#051: Elmer McCurdy - Die Leiche im Geisterhaus

Shownotes

🎧 Worum geht’s in dieser Folge?

Im Dezember 1976 will eine Fernsehcrew eine alte Geisterbahnfigur versetzen. Dabei bricht ein Arm ab und unter der bemalten Oberfläche kommt menschlicher Knochen zum Vorschein. Wie ist ein echter Leichnam in einem Vergnügungspark in Long Beach gelandet?

Die Antwort führt zurück ins Oklahoma des Jahres 1911. Wir begleiten den wenig erfolgreichen Zugräuber Elmer McCurdy durch seine erstaunliche zweite Karriere: vom Bestattungsinstitut über amerikanische Carnivals und Kuriositätenkabinette bis in die Filmindustrie. Svea erklärt, warum menschliche Körper überhaupt als Unterhaltungsattraktionen ausgestellt wurden. Außerdem rekonstruieren wir, wie Gerichtsmediziner einem Mann seinen Namen zurückgaben, der jahrzehntelang unter wechselnden Identitäten durch Amerika gereist war.

⏱ Kapitel

(00:00:00) Opening: Der Mann am Galgen

(00:02:10) Intro & Begrüßung

(00:05:16) Elmer McCurdy – Karriere mit überschaubarem Erfolg

(00:13:36) Der letzte Überfall

(00:19:48) Der Tote an der Kasse

(00:25:43) Wenn Tote zur Attraktion werden

(00:35:59) Elmer geht auf Tour

(00:44:43) Vom Menschen zur Requisite

(00:52:26) Das ist kein Dummy

(00:58:19) Endstation Guthrie

(01:01:06) Talk

(01:04:08) Obscura Rewind

(01:05:47) Ein Name im Stein

📚 Quellen & Literatur

  • Basgall, Richard J. (1989): The Career of Elmer McCurdy, Deceased: An Historical Mystery. Dodge City: Trail's End Publishing.

  • Bogdan, Robert (1988): Freak Show: Presenting Human Oddities for Amusement and Profit. Chicago: University of Chicago Press.

  • Brenner, Erich (2014): „Human body preservation – old and new techniques“. Journal of Anatomy, 224(3), S. 316–344.

  • Dennett, Andrea Stulman (1997): Weird and Wonderful: The Dime Museum in America. New York: New York University Press.

  • Dowd, Katie (2021, aktualisiert 2022): „The unbelievable true story of the real body found in a California funhouse“. SFGATE.

  • Harvey, Steve (2011): „Inept train robber had an unimpressive life but a celebrated afterlife“. Los Angeles Times, 3. Juli 2011.

  • Kastner, Charles B. (2007): Bunion Derby: The 1928 Footrace Across America. Albuquerque: University of New Mexico Press.

  • Library of Congress: Today in History: July 5. Historisches Material zu P. T. Barnum und seinem American Museum.

  • Long, Claude (1977): „McCurdy Elmer / Burial of the Outlaws Body into Boot Hill Grave in Guthrie, O.K.“. Historische Fotografie vom 22. April 1977, Oklahoma Historical Society.

  • Ponti, Crystal (2025): „The Dead Outlaw Whose Mummy Became a Traveling Show Prop“. HISTORY.

  • Snow, Clyde (1979): „The Life and Afterlife of Elmer J. McCurdy, a Melodrama in Two Acts“. Clinical Toxicology, 14(1), S. 123–131.

  • Svenvold, Mark (2002): Elmer McCurdy: The Life and Afterlife of an American Outlaw. New York: Basic Books.

  • Waldie, D. J. (2017): „A Walk Along Long Beach’s Gaudy, Tawdry, Bawdy Pike“. PBS SoCal, 8. Februar 2017.

  • Wolfe, S. J., und Robert Singerman (2009): Mummies in Nineteenth Century America: Ancient Egyptians as Artifacts. Jefferson, NC: McFarland.

  • Wright, James R., Jr. (2018): „How the public autopsy of a slave Joice Heth launched P. T. Barnum's career as the Greatest Showman on Earth“. Clinical Anatomy, 31(7), S. 956–965.

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🎙️ Hosts: Svea & Tim

Transkript anzeigen

00:00:03: Auf dem Gelände des Vergnügungsparks The Pike laufen Dreharbeiten für die Fernsehserie «The Six Million Dollar Man».

00:00:17: Eine Folge soll auf einem Jahrmarkt spielen.

00:00:20: Der Ort eignet sich unfassbar gut dafür, Pfarrgeschäfte buden, Kulissen und eine Gruselattraktion namens «Lev in the Dark».

00:00:30: Drinnen hängt und steht das übliche Personal solcher Einrichtungen herum.

00:00:35: Skelette, Monster, künstliche Leichen also eben diese Dinger die im Dunkeln möglichst überzeugend aussehen sollen und bei eingeschaltetem Arbeitslicht nichts weiter sind als langweiliges Plastik.

00:00:47: Eine der Figuren hängt an einem Galgen.

00:00:50: ein ausgetrockneter Cowboy mit wachsartiger Haut grell bemalt und wenn man ihn so sieht vermutlich fast Gründungsmitglied der Kruselbelegschaft der hiesigen Geisterbahn.

00:01:00: Besonders hochwertig sieht er nicht aus.

00:01:02: Muss er schließlich auch nicht, er ist einfach nur ein kurzer Schocker in einem Geisterhaus.

00:01:08: Für die Dreharbeiten hängt der Cowboy allerdings im Weg.

00:01:11: Ein Mitarbeiter der Crew soll ihn deshalb versetzen greift nach dem Körper und versucht ihn vom Galben zu nehmen.

00:01:17: Die Figur ist erstaunlich leicht ziemlich steif aber das entfernen sollte nun auch kein allzu großer Aufwand sein.

00:01:24: Dann bricht einen Arm ab Ärgerlich.

00:01:27: irgendjemand muss das Ding später wieder ankleben.

00:01:30: Moment, die Bruchstelle sieht irgendwie merkwürdig aus.

00:01:35: Unter der bemalten harten Oberfläche steckt weder Draht noch Holz oder Kunststoff – da steckt tatsächlich ein Knochen!

00:01:43: Die unliebsame Requisite im Geisterhaus wird zum realen Horror.

00:01:47: Die Polizei wird verständigt, der Körper untersucht und nach kurzer Zeit steht fest, dass die Fernsehcrew gerade keine besonders realistische Geisterbahnfigur kaputt gemacht hat?

00:01:57: Der Mann am Galgen ist echt… Doch wer ist er?

00:02:01: Und warum?

00:02:02: zur Hölle hängt eine menschliche Leiche in einer Geisterbahn im Long Beach.

00:02:06: Willkommen bei Radio Obskura!

00:02:32: Schön, dass ihr eingeschaltet habt beim Podcast über Creatures Crime und Mystery.

00:02:36: Wir erzählen von Geschichte, Gegenwart- und Grenzbereichen Mal real mal unerklärlich

00:02:41: Vom Meeresgrund bis zu Umlaufbahnen vom Labor bis zur Legende.

00:02:44: wir fragen was passiert ist und was davon bleibt.

00:02:47: Wir sind Tim und Svea

00:02:48: Und heute begeben wir uns auf eine sonderbare Reise.

00:02:52: Ihr könnt euch auch auf eine sonderbare Reise begeben, nämlich in euren Handy-Prouser und zu unserer homepageradioobscura.de gehen oder auf unsere Instagram Seite.

00:03:00: Da gibt es wie immer ein paar Bilder!

00:03:01: Und ich glaube wir können uns alle darauf einigen dass die sonderbarste Reise der Welt, die von Radio Obscura nach Legoland war... ...oder meine vom Mars hierhin?

00:03:11: Ich habe ganz vergessen weiterhin zu etablieren, dass ich ein Marsmensch bin und das sich in einem riesigen Podcastpalast wohne.

00:03:17: Wir müssen unsere eigene Lore ein bisschen weiterbeachten.

00:03:20: hier dürfen nicht fallen lassen, sowas.

00:03:23: Aber heute geht es um was komplett anderes, weder um Plastiksteine noch um Mahresmenschen sondern einen sehr realen Menschen der irgendwann keiner mehr war quasi eine Mumie.

00:03:34: Hast du schon mal eine echte Mumie gesehen irgendwo?

00:03:36: Nee also ich habe auf jeden Fall schon mal in einem Museum wo auch irgendwie weiß ich gar nicht ob da auch so eine Mumientheile oder sowas ausgestellt war aber eine ganze Mumie nicht.

00:03:46: Wo war das denn nochmal?

00:03:48: Oder war es das Sauerland-Museum?

00:03:50: Da gibt's auch irgendwie so Nachstellungen.

00:03:52: Man kann jetzt nicht so weit zurückreichend, aber da gehts ja auch um die Andertale und so ... Ah, okay!

00:03:59: Ich hab immer nicht so ganz gerafft, warum das so ist.

00:04:01: Und was davon echt ist oder ich weiß nicht, war damals drei Zehne als ich da war.

00:04:05: Und du durchaus uninteressiert.

00:04:08: Ja, okay... Und du?

00:04:10: Ich habe den Ötzi gesehen.

00:04:11: Wirklich?!

00:04:12: Wo ist er denn?

00:04:13: In Bootsen in den Alpen Südtirol.

00:04:17: Können wir auch mal eine Folge zu machen?

00:04:19: Müssen wir mal schauen, ob die Geschichte des Ötzi überhaupt interessant genug ist für eine ganze Folge!

00:04:24: Aber er steht zumindest auf der Liste... weiß ich, ob da ein Creature oder ein Mystery-Fall ist, das weiß ich noch nicht.

00:04:30: Müssten wir mal schaun'n Oder fehlt ja auch ein Troop-Framefall.

00:04:34: Den Ötzie konnte man angucken im Museum, kann man wahrscheinlich immer noch anschauen und dann aber auch mal so... Da könnte ich absolut nicht sagen, ob es in Prag war irgendwo in Deutschland, in den Niederlanden oder in Italien auch so Mumien in so Gruften.

00:04:48: Da gibt es ja gerade in Italien zum Beispiel, in Palermo die Kapuziner-Gruft.

00:04:53: also ich habe schon ein paar Mumien gesehen.

00:04:56: Ich könnte jetzt aber nicht außer vom Ötzi sagen wo genau und welchen Kontext die exakt standen.

00:05:02: Aber ich meine da waren auch... Ja ich glaube das war auch eine Kinder-Mumie in irgendeiner Kirchengruft mit dabei.

00:05:07: Müssen Sie nochmal recherchieren?

00:05:08: Dann schneide ich das hier rein wenn ich's rausgefunden habe.

00:05:10: Das heißt wenn ihr nichts mehr hört außer die Story dann hab' ichs nicht rausgefundet weil er einfach zu faul.

00:05:17: Elmar McCurdy kommt am ersten Januar, in Washington im US-Bundesstaat Maine zur Welt.

00:05:25: Seine Mutter Augusta, genannt Sadie ist zu diesem Zeitpunkt siebzehn Jahre alt und unverheiratet.

00:05:31: Wer Elmas Vater ist können wir heute nicht mehr feststellen.

00:05:35: Marx Wenwald nennt in seiner Zwei-Tausend zwei erschienenen Mac Curdie Biografie Sadies Cousin Charles Smith als möglichen Vater was sich aber nicht so richtig belegen lässt.

