog sie wieder an und ging hinein.
00:12:54: Den Nachmittag verbrachte ich mit Dingen, die sich leichter sortieren ließen.
00:12:58: In einer Küchenschublade lagen Gummibänder, abgelaufene Gutscheine und Kugelschreiber von denen fast keiner mehr schrieb.
00:13:05: Unter einem Stapelrechnungen fand ich einen Einkaufszettel meiner Tante – Milch, Kartoffeln, Müllbeute, Katzenfutter!
00:13:12: Den letzten Punkt hatte sie durchgestrichen.
00:13:16: Das musste Jahre her sein denn eine Katze hat es schon lange nicht mehr gegeben.
00:13:20: Pielte den Zettel in der Hand und legte ihn schließlich zu den anderen Papieren auf dem Boden.
00:13:25: Ich wollte ihn nicht wegwerfen, wusste aber auch nicht ob ich ihn behalten würde.
00:13:29: Zwischen den Kartons entstand eine vierte Kategorie für die die Maglerinnen keinen Namen vorgesehen hatte.
00:13:34: In einem Schrank lagen so viele Tischdecken dass ich nicht wusste wann meine Tante sie alle gebraucht haben sollte.
00:13:40: Ich fand Knöpfe alter Batterien zwei Taschenlampen und eine Schachtel Geburtstagskerzen Die vermutlich noch aus meiner Kindheit stammte... ...die Arbeit half!
00:13:50: Ich musste immer nur über die Sachen entscheiden die ich gerade in der Hand hielt.
00:13:53: Und gleich darauf kam die nächste.
00:13:55: Zwei Säcke mit Kleidung stellte ich in den Flur, drei Kartons ins Wohnzimmer.
00:13:59: Einen Stapelhandtücher brachte ich nach oben.
00:14:03: Gegen fünf druck ich einen weiteren Stapelsortreppe.
00:14:05: Ich legte die Handtüche auf die Kommode und ging in den Keller um nach Bettwäsche zu sehen, die ich mitnehmen konnte.
00:14:12: Die Stufen knarten noch an denselben Stellen.
00:14:14: Unten hingen die alte Lampe mit der Zugschnur und nachdem sie zweimal geflackert hatte blieb das Licht an.
00:14:20: Viel hatte sich im Keller nicht verändert.
00:14:22: An der Wand standen Farbdosen und leere Einmachtgläser, daneben der Wächeständer mit dem gebrochenen Gelenk.
00:14:28: Der Holzstuhl, den schon früher eine Strebe gefehlt hatte, war inzwischen so grau vor Staub das ich nicht verstand, warum meine Tante überhaupt noch aufgehoben hat.
00:14:37: An der Rückwand stand die helle Holztruhe, in der man eine tante früher Bettzeug- und dickere Decken verstaut hatte.
00:14:43: Wenn Jule und ich im Garten schlafen durften, mussten wir sie von hier holen und hinterher wieder ordentlich zusammenlegen – was meistens meine Tante erledigte weil unsere Vorstellung von ordentlich offenbar nicht mit ihrer übereinstimmte.
00:14:55: Ich öffnete die Drohe.
00:14:57: Zwischen Handtüchern und Bettwäsche lagen kleine Lavendelsäckchen.
00:15:01: Wenn ich sie direkt an die Nase hielt rochen sie noch.
00:15:05: Unter den Decken fand ich einen Pullover aus dem ich längst herausgewachsen war eine Blechtose mit Wunschdriften und den Stoffhund dessen rechtes Ohr ich selbst wieder angeneht hatte.
00:15:14: Daneben lag ein kleiner Stoffbeutel mit einer aufgestickten Sonnenblume.
00:15:19: Ich wusste sofort, wem er gehört hatte!
00:15:21: Eine Zeit lang hatte Julien überall mit hingenommen.
00:15:24: Darin sammelte sie Steine, Bombo-Papier, Murmeln, leere Schneckenhäuser und einmal einen toten Käfer den meine Tante erst nach mehreren Tagen bemerkte.
00:15:34: Auch an den Milchzahn hat er sie darin aufbewahrt, den Sie auf dem Schulhof gefunden hatte – er war nicht von ihr.
00:15:40: Meine Tante wollte wissen, weshalb man einen fremden Zahn behielt?
00:15:44: Jule erklärte, dass er nun einmal niemand andere mehr gehörte.
00:15:48: Damit hielt sie die Frage für
00:15:49: beantwortet.".
00:15:51: Ich nahm den Beutel mit zur Kellerstufe und setzte mich.