00:05:45: So oder so Sadie war nicht verheiratet, was damals einem Stickmarg gleich kam.

00:05:51: Um Sadie genau das zu ersparen nimmt ihr Bruder George den Jungen auf und zieht ihn mit seiner Frau Helen auf.

00:05:57: Bereits in der Nacht nach dem George der Tuberkulose erlag zieht es die Familie nach Bangor.

00:06:03: Dort erfährt Elmer irgendwann auch die Wahrheit über seine Herkunft.

00:06:07: Die Frau, die er als Tante kennt ist eigentlich seine Mutter – umgekehrt!

00:06:12: Sven Bolt verbindet diese Offenbarung mit einer zunehmenden Rebellion Elmas und seinem späteren Alkohol-Konsum.

00:06:18: Was auf den ersten Blick nahezu schlüssig klingt, geben erhaltene Dokumente natürlich nicht als saubere Kausalkette her.

00:06:25: Worauf man sich einigen kann?

00:06:27: An einem zehnjährigen geht eine solche Erkenntnis sicherlich nicht gänzlich spurlos vorbei!

00:06:32: Zunächst zieht Elmas Leben ohnehin nicht so aus, als würde es einmal mit einem toten Cowboy in einer kalifornischen Geisterbahn enden.

00:06:40: McCurdy lernt das Klemmtner-Handwerk und arbeitet zeitweise offenbar recht zuverlässig.

00:06:45: Ende der Achtzehnhundert neunziger Jahre verliert er seine Stelle, neunzenhundert Sterben zu allem Überfluss innerhalb kurzer Zeit seiner Mutter und sein Großvater.

00:06:53: Danach beginnt eine Phase der Unbestimmtheit in der er immer wieder den Ort und den Beruf wechselt.

00:06:59: Er arbeitet mal als Klemmtener, versucht sich dann im Bergbau, zieht weiter nach Westen.

00:07:07: Sven Volt beschreibt für diese Jahre einen zunehmend problematischen Alkohol-Konsum.

00:07:11: Zumindest einmal wird dieser auch aktenkundig.

00:07:14: In den letzten Jahren nimmt die Polizei McCurdy in Iowa Kansas wegen öffentlicher Drunkenheit fest.

00:07:21: Abseits davon wirkt sein Leben zu dieser Zeit eigentlich alles andere als außergewöhnlich – er gehört zu den vielen Männern, die für Arbeit durch verschiedene Industrie und Bergbauregionen ziehen, einen Job finden, ihn wieder verlieren oder weiterziehen.

00:07:38: Es ist in seiner Biografie durchaus ein entscheidender Punkt, wenn gleich auch hiermit unter Legenden-Bildung stattfindet.

00:07:59: Sven Woldt führt dessen spätere Vorliebe für Nitroklyzerin bei Bank- und Zugüberfällen auf diese Ausbildung zurück.

00:08:06: Einen hoch qualifizierten Sprengstoffexperten macht die Armee aus ihm allerdings nicht.

00:08:11: Falls das der Plan gewesen sein sollte, werden die kommenden Monate ohnehin erhebliche Zweifel am Ausbildungserfolg wecken.

00:08:17: Am siebten November Jahrzehnteuzehn verlässt McCurdy nach drei Jahren schließlich ehrenhaft die Armee – es dauert gerade einmal zwölft Tage bis er der Polizei mit ungewöhnlicher Ausrüstung auffällt!

00:08:28: McCurdy und ein ehemaliger Armee-Kamerad werden kontrolliert.

00:08:32: Bei ihnen finden sich Meißel, Segen, Bohre, Schießpulver und Zubehör mit dem sich Nitroglycerin einfüllen lässt.

00:08:40: Nach einem ambitionierten Heimwerkerprojekt sieht das zugegebenermaßen eher nicht aus – die Polizei vermutet einen geplanten Einbruch und nimmt beide Männer fest!

00:08:49: Vor Gericht haben McCurdy und sein Begleiter eine etwas andere Erklärung Nach einer später überlieferten Wiedergabe der damaligen Saint-Joseph gesetzt, wollen sie keineswegs irgendwo einbrechen.

00:09:00: Sie arbeiten an einem neuartigen Maschinengewähr das sich mit dem Fuß bedienen lässt.

00:09:04: Warum auch nicht?

00:09:05: Möglicherweise gab es bis Jahrzehnte eine bislang unterschätzte Nachfrage nach Menschen die Gleichtätig schießen und beide Hände für etwas anderes brauchen.

00:09:13: Doch wie weit die Entwicklung dieses Geräts tatsächlich gekommen ist wissen wir nicht!

00:09:18: Sein dringendsten Zweck erfüllt es immerhin Im Januar, es spricht eine Jury McCurdy frei.

00:09:24: Aber schon wenige Monate später taucht sein Name im Zusammenhang mit einer Unternehmung auf bei der Sägenbohrer und Nitroglycerin schon wesentlich weniger erklärungsbedürftig wirken.

00:09:34: Im März, wird südlich von Coffeeville nahe Lena Paar in Oklahoma ein Zug der Iron Mountain bzw.

00:09:41: Missouri Pacific gestoppt.

00:09:44: Zeitnaher Zeitungsberichte erzählen von mehreren maskierten Männern, die den Zug anhalten, Besatzung und Passagiere unter Kontrolle bringen und anschließend den Safe im Expresswagen öffnen wollen.

00:09:55: Wie gesagt – Wollen!

00:09:56: Die Männer benutzen Nitro-Klözerien Und ja irgendwie schaffen sie es auch.

00:10:02: der Safe geht auf und präsentiert sich in außerordentlicher Gehbarlaune.

00:10:06: Sein Inhalt verteilt sich im ganzen Wagen und die Täter verschwinden mit ihrer Beute.

00:10:10: McCurdy wird in den ersten Berichten über den Überfall noch nicht namentlich genannt.

00:10:15: Erst nach seinem Tod erklärt Marshall SW-Fannten, man habe ihn als einen der beteiligten Räuber

00:10:20: identifiziert.".

00:10:22: Wie hoch die Beute ausgefallen ist?

00:10:24: Das ist etwas unübersichtlich.

00:10:26: Kurz nach dem Überfall berichten Zeitungen von Summen bis zu zwanzigtausend Dollar.

00:10:30: Ein Vertreter der Pacific Express Company namens Walker hält schon damals ausgesprochen wenig von dieser Darstellung.

00:10:37: Gegenüber dem Sentinel Record erklärt er I do not see how the robbers profited more than one hundred Dollar by their work.

00:10:43: Also ich kann mir nicht vorstellen, dass die Räuber bei der Sache mehr als einhundert Dollar Gewinn gemacht haben.

00:10:49: Wie gesagt Nitro Glitzerin Die Explosion hat nicht nur den Safe geöffnet und Teile des Inhalts im Wagen verteilt sondern die darin liegenden Silbermünzen auch erheblich beschädigt.

00:10:59: Das Metall schmilzt und verbindet sich mit dem Inneren des Saves Ungünstig.

00:11:05: Sven Bolt beziffert den ursprünglichen Inhalt später auf etwa viertausend Dollar und die tatsächlich mitgenommene Beute auf ungefähr vierhundertfünfzig Dollar.

00:11:14: Andere Quellen nennen andere Zahlen, auf eine exakte Summe sollten uns deshalb nicht festlegen.

00:11:19: das Ergebnis bleibt aber dasselbe der Safest Offen ein beträchtlicher Teil des Geldes ruiniert.

00:11:25: Das Geschäftsmodell hatte noch Optimierungspotenzial.

00:11:28: McCurdy zieht daraus jedoch nicht den Schluss künftig einen gewissen Sicherheitsabstand zwischen Nitroglycerin und dem zu stillenden Geld einzuhalten.

00:11:36: Am einundzwanzigsten September, nineteenhundertelf versucht er gemeinsam mit zwei weiteren Männern die Citizen's Bank in Chautauqua Kansas auszurauben.

00:11:46: Der Abend beginnt erstaunlich handwerklich!

00:11:48: Die Männer arbeiten sich über längere Zeit durch eine Wand bis sie den Bereich des Ressorts erreichen und ja dann kommt wieder das Nitroglycerin.

00:11:58: Die Genült Times berichtet wenige Tage später, die Explosion habe die äußere Tresortür mit solcher Gewalt aus ihrer Verankerung gerissen dass sie durch das Gebäude geschleudert wird.

00:12:07: Die gute Nachricht?

00:12:08: Die Tür ist offen!

00:12:09: Die schlechte?

00:12:11: Dahinter steht noch ein Safe.

00:12:13: Eine zweite Ladung hilft ihr blöderweise nicht.

00:12:15: Der eigentliche Geldschrank bleibt geschlossen und irgendwann müssen sich die Männer wohl mit der Erkenntnis arrangieren Dass sie gerade erfolgreich eine Bankwand und einer Tresorteur gesprengt haben Die Beute aber mitnichten den Aufwand rechtfertigt.

00:12:28: Sie nehmen schließlich ungefähr Hundertfünfzig Dollar in Münsten mit, die außerhalb des Safes lagen und verschwinden.

00:12:34: Die Genultimes findet dafür eine Überschrift, die es auf den Punkt bringt.

00:12:39: Robbers Made a Light Hall.

00:12:41: Räuber machen magere Beute.

00:12:43: Es wäre aber falsch Mick Curdie einfach als lustigen Trottel in Cowboy-Kleidung abzuhaken.

00:12:48: Diese Männer sind bewaffnet.

00:12:49: sie betrohen Menschen halten Züge an brechen in Banken ein und handieren mit Sprengstoff.

00:12:55: Aber das Aufwand und Ertrag, bei McCurdy regelmäßig in einem geradezu beeindruckenden Missverhältnis stehen macht die Geschichte zumindest skurril.

00:13:03: Harmloser macht er seine Taten mitnichten.

00:13:07: Nach Chautauqua hätte es nun wirklich genügend Grund gegeben, das gesamte Konzept noch einmal zu überdenken – ist vielleicht doch mal mit einem Beruf versuchen oder zumindest einen anderen Sprengstoff zu verwenden?

00:13:17: Einfach mal eine Pause machen!

00:13:19: Doch McCurry entscheidet sich für einen weiteren Zug….

00:13:22: Keine zwei Wochen später hört er von einem Transport, bei dem sich ein Überfall angeblich wirklich lohnen soll.

00:13:28: Spoiler – diesmal wird seine Beute noch kleiner!

00:13:31: Und für Elmar McCurdy würde es der letzte Zug sein den er überfällt.

00:13:35: Wir schreiben den vierten Oktober, und Elma McCurry versucht also noch einmal sein Glück bei der Eisenbahn.

00:13:44: Gemeinsam mit zwei Komplizen hält er in der Nähe von OKSA im Nordosten Oklohomas einen Zug, der Missouri Kansas Texas Railroad an.

00:13:53: Meist einfach Katie genannt.

00:13:55: Glaubt man der Geschichte haben sich die Männer hier etwas richtig großes vorgenommen?

00:14:00: Svenwald schreibt, McCurdy habe von einem Zug erfahren, der rund vierhunderttausend Dollar Anzahlungen für die Usagi Nation transportieren soll.

00:14:08: Dummerweise erwischen sie drei dann schlicht den Falschen!

00:14:11: Klingt nach einer hervorragenden Story, aber in den Zeitungen die unmittelbar nach dem Überfall erscheinen findet sich dieser sagenhafte Geldtransport leider nicht.

00:14:20: Die Evening Tribune berichtet am selben Tag lediglich von drei maskierten Männern der einen Personenzug überfallen haben.

00:14:26: Auch Michael Williams vom Oklahoma Territorial Museum weiß darauf hin dass sich die Geschichte mit denen vierhunderttausend Dollar nicht belegen lässt.

00:14:35: Vielleicht haben McCurdy und seine Begleiter tatsächlich einen bestimmten Zug erwartet Oder sie haben einfach irgendeinen Zug angehalten und auf deutlich mehr Geld gehofft.

00:14:43: Was wir aber sicher sagen können ist, was Sie bekommen haben!

00:14:47: Die Männer dringen zum Expresswagen vor und verlangen den Inhalt des Saves.

00:14:51: Diesmal muss Elmar nicht einmal Nitroglycerin bemühen – der Expressagent öffnet ihnen die Tür… Und darin ist nichts … zumindest kein Geld.

00:15:01: Das muss man sich mal vorstellen.

00:15:02: Man erwartet die Beute seines Lebens, hält bewaffnend einen kompletten Zug an, arbeitet sich bis zum Safe-For und ein Zugbegleiter öffnet freundlicherweise die Tür damit man persönlich feststellen kann – der Aufwand hat sich mal wieder nicht gelohnt!

00:15:15: Die Männer suchen sich also zusammen was der Zug sonst noch hergibt.

00:15:19: Dem Post Angestellten nehmen sie laut Bottle's Will Enterprise forty Dollar Bargeld.

00:15:26: Dazu kommt der Mantel des Zugführers, ein Revolver und ungefähr zwei Galonen Whiskey.

00:15:32: Während des Überfalls schlagen sie außerdem zwei Bierfässer an und trinken daraus.

00:15:36: Zugüberfall ist nur einmal im Jahr!

00:15:38: Bei der exakten Bargeldsumme haben wir wieder eine kleine Abweichung.

00:15:42: Sven Wolt nennt ´Ächzenvierzig Dollar´.

00:15:43: die zeitgenössische Lokalzeitung ´Für Mick Curtis finanzielle Zukunft?

00:15:48: macht das allerdings sowieso keinen entscheidenden Unterschied.

00:15:51: Der Bartelsville Enterprise fasst den Überfall ohnehin ausreichend vernichtend zusammen The Hall made by the Robbers was one of the smallest in the history of train robbing.

00:16:01: Also, die Beute der Räuber gehörte zu den kleinsten in der Geschichte der Zugüberfälle Und dabei hat McCurdy dieses Mal nicht mal einen erheblichen Teil des Geldes versehentlich geschmolzen.

00:16:12: Immerhin gab es Alkohol.

00:16:14: Nach dem Überfall trennen sich die Männer Lange Freude hat er daran nicht.

00:16:29: Inzwischen sind zweitausend Dollar Belohnung auf seine Festdama ausgesetzt, in den frühen Morgenstunden des siebten Oktober verfolgen die Brüder Bob und Stringer Fenton gemeinsam mit Dick Wallace McCurdy's Spur.

00:16:41: Sie haben Bluthunder dabei – und die führen sie bis zu Rewards anwesend.

00:16:45: Dort endet die Spur an einem Heuschuppen bzw.

00:16:48: Heuboden.

00:16:49: McCurry schläft darin!

00:16:51: Die drei Männer umstellen das Gebäude und warten auf Tageslicht.

00:16:55: Wie der folgende Morgen abläuft, wissen wir ziemlich genau.

00:16:58: Weil Bob Fenton bereits einen Tag später dem Daily Examiner davon erzählt.

00:17:03: Gegen sieben Uhr stehen die Männer noch vor dem Gebäude – dann schießt McCurdy!

00:17:07: Der erste Schuss gilt Bob Fanton und verfehlt ihn.

00:17:11: Danach feuert McCurdie mehrfach auf Stringer-Fenton und anschließend auf Dick Wallace.

00:17:16: Die Männer draußen schießen natürlich zurück.

00:17:18: Das Ganze ist kein kurzer Austausch von ein paar Kugeln….

00:17:22: Fentons beschreibt es so.

00:17:23: He kept shooting at all of us for about an hour.

00:17:27: Er schoß ungefähr eine Stunde lang immer wieder auf

00:17:29: uns.".

00:17:30: Aus demselben Interview stammt noch ein Detail, das den Whiskey aus dem Zug wieder ins Spiel bringt.

00:17:35: Auf McCurdy's Weg zur Ranch finden die Verfolger einen der gestullenen Behälter – nahezu leer!

00:17:41: Fänden berichtet außerdem, McCurdys sei am Vorabend stark betrunken auf der Ranch angekommen.

00:17:46: Von seiner ohnehin übersichtlichen Beute ist damit nach drei Tagen nicht mehr besonders viel übrig.

00:17:51: Das Geld war kaum mehr relevant, der Whisky fast leer und draußen vor dem Heuboten stehen drei bewaffnete Männer mit Bluthunden.

00:17:58: Nach ungefähr einer Stunde verstummen McCurdy's Schüsse – die Männer warten zunächst ab!

00:18:03: Irgendwann gehen sie hinein und finden Elmer McCurdie tot….

00:18:06: Eine Kugel hat ihn in die Brust getroffen….

00:18:09: Wer sie abgefeuert hat weiß selbst Bob Fenton unmittelbar danach nicht ….

00:18:13: Der Daily Examiner zitiert ihn mit einem erfreulich eindeutigen We do not know who killed him.

00:18:19: Wir wissen nicht, wer ihn getötet hat.

00:18:22: Am siebten Oktober, nineteenhundertelf endet damit Elma McCurdy's kriminelle Karriere nach gerade einmal einigen Monaten.

00:18:30: Er ist einunddreißig Jahre alt.

00:18:33: Reich ist er nicht geworden – berühmt zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht!

00:18:37: Dafür hat er mehrere Banken und Züge überfallen, einiges in die Luft gesprengt und bei seinem letzten Kuh eine Beute gemacht, die selbst eine Lokalzeitung für außergewöhnlich Mager hielt.

00:18:47: Die Geschichte des eher semi-erfolgreichen Outlaws ist damit eigentlich zu Ende.

00:18:52: Sein Körper wird nach Parasca gebracht und dort dem Statter Joseph L. Johnson übergeben.

00:18:57: Johnson rasiert ihn, zieht ihm Kleidung für eine mögliche Beerdigung an und behandelt den Körper mit einer asenhaltigen Einbaldamierungslösung.

00:19:05: Dann wartet er darauf.

00:19:06: das Angehörige kommen – jemand MacCurdy abholt und natürlich seine Rechnungen bezahlt.

00:19:12: Nur kommt niemand!

00:19:14: Für Johnson ist das zunächst einmal ein ziemlich handfestes, geschäftliches Problem.

00:19:19: Er hat Zeit und Material in die Einballsamierung eines Mannes investiert für dessen Bestattung sich offenbar niemand zuständig fühlt.

00:19:26: Und nun liegt in seinem Bestattungsinstitut einen konservierter Zugräuber herum, dessen offene Rechnungen sich auch nicht dadurch begleicht dass man ihn anschaut.

00:19:34: Naja sagen wir noch nicht!

00:19:38: Denn zu Lebzeiten hat Elma McCurdy mit seinen Überfällen eher wenig Geld verdient.

00:19:42: nach seinem Tod wird sich das ändern.

00:19:49: Zunächst ändert es sich allerdings eher gemächlich.

00:19:52: Joseph Johnson hat im Herbst, neunzehundert elf keinen großen Plan mit Elmar McCurdy.

00:19:57: Er ist Bestatter und hat einen nicht abgehüllten Toteneinwalt amiert und wartet auf jemanden der sich um die Beerdigung kümmert und idealerweise die Rechnung bezahlt.

00:20:06: Wochen werden zu Monaten, Monate zu Jahren.

00:20:10: McCurdys Körper verwest währenddessen nicht so wie man es normalerweise erwarten würde.

00:20:15: Durch die ersehenhaltige Einballsamierung trocknet er aus, wird hart und steif und bleibt dabei erstaunlich gut erhalten.

00:20:22: Irgendwann liegt in Johnsons Bestattungsinstitut also nicht mehr nur ein säumiger Kunde sondern ein toter Zugräuber den man sich offenbar ganz gut anschauen kann!

00:20:31: Und genau das tun die Leute – dass McCurdy dort tatsächlich ausgestellt wird ist zeitgenössig belegt.

00:20:38: Die Maskogie Daily Phoenix berichtet, also vier Jahre nach seinem Tod, noch immer über den Körper in Paar Husker.

00:20:46: Man kann ihn ansehen und ihn berühren.

00:20:51: Im selben Artikel steht weiterhin auch das ursprüngliche Problem im Raum.

00:20:55: Wer glaubhaft nachweisen kann mit Mick Curdie Verwandt zu sein soll ihn bitte mitnehmen.

00:21:01: Vorher wären allerdings die Zwarhundert-Dollar Bestattungskosten zu begleichen.

00:21:05: Das ist inzwischen eine etwas ungewöhnliche Form des Mahnwesens.

00:21:10: Wie genau Johnson aus dem wartenden Leichnam schließlich eine bezahlte Attraktion macht, ist leider schlechter dokumentiert.

00:21:17: Mark Swenbold schreibt, Johnston habe fünf Cent Eintritt verlangt.

00:21:21: Später findet sich außerdem jene Geschichte die fast zwangsläufig in jeder Erzählung über McCurdy auftaucht.

00:21:27: Besucher hätten ihre Nickel direkt in seinen Mund gesteckt.

00:21:30: Johnston haben das Geld später wieder herausgenommen.

00:21:33: Kann so gewesen sein.

00:21:34: Nur fehlt uns dafür dieselbe Quellenlage, wie für die Ausstellung selbst?

00:21:38: Der Zeitungsartikel von Ninzehundfünfzehn erwähnt weder den Eintrittspreis noch McCurdy's Mund als eine Art fragwürdige Registrierkasse.

00:21:46: Die fünf Cent sind in der späteren Literatur gut etabliert – die Münzgeschichte ebenfalls nur eben nicht zeitgenössig belegt.

00:21:54: Bei den Namen unter denen McCurry präsentiert worden seien sollen sieht es ähnlich aus.

00:21:59: Sven Wohl nennt The Bandit Who Wouldn't Give Up, also der Bandit, der einfach nicht aufgeben wollte.

00:22:05: Andere Bezeichnungen wie the Oklahoma Outlaw oder The Embalmed Bandit tauchen ebenfalls in der späteren Überlieferung seiner erstaunlich langen zweiten Karriere auf.

00:22:14: Ob Johnson einen dieser Namen selbst verwendet hat wissen wir nicht!

00:22:18: Für sein Geschäft reicht ohnehin eine wesentlich einfacher Geschichte – hier liegt Elmer McCurdy ein echter erschossener Outlaw und man kann ihn anfassen.

00:22:28: Damit schafft McCurdy nach seinem Tod tatsächlich etwas, woran er zu Lebzeiten ziemlich konsequent gescheitert ist.

00:22:34: Er zieht das Geld an!

00:22:36: Nur bekommt er von den Einnahmen weiterhin wenig mit... Dass ein echter konservierter Räuber auch außerhalb eines Bestattungsinstituts gewisse kommerzielle Möglichkeiten bietet fällt natürlich nicht nur Johnson auf.