00:15:54: Der Stoff war dünn geworden – die Sonnenblume an einigen Stellen fast verschwunden!
00:15:58: Als ich ihn auf meinem Schoß auslehrte kamen einen abgebrochener Bundsstift, ein glatter Kiesl und ein Herz für Mögerschlüsselanhänger aus Plastik heraus.
00:16:08: Das Herz war milchig und in einer Ecke gesprungen.
00:16:11: Dazwischen lag ein kleines Stück Pappe mit meinem Namen einer unserer Grabsteine.
00:16:16: Jule hatte das Tee viel zu groß geschrieben und die übrigen Buchstaben daneben zusammengedrängt.
00:16:21: Das untere Ende war geknickt.
00:16:24: Ich erinnerte mich, wie sie versucht hatte, die Pappe in die trockene Erde zu drücken und sie ihr dabei umgebogen war.
00:16:30: Den Milchzahn gab es nicht mehr.
00:16:33: Unter den anderen Dingen lag ein mehrfach gefaltetes Blatt Papier.
00:16:37: Oben stand in Julius großen Buchstaben Regeln für Tod sein.
00:16:42: Ich musste schon lächeln bevor ich weiter las.
00:16:44: Natürlich hatte es Regeln gegeben, bei Jule hat er alles regeln.
00:16:48: Die ersten vier kannte ich noch.
00:16:51: Schuhe aus Augen zu Nicht lachen nicht reden wenn man tot ist.
00:16:56: Der fünfte Satz war länger als die anderen und zweimal mit rosa Filzstift unterstrichen Wer zuerst aufwacht muss auf den Anderen warten.
00:17:05: Meine Tante hatte den Beutel offenbar zusammen mit meinen alten Sachen aufgehoben.
00:17:09: Ich legte das Blatt neben den Papgrabstein auf mein Knie und sammel die Buchstaben an.
00:17:15: Manche Wörter standen so dicht am Rand, dass ich das Papier drehen musste.
00:17:19: Oben im Wohnzimmer hatte ich mich schon an den Nachmittag mit den Erdbeeren erinnert – jetzt fiel mir ein, daß sich zuerst gelacht hatte als ich zurückkam und Jule noch immer im Gras lag!
00:17:29: Ich nahm den Stein und drehte ihn zwischen meinen Fingern.
00:17:33: Ich wusste nicht mehr ob ich ihn je gesehen hatte.
00:17:36: Mit dem Plastikherz ging es mir genauso.
00:17:39: Nur den Bundstift glaubte ich zu erkennen.
00:17:41: Vielleicht weil fast alles was Juli schrieb irgendwann Rosa gewesen war?
00:17:46: Ich faltete das Platz zusammen und öffnete es wieder, noch bevor ich damit fertig war.
00:17:52: An unserem letzten Nachmittag hatten wir beide in der Senke gelegen.
00:17:56: Ich hatte zuerst die Augen geöffnet, Jule angesprochen und ihre Hand berührt.
00:18:00: Dann war ich aufgestanden – natürlich war ich das!
00:18:03: Ich hatte gemerkt, dass etwas nicht stimmte und meine Tante geholt.
00:18:07: Auch mit acht Jahren hatte ich gewusst, dass ich Hilfe brauchte.
00:18:10: Trotzdem verstand ich was ich damals aus dieser Regel gemacht haben musste.
00:18:14: Ich saß auf der Kellerstufe und wusste, dass der Gedanke Unsinn war.
00:18:22: Niemand hatte mir vorgeworfen Jule allein gelassen zu haben, weder meine Tante noch meiner Eltern.
00:18:27: Ich hatte Hilfe geholt – meine Tantin war sofort zu ihr gelaufen!
00:18:31: Aber wenn ich mich erinnerte, rannte ich noch immer zum Haus während Jule hinter mir im Gras lag... ...ich hatte nie gewusst was ich mit diesem Bild anfangen sollte.
00:18:40: Ich ließ das Papier auf meinen Knie liegen….
00:18:42: die Kellerlampe summte und irgendwo über mir im Haus knackte
00:18:45: es.".
00:18:46: Wahrscheinlich arbeitete das Holz, weil es kühler wurde.
00:18:49: Dann steckte ich die Regeln zurück in den Beutel zusammen mit dem Stein, dem Bunnstift, dem Plastikherz und dem Pappkrabstein und ging nach oben.
00:18:57: An dem Abend arbeitete ich kaum noch.
00:19:00: Ich machte mir etwas zu essen und stellte den Fernseher an, konnte aber später nicht sagen was gelaufen war.