00:22:48: Schausteller interessieren sich für den Körper und bieten offenbar Geld dafür.

00:22:51: Johnson lehnt ab.

00:22:53: Sein Sohn Johnny Johnson erinnert sich Jahrzehntel später gegenüber dem Historiker Richard Baskill, sein Vater habe McCurdy nicht einfach verkaufen wollen.

00:23:02: Wer den Toten haben möchte braucht also einen überzeugenderen Geschäftsansatz zum Beispiel Familie.

00:23:09: Am sechsten Oktober, nineteen Hundertsechzehn meldet sich bei Johnston ein Mann namens Ava.

00:23:15: Er behauptet Elmer McCurdys lange verschollener Bruder aus Kalifornien zu sein und Ava macht die Sache ordentlich.

00:23:22: Er schaltet zuvor sogar den Sheriff von Osage County und einen örtlichen Anwalt ein, um die Herausgabe des Körpers vorzubereiten.

00:23:29: Am nächsten Tag erscheint er schließlich gemeinsam mit einem zweiten Mann namens Wayne der ebenfalls als Angehöriger auftritt.

00:23:36: Nach fünf Jahren des Wartens scheint Elmer plötzlich doch noch Familie zu haben.

00:23:41: Das erklärte Vorhaben klingt dabei vollkommen vernünftig.

00:23:44: Sie wollen McCurdy nach San Francisco bringen Und dort endlich beerdigen.

00:23:49: Johnson gibt den Körper letzten Endes heraus.

00:23:52: In vielen späteren Darstellungen werden Ava und Wayne direkt zu James & Charles Patterson, also den Männern hinter bzw.

00:23:59: im Umfeld der Crate-Patterson Carnival Shows.

00:24:03: Das geben die Quellen nicht zwangsläufig her.

00:24:06: Die Perheska Capital berichtet am siebten Oktober, von einem angeblichen Bruder namens Ava Und seinem Begleiter Wayne.

00:24:13: Sie schreiben allerdings nicht.

00:24:14: Übrigens das sind eigentlich die Patterson Brüder mit aufgeklebten Schnurrbärden.

00:24:18: Auch Johnny Johnson's späterer Erinnerung zeigt, dass die Herausgabe des Körpers gezielt vorbereitet wurde.

00:24:24: Wer aber wirklich vor ihm stand bleibt offen.

00:24:27: Was hingegen danach passiert ist, ist wesentlich eindeutiger.

00:24:30: Elmar McCurdy fährt nicht nach San Francisco, er fährt nach Arkansas City Kansas und dort gastiert gerade die Great Paterson Carnival Show von James Patterson.

00:24:41: Weniger als zwei Wochen nach seiner angeblich bevorstehenden Beerdigung steht Elmar wieder vor Publikum – man könnte sagen Das Timing ist zumindest auffällig.

00:24:51: Ob Ava und Wayne selbst die Patterson-Brüder waren oder für das Unternehmen gehandelt haben, ist da fast nebensächlich.

00:24:57: Der angebliche Familienbesuch endet jedenfalls bemerkenswert zuverlässig damit dass der Leichnam genau dort landet wo man ihn schon vorher gerne haben wollte.

00:25:06: In Parheska war McCurdy trotz allem noch McCurdy gewesen ein erschossener Räuber dessen Angehörige ihn nicht abgeholt hatten und den Johnson irgendwann gegen Eintritt zeigte.

00:25:16: Mit dem Carnival beginnt eine neue Geschichte.

00:25:19: Ab jetzt reist dieser Körper bekommt neue Präsentationen, neue Besitzer und irgendwann sogar neue Biografien.

00:25:25: Dass sich damit überhaupt Geld verdienen lässt, wirkt heute natürlich recht befremdlich.

00:25:30: In den letzten Jahren fällte Elmar allerdings in einer Unterhaltungswelt die für genau solche Dinge längst einen Markt geschaffen hat – und denen schaut sich Sphere jetzt an bevor wir Elmar auf seiner Tournee weiter begleiten!

00:25:43: In den USA ist die Idee Menschen, menschliche Körper oder Überreste gegen Eintritt auszustellen in den Vereinigten Staaten längst nichts Neues mehr.

00:25:55: Elmar McCurdy landet in einer Unterhaltungswelt, die ziemlich gut auf ihn vorbereitet ist.

00:26:01: Museum, Jahrmarkt Wissenschaft und Sensation liegen dort teilweise extrem nah beieinander.

00:26:08: Ein wichtiger Teil dieser Welt sind die sogenannten Daim-Museums.

00:26:11: Die Kulturhistorikerin Andrea Sturman-Denet beschreibt sie in ihrem Buch Weird and Wonderful, The Dime Museum In America als eine Mischung aus Museum, Bühne und Kuriositäten schau.

00:26:24: Dort stehen Dioramen neben Wachsfiguren, ausgestopfte Tiere neben Zauberern und Artisten.

00:26:30: Vermeintliche Wunder nehmen Menschen die selbst als Attraktionen angekündigt werden!

00:26:35: Der Name ist dabei erfreulich unkompliziert.

00:26:38: Der Eintritt kostet häufig einen Dime, also zehn Cent.

00:26:42: Ein Werbeplakat für Hacker & Campbells Dime-Museum in Philadelphia verspricht Achehundertdreiundachtzig seinen Besuchern für genau diesen Preis.

00:26:51: Instruction and Amusement Bildung und Unterhaltung Also vermutlich das was wir heute im Fernsehen als Infotainment kennen.

00:27:01: Das berühmteste Vorbild dieser Museumswelt ist Petey Burnham's American Museum in New York.

00:27:07: Burnham übernimmt es eighteenundvierzig und füllt das Haus mit Dingen, die nach unserer heutigen Vorstellung nur bedingt in dieselbe Sammlung gehören.

00:27:16: Naturhistorische Präparate, Gemälde, Wachsfiguren und lebende Tiere sind ebenso dabei wie vermeintliche Wunder, Fälschungen und lebendem Menschen.

00:27:25: Die Library of Congress beschreibt Barnums Sammlungs entsprechend als ein Nebeneinander aus Naturgeschichte sogenannten Oddities, Wächsfigurinnen und Unterhaltungen.

00:27:35: Dabei spielt es nicht einmal eine sonderlich große Rolle, ob ein Exponat echt ist oder nicht.

00:27:41: Barnums berühmte Fiji Mermaid beispielsweise ist natürlich keine echte Mehrjungfrau.

00:27:47: Bin ich überraschend?

00:27:48: Ich weiß!

00:27:48: Bei ihr handelt sich um einen aus Tierkörpern zusammengesetzten Schwindel.

00:27:52: Im selben Museum werden aber auch echte Menschen präsentiert die als sogenannte Human Curiosity vermarktet werden.

00:27:59: Das Publikum bewegt sich also zwischen Wachs, Fleisch, echt und gefälsch, lebendig und präpariert.

00:28:06: Exakt diese Unsicherheit gehört teilweise zur Show!

00:28:09: Wie weit das gehen kann zeigt ausgerechnet die Frau mit der Burnham seine Karriere als Schausteller überhaupt groß macht.

00:28:27: und habe früher als Kindermädchen des großen George Washington gearbeitet.

00:28:32: Beides stimmt nicht.

00:28:34: Heath ist vermutlich ungefähr achtzig Jahre alt, trotzdem wird sie über Monat hinweg dem Publikum präsentiert teilweise bis zu zwölf Stunden am Tag.

00:28:43: Burnham nutzt ihren Körper ihr Alter- und ihre Lebensgeschichte als Verkaufsargument wobei er sich einen erheblichen Teil dieser Lebensgeschichten schlicht ausgedacht hat.

00:28:53: Im Februar eighteenundsechsundreißig stirbt Joyce Heath Doch damit ist die Zuschaustellung noch nicht beendet.

00:29:00: Der Medizin-Historiker James R. Wright hat den Fall anhand zeitgenössischer Quellen untersucht, nach Hießtod organisiert Barnum eine öffentliche Autopsie und verkauft dafür Eintrittskarten.

00:29:12: Und ein тысячundfünfhundert Menschen zählen jeweils fünfzig Cent um in Chirurgen David L. Rogers dabei zuzusehen wie er ihren Körper untersucht.

00:29:20: Und bei dieser Autopsie stellt sich dann auch öffentlich heraus, dass Sie es unmöglich einhundertsechzig Jahre alt gewesen sein kann.

00:29:28: Eine Lüge mit der monatelangen Geld verdient wurde wird widerlegt und selbst damit verdient Barnum Geld.

00:29:35: Joycey ist dabei kein isolierter Fall.

00:29:38: Wright weiß daraufhin das derselbe Chirurg schon fünf Jahre zuvor die öffentliche Sektion von Charles Gibbs durchgeführt hatte – einen berüchtigten Piraten in New York hingerichtet worden war.

00:29:51: Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts kommen außerdem echte ägyptische Mumien in die Vereinigten Staaten.

00:29:57: SG Wolff und Robert Singerman haben ihn Mammys in Nineteenth Century America anhand von Zeitungsberichten und anderen Dokumenten untersucht, wie diese Körper dort präsentiert werden.

00:30:09: Auch sie landen keineswegs ausschließlich in wissenschaftlichen Sammlungen.

00:30:13: Mumien werden öffentlich ausgestellt und kommerziell vermarktet.

00:30:18: Ein menschlicher Körper kann damit Forschungsobjekt sein.

00:30:21: Historisches Delikt, Kuriosität oder eben etwas das die Eintrittskassen füllt.

00:30:26: Parallel dazu wächst eine riesige Unterhaltungsindustrie rund um lebende Menschen deren Körper und Herkunft als außergewöhnlich vermarktet werden.

00:30:36: Der Soziologe Robert Bogton untersucht diese Geschichte in seinem Standardwerk Freak Show Presenting Human Audities for Amusement and Profit.

00:30:45: Zwischen etwa eighteenhundert und neunzentviertzig ziehen hunderte solcher Schaus durch die Vereinigten

00:30:51: Staaten.

00:30:52: Menschen mit kleinen Wuchs, zusammengewachsene Zwillinge, vertige Frauen, tätowierte Menschen oder Menschen mit körperlichen Behinderungen werden angekündigt und inszeniert.

00:31:02: Häufig bekommen sie Künstlernamen und ausführliche Biografien, die mit ihrem wirklichen Leben nicht besonders viel zu tun haben.

00:31:10: Dazu kommen rassistische Präsentationen in den Menschen aus anderen Ländern und Kulturen als angeblich wild, primitiv oder exotisch vorgeführt werden.

00:31:19: Ein Plakat von Barnum & Bailey wirbt eighthundertneunundneinzig ganz offen mit Marvelous Living Human Curiosities also wunderbare lebende menschliche Kuriositäten.

00:31:31: Das ist keine kleine Randerscheinung des amerikanischen Unterhaltungsgeschäfts.

00:31:36: Solches Shows erreichen ein großes Publikum.

00:31:39: Bogdyn fasst ihre Funktionsweise mit einem Satz zusammen.

00:31:43: Freaks were not born, they were manufactured by the amusement world.

00:31:47: Freeks wurden nicht geboren.

00:31:49: sie wurden von der Unterhaltungswelt hergestellt.

00:31:52: Gemeint ist damit natürlich nicht dass die körperlichen Merkmale dieser Menschen erfunden sind.

00:31:57: Hergestellt wird die Attraktion!

00:31:59: Ein Plakat bekommt einen spektakulären Namen eine Person bekommt Kostüm, Erkunft und häufig eine erfundene Geschichte.

00:32:07: Das, was vorher schlicht ein Mensch mit einer bestimmten körperlichen Eigenschaft war, wird auf diese Weise zu einer Figur die sich verkaufen lässt.

00:32:15: Die Lebenssituation der Menschen in diesen Shows waren dabei sehr unterschiedlich.

00:32:20: Manche beteiligten sich selbst an ihrer öffentlichen Inzinierung und verdienten damit ihren Lebensunterhalt.

00:32:25: Andere wurden massiv ausgebeutet!

00:32:29: Das alles lässt sich nicht einfach mit Elmer McCurdy gleichsetzen.

00:32:33: Entscheidend ist er.

00:32:34: die zugrunde liegende Logik dahinter.

00:32:36: Ein ungewöhnlicher Körper allein ist noch keine besonders gute Show.

00:32:41: Er braucht eine Geschichte!

00:32:43: Das Publikum der Dye-Museums und Side Shows ist längst daran gewöhnt, dass innerhalb derselben Ausstellung ein Wachsmodell, ein ausgestopftes Tier, eine angebliche Mumie, ein echter Mensch und einen vollständiger Schwindel nebeneinanderstehen können.

00:32:58: Die Frage ist das wirklich echt?

00:33:00: Stört das System dabei nicht einmal?

00:33:02: Ganz im Gegenteil, sie kann genau der Grund sein warum jemand überhaupt erst zehn Cent bezahlt und genauer hinschaut.

00:33:09: Und Emma McCurdy bringt dafür geradezu ideale Voraussetzungen mit!

00:33:14: Er ist wirklich ein toter Outlaw – gleichzeitig verändert sich sein Körper durch die Konservierung immer weiter und sieht mit den Jahren zunehmend weniger wie ein gewöhnlicher Verstorbener aus.

00:33:25: Man kann also eine unglaubliche Geschichte über ihn erzählen und anschließend auf den entscheidenden Vorfall verweisen… Der da?

00:33:32: Der ist echt.

00:33:33: Dass man das über Jahrzehnte tun kann, verdankt MacCurley wiederum eine Entwicklung die eigentlich überhaupt nichts mit dem Unterhaltungsgeschäft zu tun hat!

00:33:42: Der moderne amerikanische Umgang mit Embalming also der Einballsamierung Verstorbener verändert sich vor allem während des amerikanischen Bürgerkriegs.

00:33:51: Die Anatomen.

00:33:52: Andreas Brenner und seine Mitautoren beschreiben in ihrer Übersicht zur Geschichte der Körperkonservierung wie wichtig dabei die großen Entfernung werden.

00:34:02: Gefallene Soldaten sollen teilweise über hunderte Kilometer Syrienfamilien gebracht werden.

00:34:07: Ohne Konservierung liegt da ein ziemlich offensichtliches Problem vor.

00:34:11: Bestatter experimentieren deshalb mit verschiedenen Chemikalien, Quäckselber wird verwendet ebenso Kreosot und Alkohol – und besonders häufig Asen!

00:34:22: Aseenhaltige Einwaltsamierungslösungen verbreiten sich im neunzehnten Jahrhundert und bleiben bis ins frühe zwanzigste Jahrhunderte in Gebrauch, bevor sie zunehmend durch vermaldehydhaltige Verfahren verdrängt werden.

00:34:34: Joseph Johnson behandelt Elmar McCurdy's Körper, Nineteinundertelf also zu einem Zeitpunkt an dem Asehen als Konservierungsmittel durchaus noch verwendet wird.

00:34:44: Bis genau diese Substanz bei McCurdie eine Rolle gespielt hat wissen wir nicht nur aus späteren Erzählungen über den Bestattern.

00:34:50: Als der forensische Anthropologe Clyde Snow den Fall Jahrzehnte später wissenschaftlich aufarbeitet, gehören Asen-Analyse Einballsamierung und Mumifizierung zu seiner Untersuchung.

00:35:02: Sein Fachaufsatz von neunzentneunundsebzig trägt den passenden Titel The Life and the Afterlife of Elmer McCurdy – A Melodrama in Two Acts.

00:35:12: Johnson konnte natürlich nicht ahnen was er mit dieser Einballsammierung in Gang setzt.

00:35:17: Er wollte Elmar nicht für die nächsten sechs Jahrzehnte reisefähig machen.

00:35:21: Vor ihm lag ein Nicht-Abkulter Tota, der konserviert werden sollte bis irgendjemand ihn beerdigt was bekannter Massen nicht passiert ist.

00:35:30: Stattdessen hinterlässt die Behandlung einen Körper der trocken hart und erstaunlich dauerhaft wird Und damit trifft die Chemie der Bestattungsbranche ziemlich unglücklich auf eine Unterhaltungsindustrie Die bereits gelernt hat dass sich mit ungewöhnlichen menschlichen Körpern Geld verdienen lässt.

00:35:47: So beginnt Elmer McCurdy ab Jahrzehnte eine zweite Karriere, für die er selbst wirklich überhaupt nichts mehr tun muss.

00:35:59: Und für eine solche zweite Karrière bringt Elmer bereits erstaunlich viel mit – einen echten Körper, einen gewaltsam Tod, eine Biografie als Zug und Bankräuber!

00:36:09: Man muss eigentlich nur noch dafür sorgen, dass niemand zu genau nachfragt wie erfolgreich dieser Zug-und-Bankräuber zur Lebzeitung denn eigentlich gewesen ist….

00:36:19: Bei den Great Patterson Carnival-Shows wird McCurdy als The Outlaw Who Would Never Be Captured Alive präsentiert, der gesetzlose, der niemals lebend gefangen genommen werden würde.

00:36:29: Nun, Elmar war kein Jesse James, kein billigte Kid und auch sonst niemand dessen Name damals reihenweise Bank angestellter Nervus gemacht haben dürfte.

00:36:37: aber der neue Titel besitzt einen kaum zu bestreitenen Vorteil Er stimmt technisch.

00:36:42: Lebend gefang wurde Elmer McCurdie tatsächlich nicht.

00:36:46: Mehrere Jahre reißt sein Körper nun mit dem Patterson Carnival durch die Vereinigten Staaten.

00:36:50: Und damit setzt er kurioserweise ziemlich genau den Lebensstil fort, den er bereits vor seinem Tod gepflegt hatte.

00:36:56: Schon damals hielt es ihn selten lange an einem Ort – Maine, Kansas, Missouri oder Oklahoma.

00:37:02: Jetzt zieht er wieder durchs Land nur deutlich regelmäßiger und vermutlich mit zuverlässigerem Transport.

00:37:08: Vor allem aber funktioniert seine neue berufliche Laufbahn wesentlich besser!

00:37:12: Die Menschen kommen, um ihn zu sehen.

00:37:14: Elmar McCurdy ist natürlich nicht plötzlich zu einem der großen amerikanischen Outlaws geworden.

00:37:20: Vor ihnen liegt so simpel es ist einfach ein echter toter Verbrecher und nachdem's wer gerade erklärt hat in welcher Unterhaltungswelt für uns bewegen dürfte klar sein dass das als verkaufsargument vollkommen ausreicht.

00:37:33: Seine Leiche verdient damit erfolgreicher am verbrechen als elma selbst es jemals geschafft hat.

00:37:39: Um nineteenhundert, zweiundzwanzig wechselt er erneut den Arbeitgeber.

00:37:43: Mark Swenbold und spätere Darstellungen seiner Geschichte verorten McCurdy nun bei Luis Sunny – einem kalifornischen Schausteller mit einem reisenden Museum of Crime!

00:37:54: Wie genau der Körper von Patterson zu Sunny gelangt kennt diverse Varianten.

00:37:58: Dass er generell irgendwann bei Sunny landet ist aber letztlich belegt… Und zwar auf eine Art und Weise die uns am Ende der Story noch enorm helfen wird.

00:38:08: In Sunnies Museum of Crime passt er hervorragend ins Sortiment.

00:38:12: Dort werden Verbrechen und berühmte Verbrecher als Unterhaltung präsentiert, darunter auch Wachsfiguren bekannter Outlaws wie Jesse James und Bill Doolin.

00:38:21: Zwischen all diesen künstlichen Kriminellen steht nun ausgerechnet einer der tatsächlich echt ist.

00:38:26: Irgendwie eine interessante Umkehrung.

00:38:28: Bei Jesse James muss die Wachstfigur möglichst überzeugend aussehen wie Jesse-James.

00:38:33: Bei Elmar reicht es inzwischen das ja überzeugend aussieht Nun ja eine Leiche.

00:38:38: Sein tatsächliches Leben wird damit langsam zweitrangig, für das Publikum ist wichtig dass da ein echter Outlaw vor ihnen steht.

00:38:45: Dass dieser echte Outlaw nicht sonderlich erfolgreich war – Das kann man auf dem Werbeblakat ja einfach etwas kleiner drucken oder gar nicht!

00:39:03: Der Sport Promoter Charles C. Pyle organisiert einen Wettrennen quer durch die Vereinigten Staaten, offiziell heißt es International Trans Continental Food Race.

00:39:14: Die Presse findet dafür recht schnell einen deutlich eingängigeren Namen – Banyan Derby.

00:39:19: Sinn gemäß also etwa Ballenrennen Am vierten März, und von der letzten Zeit starten in Los Angeles aber noch einmal eine Hälfte von Menschen aus den USA.

00:39:28: Ihr Ziel ist New York.

00:39:30: Dazwischen liegen ungefähr five-tausend fünfhundert Kilometer.

00:39:34: Wer schon einmal freiwillig joggen war, kann an dieser Stelle vermutlich besser einschätzen als ich ab welchem Kilometer man beginnt sein Hobby zu hinterfragen.

00:39:42: Vierundachtzig Tage später erreichen immerhin noch fünfundfünfzig Teilnehmer das Ziel im Madison Square Garden.

00:39:48: Der Historiker Charles B. Castner beschreibt das Ganze allerdings keineswegs als bloßes Langstreckenrennen.

00:39:54: Pyle baut um die Läufer herum ein reisendes Spektakel auf.

00:39:57: Verkaufsstände Wortwillnummern, Sideshows, eine mobile Radio-Station und allerlei andere Unterhaltung reisen mit.

00:40:05: Und irgendwo inmitten dieses Trosses – ihr ahnt es schon – Elmar McCurdy.

00:40:12: Während also fast zweihundert Männer versuchen aus eigener Kraft von Los Angeles nach New York zu kommen absolviert ein Mann der seit siebzehn Jahren tot ist dieselbe Strecke deutlich entspannter als Makabra Teil des Unterhaltungsprogramms Zumindest Sven Bolz Biografie führt McCurdy ausdrücklich als eine der Attraktionen dieses wandernenden Spektakels.

00:40:33: Elmar McCurdy bekommt quasi landesweiten Room, nur leider siebzehn Jahre zu spät.

00:40:39: Bis hierhin ist seine Biografi trotz allem noch erkennbar – man übertreibt sie hier und da, schmückt sie aus und macht aus einem eher erfolglosen Räuber einen wesentlich eindrucksvolleren Outlaw!

00:40:51: Aber grundsätzlich heißt dieser Tote noch Elmar MacCurdie.

00:40:54: Er hat Züge und Banken überfallen, er wurde auf einem Schusswechsel getötet.