00:19:06: Iulis Beutell lag neben mir auf dem Tüch.
00:19:08: Zweimal suchte ich auf dem Handy nach Hotels in der Umgebung und legte es wieder weg bevor ich eines auswählte.
00:19:15: Ich konnte nicht einmal sagen, weshalb ich fahren wollte.
00:19:18: Die Schuhe konnte ich selbst auf die Stufe gestellt haben.
00:19:21: Im Keller habe ich alte Spielregeln gefunden – das war alles!
00:19:25: Gegen zehn nahm mich den Stoffbeutel in die Hand.
00:19:27: Ich wusste nicht genau was ich vorhatte.
00:19:29: Ich wollte Juli nicht rufen und glaubte auch nicht dass seit dreißig Jahren etwas im Garten darauf wartete ob ich mich an eine Regel hielt.
00:19:36: Vielleicht wollte ich noch einmal dort liegen diesmal bleiben auch wenn die Erinnerung unangenehm wurde Als könnte ich dem Kind, das sich damals gewesen war einen anderen letzten Nachmittag geben.
00:19:48: Auf der Terrasse zog ich die Schuhe aus und stellte sie nebeneinander auf die unterste Stufe.
00:19:53: Diesmal wusste ich genau dass ich es tat.
00:19:56: Das Gras war kalt unter meinen Füßen, feuchter als am Nachmittage und auf den ersten Metern bereute ich bereits die Schuh ausgezogen zu haben.
00:20:04: Hinter den Hecken brannten in einigen Häusern noch Lichter.
00:20:07: Irgendwo lief ein Fernseher auf der Straße vor ein Auto vorbei und aus einem Garten weiter hinten hörte ich kurz eine Tür schlagen.
00:20:14: Nichts an dieser Nacht war besonders still oder abgelegen, vielleicht gefiel mir genau das – Ich wollte keinen Ort betreten, an dem etwas Übernatürliches geschehen könnte!
00:20:24: Ich wollte in denselben ungepflegten Garten gehen, indem zwei Kinder einmal beschlossen hatten, dass Tote keine Schuhe brauchten.
00:20:31: Im Dunkeln fand ich die Senke nur bei der Boden zwischen den Sträuchern abvielen.
00:20:35: Ich setzte mich ins Gras und legte Julius Beutel neben mich.
00:20:39: Eine Weile blieb ich so sitzen, der Satz auf ihrem Blatt hatte mich den ganzen Abend beschäftigt.
00:20:44: aber hier draußen fiel es mir schwer zu sagen was sich von ihm erwartet hat.
00:20:48: Ein achtjähriges Mädchen hatte ihn mit rosa Filtschrift aufgeschrieben.
00:20:52: Ich dachte an Jule ohne nach dem letzten Nachmittag zu suchen.
00:20:56: Der kam oft genug von allein!
00:20:58: Ich erinnerte mich an die Himbeerkönigin Den fremden Milchzaan Und daran wie sie beim Lachen die Nase hoch zog.
00:21:05: Sie rannte fast immer, wenn wir in den Garten gingen.
00:21:07: Auch wenn niemand mit ihr um die Wette lief und beim Essen hielt sie kaum je beide Füße still.
00:21:12: Ich wusste erst alles noch.
00:21:13: Trotzdem hatte sie in meiner Erinnerung seit Jahrzehnten hauptsächlich gelegen.
00:21:18: Jetzt zeigte ich sie wieder auf der Terrasse mit dem Himbeersaft an beiden Händen und dem Fuß, der unter dem Stuhl wippte.
00:21:24: Ich hörte sie schimpfen, weil ich beim Tod seinen geschieelt hatte und erinnerte mich wie ernst sie ihre Grabreden nahm auch wenn wir nur einen Käfer oder einen abgekauten Bleistift
00:21:33: beerdigten.".
00:21:34: Das gelbe Kleid im Gras sah ich noch immer, aber daneben war wieder Platz für diese anderen Nachmittage.
00:21:40: Vielleicht war ich dafür nochmal hergekommen?
00:21:44: Ich legte mich auf den Rücken.
00:21:46: Die Erde war härter als ich sie aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte und die Feuchtigkeit zog fast sofort durch die Kleidung – irgendwas krabbelt über meinen Knöchel!
00:21:54: Ich widerstand den Impuls danach zu schlagen und musste daran denken wie Jule einmal minutenlang eine Ameise über den Hals hatte laufen lassen nur weil sie sich weigerte eine Beerdigung vorzeitig zu
00:22:04: beenden.".