00:41:00: Anfang der neunzehntdreißiger Jahre stellt dann jemand fest, dass selbst dieser minimale Respekt vor der Realität das Marketing unnötig einschränkt – und dieser jemand heißt Dwayne Esper.

00:41:11: Esper gehört zur frühen amerikanischen Exploitation-Filmwelt bei der der eigentliche Film mitunter nur ein Teil der Veranstaltung ist.

00:41:18: Er reist mit seinen Produktionen von Kino zu Kino und vermarktet sie gerne als Warnung, Aufklärung oder medizinische Unterweisungen.

00:41:26: Praktischerweise können Filme dadurch Dinge zeigen die unter reinem Unterhaltungsverdacht deutlich schwieriger zu verkaufen werden.

00:41:42: Und klar für die Werbung könnte Espar einfach ein Plakat auffängen!

00:41:48: Was zunächst ein kleines Problem mit sich bringt, McCurdy ist zwar tot und zweifellos krimineller hat aber mit der Geschichte eines drogensüchtigen Arztes relativ wenig zu tun.

00:41:58: Es parallelst dieses Problem ganz pragmatisch in dem er Elmas Lebenslauf aktualisiert.

00:42:03: Aus dem toten Zugräumer wird einen Dead Dope fiend.

00:42:07: Bei Vorführungen von Narcotic steht McCurdys Körper im Kino-Foyer.

00:42:12: Dazu gibt es nun eine vollkommen neue Geschichte Der Mann habe eine Drogerie ausgeraubt, um seine Drogensucht zu finanzieren.

00:42:19: Sei von der Polizei gestellt worden und schließlich

00:42:21: gestorben.".

00:42:22: Das ist schon eine sonderbare Ironie, dass Elmer in gewisser Weise mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod noch einmal die kriminelle Branche wechselt!

00:42:30: Eine BBC Time Watch-Dokumentation, die auf den Recherchen von Richard Baskill aufbaut zeigt außerdem historisches Filmmaterial, in dem McCurdy als Addict and Paddler of Drugs bezeichnet wird – also als Drogenschristiger & Drogenhändler.

00:42:44: Der Outlaw und Bankräuber wurde offenbar gestrichen.

00:42:48: Noch besser wird es bei der Frage, warum dieser angebliche Drogensüchtige inzwischen so aussieht wie er eben aussieht?

00:42:53: Elmers Körper ist nach zwei Jahrzehnten Konservierung und Ausstellung stark ausgetrocknet und geschrumpft.

00:42:59: Die Haut ist hart und eingefallen.

00:43:01: Man könnte das mit Einweisermierung ersehen und zwanzig Jahren als reisende Leiche erklären.

00:43:06: Das wäre überaus nachvollziehbar.

00:43:08: doch Espar wählt eine andere medizinische Schule.

00:43:11: Nach Baskills Becherche erklärt er den Zustand mit Elmas angeblichen Drogenkonsum.

00:43:16: Überliefert ist die Formulierung DOPE-Saturated Tissues, also ungefähr mit drogendurchstrengtes Gewebe – das ist medizinisch in etwa so überzeugend wie McCurdy's fußbetriebenes Maschinengewehr und erfüllt erstaunlicherweise denselben Zweck!

00:43:30: Es klingt gerade plausibel genug für die Geschichte, die verkauft werden soll.

00:43:34: Doch von Elmas früherer Geschichte braucht Espen exakt gar nichts mehr.

00:43:38: Oklahoma?

00:43:39: Egal... Zugüberfälle weg.

00:43:42: Charlie Rivards Renge, unnötig kompliziert.

00:43:45: Der tote Mann vor dem Kilo bekommt einfach eine neue Biografie die besser zum Film passt.

00:43:50: Damit hat Elmer innerhalb von gut zwanzig Jahren eine bemerkenswerte Zahl Post-Humor Tätigkeiten angesammelt.

00:43:56: Zugräuber, legendäre Outler, Museumsstück Begleitung eines transkontinentalen Langstreckenrennens und schließlich abschreckendes Beispiel für Drogenmissbrauch.

00:44:06: Eine klassische Karriereleiter ist das wahrlichen nicht Aber für jemanden, der seit nineteenhundertelf tot ist, ist erstaunlich viel Bewegung im Lebenslauf drin.

00:44:14: Und eine ganz wichtige Sache wissen seine jeweiligen Besitzer bislang noch!

00:44:19: Das hier ist tatsächlich ein menschlicher Körper.

00:44:22: Selbst wenn Name und Biografie zunehmend verhandelbar werden besteht der eigentliche Reiz noch darin dass der Tote echt ist.

00:44:29: Nur leider geht irgendwann selbst diese Information verloren... ...und damit wird aus Elmer MacCurdy etwas das er bisher trotz aller Vermarktungen nicht gewesen ist Eine namenlose Requisite.

00:44:43: Mit dem Tod Louis Sunnays im Jahre forty-neunundvierzig endet auch Elmas erstaunlich geschäftiges Nachleben erst einmal ziemlich abrupt.

00:44:52: Sein Körper landet gemeinsam mit Teilen von Sunnys Sammlung in einem Lagerhaus in Los Angeles, für ungefähr anderthalb Jahrzehnte passiert nun vor allem eines – überhaupt nichts!

00:45:05: Seit nineteenhundertsechzehn war dieser Mann quer durch die Vereinigten Staaten gereist.

00:45:10: Jetzt steht beziehungsweise liegt er irgendwo zwischen eingelagerten Requisiten und Ausstellungsstücken, und wartet auf den nächsten Besitzer.

00:45:19: Erst nineteenhundert vierundsechzig holt Louis Sonny's Sohn Dan Sonny ihn wieder aus dem Lager.

00:45:26: Er leitet den Körper an den Exploitation-Produzenten David F. Freedman aus der zu dieser Zeit mit der Familie Sony zusammenarbeitet.

00:45:33: Das Ergebnis ist Elmer McCurdy´s nächster Karriere Schritt.

00:45:37: Films da!

00:45:38: Naja... Zumindest ist er kurz in Ski Freak zu sehen.

00:45:42: Einem Low-Budget Film über eine junge Frau, die sich einem reisenden Carnival anschließt.

00:45:47: Der Film kommt aus dem Jahr und Elmas Auftritt besteht im Wesentlichen aus einem kurzen Moment innerhalb einer Montage.

00:45:54: Keine wirkliche Rolle – erst recht kein Name und auch keine besondere Geschichte!

00:45:59: Mehr als fünfzig Jahre nach seinem Tod schafft McCurdy es aber immerhin auf die Leinwand.

00:46:04: Seiner schauspielerische Leistung beschränkt sich auf bewegungsloses Herumstehen, was in seinem Zustand vermutlich sowieso das Höchste der Gefühle war.

00:46:12: Aber bei aller Skurrilität – hier möchte ich die Geschichte tatsächlich einmal ganz kurz anders betrachten!

00:46:18: Wir erzählen Elma McCurdy's Nachleben bislang ziemlich locker und das ist zugegebenermaßen schwer zu vermeiden.

00:46:25: Das Ganze besitzt eine derart absurde Eigendynamik dass man vermutlich selbst dann irgendwann darüber lachen müsste wenn man es vollkommen nüchtern erzählen wollte….

00:46:34: Nur darf bei all dem nicht verloren gehen, was hier eigentlich seit nineteenhundertelf passiert.

00:46:39: Elmer McCurdy ist tot!

00:46:41: Er hat nichts davon entschieden... er hat nicht entschieden in einem Bestattungsinstitut ausgestellt zu werden.

00:46:47: Er hat niemandem erlaubt seinen Körper durch die veranlegten Staaten zu transportieren.

00:46:51: Er hatte keiner Karneval-Show die Rechte an seiner Biografie verkauft, keiner Filmproduktion zugesagt und vermutlich auch keinen besonderen Wunsch geäußert Jahrzehnte nach seinem Tod als drogensüchtiger Werbeträger in einem Kinoforje zu

00:47:02: stehen.".

00:47:03: Natürlich war McCurdy selbst kein besonders angenehmer Zeitgenosse.

00:47:07: Er war bewaffneter Räuber, bedrohte Menschen und schoss am Ende auf diejenigen, die ihn festnehmen wollten.

00:47:13: Aber mit seinem Tod endet dieser Teil der Geschichte – was danach mit einem Körper passiert, entscheiden ausschließlich andere!

00:47:20: Und inzwischen reden wir nicht mehr über ein paar Wochen, in denen einen Bestatter darauf wartet das endlich irgendein Angehöriger auftaucht….

00:47:27: Wir reden über Jahrzehnte, in denen ein menschlicher Leichnamen immer wieder verkauft, verliehen, ausgestellt, umbenannt und als Unterhaltung benutzt wird statt irgendwann einfach beerdigt zu werden.

00:47:38: Bei aller Komik dieser Geschichte die Totenruhe dieses Mannes wird über Jahrzähnte auf eine ziemlich groteske Weise missachtet – und ab.

00:47:49: Dan Sonny erinnert sich später daran, Elmer in diesem Jahr gemeinsam mit einer größeren Gruppe von Wachsfiguren verkauft zu haben.

00:48:00: Käufer ist Spoonie Singh – der Gründer des Hollywood Wax Museum.

00:48:05: Für das gesamte Paket soll Singh nach Sonnies Erinnerung Zehntausend Dollar bezahlt haben!

00:48:10: Wir haben es angedeutet.

00:48:12: die Art des Verkaufes verändert Elmers Situationen noch einmal erheblich.

00:48:15: Bislang hatte zumindest jemand gewusst was er da besitzt?

00:48:19: Jetzt wird McCurdy als Teil einer Sammlung von Wächsfiguran verkauft Und klar, er sieht inzwischen selbst immer mehr wie eine aus.

00:48:26: Sein Körper ist ausgetrocknet über Jahrzehnte behandelt worden und wurde inzwischen auch mehrfach mit Wachs bearbeitet.

00:48:32: Irgendwo in einem Paket künstlich hergestellter Menschen steht also ein echter Mensch der mittlerweile so künstliche aussieht dass der Unterschied kaum noch auffällt.

00:48:41: Ob's Boonie Sing bzw die neuen Besitzer überhaupt wussten was sie da gekauft hatten können wir nicht beantworten.

00:48:48: Die Rekonstruktion von SF Gate, die sich unter anderem auf Dan Sonny's Erinnerungen stützt, weist genau auf diese Lücke hin.

00:48:55: Auch wird Elmas weitere Weg ab jetzt etwas weniger klar.

00:48:58: Nach Sonnys Erinnerung geht er zunächst an Singh.

00:49:01: Später scheint der Körper in ein kleineres Wachsfiguren-Museum gelangt zu sein das Anfang der neunzehnhundertsiebziger Jahre wirtschaftliche Probleme bekommt.

00:49:10: Teile der Sammlung werden schließlich wegen ausstehender Mietzahlungen weitergegeben.

00:49:14: Eine andere Überlieferung stammt von Ken McGrath einem Polizeibeamten, der am sogenannten New Pike arbeitet.

00:49:21: In einer späteren Oral History nennt er Chris Dale und Leish als Betreiber eines Wachsfiguren-Museums auf dem Gelände – und erinnert sich daran, dass auch McCurdy Teil dieser Sammlung gewesen sei!

00:49:32: Welche Besitzer zwischen Sony und seiner nächsten sicher greifbaren Station exakt in welcher Reihenfolge kommen lässt sich heute nicht mehr vollständig sauber auseinandernehmen?

00:49:41: So oder so?

00:49:42: alle Wege führen nach Long Beach zum Pike an den Ort, an dem wir diese Folge begonnen haben.

00:49:49: Der Pike hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine ereignisreiche Geschichte hinter sich.

00:49:53: Direkt an der Küste von Long Beach stehen dort Fahrgeschäfte, Spielboden, Tattoo Shops, Sideshows und alle möglichen Attraktionen.

00:50:02: Nur wirkt das Gelände in den neunzartsechziger-und siebzigerjahren zunehmend wie ein Überbleibsel aus einer anderen Epoche.

00:50:08: In Südkalifonien gibt es inzwischen Disneyland & Nottsbury Farm.

00:50:13: Freizeitparks werden größer, sauberer durchinszeniert und moderner.

00:50:17: Der Pike hingegen bleibt ihr Jahrmarkt – eben ein bisschen rauer- und schäbiger.

00:50:22: Voller alter Attraktionen und Dinge, deren Herkunft vermutlich auch damals niemand besonders gründlich überprüft.

00:50:29: PBS SoCal beschreibt das Gelände dieser Zeit als Mischung aus Fahrgeschäften, Sideshows und Kuriositäten.

00:50:35: Dort werden echte Menschen und Tiere präsentiert aber auch gefälschte Verbrecherautos und andere angebliche Sensationen.

00:50:42: Authentizität ist also weiterhin ein eher flexibler Begriff.

00:50:46: Für Elmer McCurdy ist das nahezu die perfekte Umgebung.

00:50:50: Ein Überbleibsel aus einer alten Unterhaltungswelt landet in einem Freizeitpark, der selbst langsam zum Überbleimsel einer alten unterhaltungs Welt wird.

00:50:57: und irgendwann schließt auch das Wachsfigurenmuseum.

00:51:01: Die Figuren bleiben zurück.

00:51:02: jetzt besitzt Elmar nicht einmal mehr eine Ausstellung, in der er wenigstens theoretisch als Mensch durchgehen könnte.

00:51:09: Der Name vergessen, keine Beschriftung, keine Biografie.

00:51:13: Nur noch ein alter Körper der irgendwie verwendet werden kann.

00:51:17: Also wird er verwendete.

00:51:20: Jemand überzieht McCurdy mit fluoreszierender Farbe und hängt ihn in Love In The Dark die Geisterbahn des Pike.

00:51:26: Bei der genauen Farbe sind die späteren Beschreibungen übrigens nicht ganz einig!

00:51:31: Die Los Angeles Times nennt ihn Dayglo-Rot KGOU beschreibt ihn eher als orangeleuchtend.

00:51:44: Ken McGrath bringt später ziemlich gut auf den Punkt, wie vollständig Elmas Herkunft inzwischen verschwunden ist.

00:52:00: Niemand sieht dort noch einen Mann – da hängt einfach Dekoration!

00:52:04: Ein ziemlich alter Cowboy aus Fieberglas und Leder, der wahrscheinlich schon ewig zur Geisterbahn gehört.

00:52:09: Und den man deshalb auch nicht sonderlich vorsichtig

00:52:11: behandeln muss!

00:52:13: So hängt Elmer McCurdy im Dezember neunzehnhundertsechsohn-siebzig noch immer in Laugh In The Dark – bis eine Filmcrew das Gelände betritt und eben jener Cowboy im Weg hängt.

00:52:26: Ein Mitarbeiter der Fernsehcrew greift nach ihm und beim Versuch ihn zu versetzen löst sich ein Arm.

00:52:32: Nur dass darunter eben kein Drahtgestell, kein Holz und kein Fieberglas zum Vorschein kommt.

00:52:37: Sondern menschlicher Knochen!

00:52:39: Was die Dreharbeiten verständlicherweise schlagartig zweitrangig macht.

00:52:43: Polizei-und Feuerwehr werden verständigt – der Körper schließlich ins Los Angeles County Coronas Office gebracht.

00:52:50: Die Los Angeles Times rekonstruiert den Vorfall später.

00:52:52: mehrfach Meldet sich außerdem Chris Haynes, der damalige Set-Designer der Produktion bei der Zeitung und bestätigt das der vermeintliche Dummy tatsächlich während der Vorbereitungen für The Six Million Dollar Man beschädigt worden war.

00:53:07: Dass hier ein Mensch hängt lässt sich also schnell klären – wer dieser Mensch ist?

00:53:12: Deutlich schwieriger!

00:53:14: Vor den Gerichtsmedizinern liegt ein ausgetrockneter männlicher Körper, der mit Wachs behandelt und mehrfach übermalt wurde.

00:53:21: Teile fehlen, Haare sind nur noch stellenweise vorhanden.

00:53:25: Mehrere Jahrzehnte als Schaustück haben aus ihm etwas gemacht das tatsächlich eher nach alter Requisite aussieht als nach einem Menschen den man noch irgendwie identifizieren könnte.

00:53:34: Trotzdem gibt der Körper noch einiges her.

00:53:37: Der Mann ist durch einen Schuss in den Brustbereich gestorben.

00:53:40: Die Kugel selbst scheint schon bei einer früheren Autopsie entfernt worden zu sein Doch ein Teil des Geschossmantels steckt noch im Körper.

00:53:46: Die Los Angeles Times spricht später von einem Copperjacket, also einem kupfernden Geschossmantel.

00:53:52: Außerdem erkennen die Gerichtsmediziner Spuren einer alten Autopsie und Einballsammierung.

00:53:57: Chemische Untersuchungen weisen Asäne im Gewebe nach – das kennen wir bereits!

00:54:03: Genau solche asänhaltigen Lösungen wurden zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts noch zur Einballsamierung verwendet.

00:54:09: Irgendwo hier liegt also ziemlich sicher kein Mensch der erst seit ein paar Jahren unbemerkt in einer Geisterbahn hängt….

00:54:14: Nur hilft die Erkenntnis, älterer Mann erschossen vor Jahrzehnten einmal sammiert bei der Namenssuche zunächst auch nur begrenzt weiter.

00:54:22: Der wesentlich interessantere Hinweis steckt an einem Ort, der in Elmas Geschichte schon einmal eine gewisse Rolle gespielt haben soll – im Mund!

00:54:31: Bei der Untersuchung finden die Gerichtsmediziner dort eine alte Münze und mehrere Papierstücke Und eines dieser Papier-Stücke ist eine Eintrittskarte.

00:54:39: Darauf steht Louis Sunnys Museum of Crime Und plötzlich haben die Ermittler zum ersten Mal etwas, das sich verfolgen lässt.

00:54:51: Die Los Angeles Times wird berichten, dass gerade dieser alten Ticket den entscheidenden Ansatz liefern.

00:54:56: Neben ihnen liegt außerdem ein Penny – die Recherchen von Richard Baskill und spätere Darstellungen nennen ... Ken McGrath erinnert sich in seiner Oral-Historie dagegen an einen Penny von ... Für uns ist der Unterschied ziemlich egal.

00:55:12: Wesentlich ist, dass diese Dinge offenbar zu einem Zeitpunkt in den Mund des Toten gelangt sind als er als Attraktion unterwegs war und das auf einer Eintrittskarte einen Name steht – Louis Sonny!

00:55:21: Wie erinnern wir uns?

00:55:23: Sonny selbst ist seit neunzehntneunundvierzig tot.

00:55:26: Sein Sohn Dan Sonny lebt aber noch.

00:55:30: Die Ermittler nehmen Kontakt zu ihm auf Und Dan kann ihnen erzählen, dass sich jahrzehnte lang tatsächlich ein echter menschlicher Leichnam in der Sammlung seines Vaters befunden hatte Ein Mann, der irgendwann als Outlaw ausgestellt worden war.

00:55:42: Sein Name Elmar MacCurdy.

00:55:45: Nach mehr als sechs Jahrzehnten als Attraktion hat unser unbekannter Kauber damit zumindest wieder einen möglichen Namen.

00:55:52: Ein möglicher Name reicht bei einem menschlichen Leichnam natürlich noch nicht!

00:55:56: Also müssen die Gerichtsmediziner herausfinden ob der Tote vor ihnen wirklich der Mann ist, der neunzehn hundert elf in Oklahoma erschossen wurde.

00:56:03: An dieser Stelle kommt Clyde Snow ins Spiel.

00:56:06: Snow ist forensischer Anthropologe und arbeitet damals als Berater des Oklahoma State Medical Examiner.

00:56:12: Gemeinsam mit der Anthropologin Judy Succhi beschäftigt er sich mit dem unbekannten Toten aus Long Beach, und ausgerechnet Elma McCurdy's kurzes Leben als gesuchter Verbrecher hat ihnen einige ziemlich brauchbare Unterlagen hinterlassen.

00:56:26: Nach seinem Tod im Jahr nineteenhundert elf musste schließlich dokumentiert werden dass die Männer um Bob Fannton tatsächlich den gesuchten Outlaw erschossen hatten.

00:56:34: MacCurdy's Körper wurde damals untersucht, vermessen und fotografiert.

00:56:38: Unter anderem spielten diese Unterlagen bei der Auszahlung der Belohnungen eine Rolle.

00:56:42: Fünfundsechzig Jahre später liegen sie immer noch vor.

00:56:45: Snow vergleicht das was von dem Mann aus der Geisterbahn übrig ist mit diesen alten Dokumenten.

00:56:51: Besonders hilfreich sind die historischen Fotografien des Kopfes.

00:56:54: Vom Schädel werden Röntgenbilder angefertigt.

00:56:57: anschließend werden diese mit den Aufnahmen von neunzehnt elf überlagert Eine sogenannte Superimposition.

00:57:03: Dabei lassen sich Form und Proportionen des Schädels mit den Konturen des Gesichts auf den alten Fotografien vergleichen.

00:57:09: Und die passen!

00:57:11: Dazu kommen weitere anatomische Merkmale und die gesamte Indizienkette, ein männlicher Körper aus dem passenden Zeitraum, eine alte Schussverletzung, ersehenhaltige Einballsamierung – Die Verbindung zu Louise Sunnys Sammlung und schließlich die Übereinstimmungen.

00:57:33: Irgendwie absurd, wie sich der Kreis wieder schließt.

00:57:35: Ninzehundertelf wird McCurdy's Leiche fotografiert und untersucht weil Männer beweisen müssen dass der Tote wirklich jener Räuber ist auf dessen Kopf eine Belohnung ausgesetzt war.

00:57:45: Fünfundsechzig Jahre später braucht man exakt diese alten Unterlagen wieder weil niemand mehr weiß wer da eigentlich vor einem liegt.

00:57:52: Seine Namen bekommt Elmar wieder von einem Schausteller noch von irgendeinem Angehörigen zurück sondern von Gerichtsmedizinern Am dreizehnten April, die Identifizierung öffentlich bekanntgegeben wird.

00:58:06: Fünfundsechzig Jahre nach seinem Tod weiß die Welt wieder wer dieser Körper ist.

00:58:10: Was immer noch nicht das Problem löst, dass Joseph Johnson bereits neunzehnhundert elf hatte.

00:58:15: Beerdigt ist Elma McCurdy immernoch nicht.

00:58:19: Wer kümmert sich jetzt eigentlich um ihn?

00:58:22: Das Los Angeles County Corbinus Office wartet erst einmal darauf ob sich doch noch Angehörige melden!