00:22:06: Über mir war zwischen den Ästen kaum Himmel zu sehen.
00:22:09: Ein Flugzeug zog irgendwo hinter den Wolken vorbei, später bellte ein Hund zweimal und aus dem Haus der Nachbarn dran gedämpft Musik durch ein geöffnetes Fenster.
00:22:19: Nach einigen Minuten begann mein Nacken zu schmerzen – mein linker Arm lag ungünstig die rechte Schulter wurde kalt vom feuchten Boden und ich kam hier zunehmend albern vor.
00:22:29: Ich war erwachsen, meine Tante war tot.
00:22:31: Jule seit mehr als dreißig Jahren ebenfalls und ich lag mitten in der Nacht barfuß im Garten weil ich eine Spielregel gefunden hatte die wir als Kinder aufgeschrieben hatten.
00:22:50: bis ich nicht mehr dauernd etwas tun wollte.
00:23:03: Nach einer Weile achtete ich nicht auf meinen Atem.
00:23:06: Aus den Nachbauhäusern war weniger zu hören, ein Auto fuhr vorbei, danach längere Zeit keines mehr.
00:23:13: Das erste Raschel in rechts von mir nahm ich kaum wahr.
00:23:16: Ein paar Halme bewegten sich – vielleicht war ein Tier hindurch gelaufen oder einen Luftzug darüber gegangen und dann war es ruhig.
00:23:24: Einige Zeit später hörte ich es wieder, diesmal näher.
00:23:26: so kam es mir jedenfalls vor!
00:23:29: Ich hatte nicht sagen können woran ich das fest machte.
00:23:31: Es waren keine Schritte, nichts Schweres bewegte sich durchs Gras.
00:23:35: Die Halme riemen aneinander und waren wieder still.
00:23:38: Ich wartete darauf, dass es noch einmal raschelte und ärgerte mich über mich selbst.
00:23:43: Sobald ich lauschte, hörte ich Abstände und Richtungen heraus, glaubte Wiederholung zu erkennen.
00:23:48: Wahrscheinlich lief einfach irgendwo eine Maus durch das Gras!
00:23:52: Dann raschelt er es noch mal unmittelbar neben mir... ...und hörte auf.
00:23:57: Ich merkte, daß ich die Luft angehalten hatte und atmete langsam aus.
00:24:01: Sofort lag Gule wieder an meinem Gedanken neben mir, still in ihrem gelben Kleid.
00:24:05: Ich versuchte mich an die Terrasse zu erinnern, an ihren Himbeersaft und den fremden Milchzahn.
00:24:11: Ich wollte sie so vor mir sehen wie vorhin – für ein paar Sekunden ging es!
00:24:15: Dann spürte ich etwas am kleinen Fingermann der rechten Hand.
00:24:19: Es hätte ein Halb sein können, der gegen die Haut drückt.
00:24:22: Ich hielt ihr Hand still.
00:24:24: Nach einigen Sekunden war der Druck weg, dann spürt ich ihn wieder —so schwach dass sich schon daran zweifelte während er noch da
00:24:30: war.".
00:24:30: Vielleicht wartet ich nur so sehr auf eine Berührung, dass sie es sie fühlte.
00:24:36: So hatte Julie ihren Fingern neben meinen gelegt wenn die mich aufwecken wollte.
00:24:41: Sie hat nie an meine Hand gezogen.
00:24:43: Manchmal hatte ich Ihren Himbeersaft schon riechen können bevor ich die Augen öffnete.
00:24:47: Damals hatte ich zuerst die Augen geöffnet Diesmal ließ ich sie zu.
00:24:51: Irgendwann muss sich eingeschlafen sein.
00:24:55: Als ich wieder aufwachte war der himmelhell grau und mein ganzer Körper kalt.
00:24:59: Die Kleidung war vom Tau feucht, mein Rücken schmerzte und als ich den Kopf drehen wollte zog es unangenehm bis in die Schulter.
00:25:06: Für einige Sekunden wusste ich nicht weshalb ich im Gras lag.
00:25:08: Dann erkannte ich über mir die Äste des Apfelbaums und erinnerte mich an den Abend.
00:25:14: Rechts von mir war das Gras niedergedrückt Eine längliche flachere Stelle, die etwa auf derselben Höhe endete wie meine eigene.
00:25:23: Einen Kopf konnte ich darin nicht erkennen auch keine Arme oder Beine.
00:25:28: Ich blieb noch liegen und sah hin bevor ich mich aufsetzte.
00:25:31: Julius Stoffbeutel lag zwischen den beiden Mulden.
00:25:34: Ich war mir ziemlich sicher, ihn neben meinen Kopf gelegt zu haben – allerdings hätte ich auch nicht erwartet nach einer Nacht im Freien einen völlig tauben linken Arm zu haben!
00:25:42: Ich konnte mich ums Schlaf verwegt und dabei den Beutel verschoben haben.
00:25:46: Ich sah mir die Stelle an und fand für alles eine Erklärung ohne lange suchen zu müssen.
00:25:51: Ich nahm den Beutele und ging zurück zum Haus.
00:25:54: Meine Schuhe standen auf der untersten Terrassenstufe wo ich sie abgestellt hatte.
00:25:58: Ich nahm sie mit hinein und ließ im Bad warmes Wasser über meine Füße laufen.
00:26:01: Dann zog ich trockene Sachen an, ging in die Küche um Wasser aufzusetzen.
00:26:07: Ich lärte den Beutel auf dem Tisch aus.
00:26:10: Der Stein rollte vom gefalteten Regelblatt herunter – ich hielt ihn auf und schob den Pappkrabstein unter das Plastikherz, damit er flach lag!
00:26:17: Mein Name war noch immer zwischen das große Tee und den rechten Rand gezwängt.
00:26:22: Ich goss mir Tee auf und hielt die Tasse mit beiden Händen fest.
00:26:26: Die Wärme tat an den Fingern fast weh….
00:26:28: Eine Weile blieb ich so sitzen.
00:26:30: Im Flur standen die Säcke mit Kleidung, im Wohnzimmer die Kartons.
00:26:33: auf dem Tisch lag noch der Einkaufszettel meiner Tante den ich keiner der drei Kategorien zugeordnet hatte.
00:26:39: Das Haus muss weiter ausgeräumt werden sowie am Tag zuvor Aus dem Garten hörte ich nichts.
00:26:45: Als ich den Tee ausgetrunken hatte legte ich Julis Sachen zurück in den Beutel.
00:26:49: Später packte ich meine Tasche ins Auto.
00:26:51: Ich würde wiederkommen müssen.
00:26:53: das Schlafzimmer war kaum angerührt und auch im Keller stand noch genug um mehrere Nachmittage damit zu verbringen.
00:26:59: Julius Beutel nahm ich trotzdem mit.
00:27:01: Das Haus würde verkauft werden, irgendwann würden fremde Menschen die Tapeter abziehen, Möbel aufstellen und wahrscheinlich das hohe Gras mähen.
00:27:09: Vielleicht würden sie auch die Senke zwischen den Sträuchern auffüllen ohne je zu wissen dass zwei Kinder dort einmal einen Friedhof angelegt hatten auf dem niemand begraben lag.
00:27:18: Bevor ich einstieg ging ich noch einmal hinter das Haus.
00:27:21: von der Terrasse aus sah ich die beiden flachen Stellen im Gras.
00:27:24: meiner war breiter geworden.
00:27:25: vermutlich hatte ich mich im schlaf bewegt.
00:27:28: Die zweite konnte ich von hier aus weniger deutlich erkennen als noch am Morgen.
00:27:32: Ich sah eine Weile hin.
00:27:33: Erst beim Zurückgehen merkte ich, dass sich auf etwas gewartet hatte das mir sagte was in der Nacht gewesen war.
00:27:39: Es kam nichts.
00:27:41: Meine Schuhe behielt dich an.
00:27:43: Judas Beutel lag auf dem Beifahrersitz.
00:27:45: Ich setzte mich hinter das Steuer und strich mit den Daumen über die ausgeglichene Sonnenblume.
00:27:49: Dreißig Jahre lang war mir bei ihrem Namen zuerst das Mädchen im Gras eingefallen.
00:27:55: Jetzt sah ich wieder wie sie auf der Terrasse saß und mit dem Fuß wippte.
00:27:59: Vielleicht genügte das.
00:28:00: Es war mehr, als ich beim Herkommen erwartet
00:28:02: hatte.".
00:28:03: Ich nehm dich mit", sagte ich leise und ließ die Hand noch einen Moment auf dem Stoff fliegen.
00:28:08: Ich startete den Motor und fuhr vom Grundstück.
00:28:11: Im Rückspiegel sah ich das Haus bis zur nächsten Kurve – erst ganz stand nur noch das Dach zwischen den Bäumen.
00:28:17: Ich sah länger hin, als nötig gewesen wäre ….
00:28:20: Als die Straße abhook verschwand es!
00:28:23: Der Stoffbeutel lag still neben mir auf dem Sitz.
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