00:58:28: Aber auch nach sixty-fünf Jahren scheint McCurdy's Familie kein gesteigertes Interesse an einer Beerdigung zu haben.

00:58:35: So kommt die Initiative schließlich aus Oklahoma.

00:58:38: Fred Owalds, von der Indian Territory Posse of Oklahoma Westerns – eine Organisation, die sich mit der Geschichte des alten Oklahoma und des amerikanischen Westens beschäftigt erfährt von dem Fund und setzt sich dafür ein, McCurry zurückzuholen!

00:58:52: Ols nimmt Kontakt zu Gerichtsmediziner Thomas Noguchi auf und darf den Körper nach Abschluss der Untersuchungen übernehmen.

00:58:59: Am Zweiundzwanzigsten April, nineteenhundert siebenundsebzig erreicht Elmer McCurdy schließlich Goof-Free Oklahoma.

00:59:06: Und nach allem was mit diesem Mann seit neunzehnhundert elf passiert ist fällt seine letzte Reise zum vermutlich ersten Mal würdevoll aus!

00:59:14: Ein Gläsernar von ferdengezogene Leichenwagen bringt den Sack zum Summit View Cemetery.

00:59:19: Ein zeitgenössischer UPI-Bericht spricht von etwa zweihundert bis dreihundert Menschen, die an der rund fünfzehnminütigen Zeremonie teilnehmen.

00:59:27: Darunter sind sogar Schüler, die für McCurdy's Beerdigung vom Unterricht freigestellt werden!

00:59:32: Fünfundsechzig Jahre lang war sein Körper eine Attraktion – jetzt gibt es keinen Eintritt mehr und keinen Bühnennamen.

00:59:38: Niemand behauptet er sei ein legendärer Outler oder ein drogensüchtiger Verbrecher….

00:59:43: …und niemand malt ihn an um ihn irgendwo aufzuhängen.

00:59:46: Auf dem Grabstein steht schlicht wieder seinen richtiger Name Elmar McCurdy.

00:59:52: Dazu die Eckdaten seines tatsächlichen Todes und seiner erstaunlich verspäteten Beerdigung.

00:59:57: Erschossen von einer Sheriff's Posse in den Osajji Hills am siebten Oktober, aus Los Angeles County nach Groovy zurückgebracht und dort am zwanzigsten April, neunzehntsibundiebt sich beigesetzt.

01:00:09: Während der Zeremonie sagt Pastor Glenn Jordan – with respect and decency we commit you to the earth!

01:00:15: Mit Respekt und Anstand übergeben wir Dich der Erde.

01:00:19: Nach all den Werbesprüchen, erfundenen Biografien und sonderbaren Rollen die diesem Körper über Jahrzehnte verpasst wurden gibt es vermutlich nur wenige Worte, die passender wären.

01:00:28: Denn hinter Elmer MacCurdy's Geschichte stecken weder ein großes ungelöstes Mysterium noch einen Fluch oder eine Verschwörung.

01:00:35: Eigentlich ist es nur eine Beerdigung, die fünfundsechzig Jahre zu spät stattfindet – weil aus einem nicht abgeholtem Toten irgendwann eine Ware wurde und anschließend über Jahrzente niemand mehr dafür sorgte dass aus diesen Toten wieder ein Verstorbener mit einem Grab werden konnte.

01:00:49: Am Zweiundzwanzigsten April, nineteenhundert siebenundsiebzig passiert deshalb endlich das was bereits im Oktober neunzehnund elf hätte passieren sollen.

01:00:57: Elmer McCurdy wird beerdigt und diesmal bleibt er dort.

01:01:07: Ja eine sehr sonderbare Reise die dann trotzdem oder glücklicherweise für elmer auch noch im Grab endete was ja schon sechsundsechzig Jahre zuvor verdient hätte.

01:01:19: Hast du dir mal Gedanken gemacht?

01:01:20: Auch wenn es noch ein paar jahre hin sind Wo du und wie du begraben werden wollen würdest?

01:01:25: Ich hätte tatsächlich dieses Jahr drüber nachgedacht, weil ich auf einer Beerdigung war.

01:01:30: Also früher habe ich immer gedacht, ich möchte auf keinen Fall verbrannt werden.

01:01:32: Irgendwie weiß ich nicht, fand ich das ein bisschen schade wenn man so einen Menschen ist, dass man nur noch eine Uhr mit Asche drin.

01:01:39: Aber ich glaube tatsächlich, dass es sich das mittlerweile am angenehmsten finde.

01:01:42: aber ich find's eigentlich schön, wenn sie jetzt nicht auf so einem normalen... Parzellenfriedhof ist irgendwie, und vor allem wenn Leute noch nach meinem Grab gucken müssen so.

01:01:49: Also ich finde das ist irgendwie schauleutig, dass da irgendwie dann so Blumen und so drauf sein müssen.

01:01:53: Ja ein paar Bierchen?

01:01:54: Ein

01:01:54: paar Bier... also in Deutschland davon aber gar nicht zu verstreuen oder so ne?

01:01:58: Ich glaube

01:01:59: nicht na.

01:02:00: Aber will das eigentlich kontrollieren oder wird gefragt du isst die Asche?

01:02:03: Ich glaub nich!

01:02:04: Also ich hab keine Erfahrungen, meine Verwandtschaft wurde normal begraben.

01:02:09: Also auch deren Asche und deren Ohne in so einem Wald diese Bäume, wo man dann so einen Baum kriegt und an den Baum begraben wird sozusagen.

01:02:18: Dann irgendwann zum wahrscheinlich Wurzelwerk wird.

01:02:21: So, damit haben wir jetzt ein Familienbaum.

01:02:24: Ich bin auch so auf Friedhof in meiner Leipzig, den großen Südfriedhof, wo ich z.B.

01:02:28: meine Großeltern liegen.

01:02:29: Da gibt es natürlich auch so ein paar Persönlichkeiten mit prachtvollen Gräbern.

01:02:35: aber anderseits denke ich mir als wir jetzt in Yelling waren auf dem Friedhof, bei der die Rundsteine stehen Der rennt sich halt rum.

01:02:41: Also das war ja super gepflegt dort, aber irgendwie ist es dann auch so gefühlt ein bisschen Trampelfahrt-Touristen-Ding.

01:02:47: und wenn ich mich das wollen würde, brauche ich's auch keine Riesenkrab.

01:02:50: Ich weiß nicht ob ich selber ... Ich möchte doch keine Urne sein die auf dem Simms steht und dann irgendwann mal runter fällt und weggesaugt wird.

01:02:58: Meinst

01:02:59: du?

01:02:59: Wenn man sich das wirklich aussuchen könnte und alles wäre möglich, wenn die NASA einmal mir verstorbene Asche mitnimmt und im Weltall zerstört, das würd' ich sofort machen.

01:03:08: Im Weltallbestattung!

01:03:09: Oder so auf dem Mount Everest.

01:03:10: Ich bin ja gerne auf den Mount Everest, wenn ich dort bestattet werden würde.

01:03:14: So wie meine Asche in einem Dach der Welt verschüttet

01:03:16: oder aus nem Flugzeug, das man dann über die ganze Landschaft ... Über Bruchum!

01:03:21: Wir beide über Bruchums.

01:03:23: Regnet's wieder Asche und Kohle?

01:03:25: Aber ja, ich glaub verbrennen ist so könnte ich mir am ehesten vorstellen weil ich da noch sicher sein kann dass sich nicht vergraben wird und wieder aufwache und dann merke ach das jetzt gerade ein bisschen ungünstig hier.

01:03:36: Und vor allem, wenn du so richtig irgendwo verbuddelt wirst und dann löst dich das Holz auf.

01:03:41: Und irgendwann buddeln dann halt Wildhunde da rum und essen den Rest deines Arms ja noch da oder sowas... Also ich würde am liebsten, wenn ich tot bin, relativ schnell abgefertigt werden und nicht erst sechsundsechzig Jahre auf eine Reise gehen.

01:03:55: Was auch ne coole Art der Beerdigung ist ein gläsener Sarg!

01:03:59: Ein Glas Sarg ist auch ein wesentliches Element der jetzigen Kleinen Geschichte in unserem Rewind.

01:04:09: Wir beginnen mit einer erstaunlich kurzen Ehe.

01:04:12: Eine junge Frau und einen Prinz haben gerade geheiratet, stellen aber offenbar noch während der Feier fest dass das alles nur ein wenig überstürzt war.

01:04:21: also folgt die vermutlich effizienteste Scheidung der Geschichte Die Gäste gehen nach Hause.

01:04:26: Die gemeinsame Zukunft wird abgesagt und die junge Frau verlässt das Schloss wieder.

01:04:31: Auf dem Weg zurück in ihr altes Leben bekommt sie allerdings gesundheitliche Probleme.

01:04:35: Ein Stück Apfel gerät ihr in den Hals.

01:04:37: Sie bricht zusammen und ihre ungewöhnlichen kleinen Ex-Mitbewohner entscheiden sich, dass sie ihre komatöse ehemalige Mitbewohnerin am besten an einer Glasbox bei sich zu Hause ausstellen sollten.

01:04:48: Über eine medizinische Ausbildung der Herren ist leider nichts bekannt.

01:04:52: Zum Glück erscheint irgendwann eine ältere Dame die offenbar Erfahrung mit Obstnotfällen hat.

01:04:57: Sie hilft der jungen Frau das Apfelstück auszukotzen, klebt es anschließend wieder an einen abgebissenen Apfel.

01:05:05: Die Patientin erholt sich erstaunlich schnell, räumt erst einmal das Haus auf und führt einige Zeit ein überraschend harmonisches WG-Leben.

01:05:13: Irgendwann entfremden sich die Bewohner jedoch voneinander – die junge Frau verabschiedet sich, wandert allein durch den Wald und trifft dort einen Jäger!

01:05:21: Dieser erscheint Mitarbeiter von Julia Leischicks Sendung.

01:05:24: bitte melde dich zu sein, denn er hilft ihr, sich mit ihrer verloren geglaubten Familie wiederzuvereinen.

01:05:30: Zu Hause erwartet sie ihre Stiefmutter.

01:05:33: Nach Jahren der Entfremdung nähern sich die beiden endlich wieder an.

01:05:36: Unterstützt sich den Familientherapeuten Dr.

01:05:38: Spiegel, der die ältere Dame nach und nach deutlich entspannter werden lässt.

01:05:42: Welche Geschichte haben wir gerade zurückgespult?

01:05:48: Am Ende steht auf diesem Friedhof in Gülfri ein Grabstein mit einem Namen.

01:05:52: Elmer MacCurdy Was fast banal klingt.

01:05:56: Nur hatte dieser Mann über Jahrzehnte alles Mögliche, Werbeschilder, Eintrittskarten erfundene Biografien, Besitzer und sogar eine Rolle als Geisterbahn-Dekoration.

01:06:06: Ausgerechnet sein eigener Name war irgendwann verloren gegangen.

01:06:10: Zum ersten Mal seit nineteen Hundert Elf muss Elmar nichts mehr darstellen – kein großer Outlaw sein, kein warnendes Beispiel für Drogenmissbrauch und auch kein besonders überzeugender Cowboy aus Fieberglas und Leder.

01:06:22: Auf dem Stein steht schlicht wer dort begraben liegt!

01:06:26: Elmer McCurdy war zu Lebzeiten kein sonderlich erfolgreicher Verbrecher.

01:06:30: Seine erstaunliche Bekanntheit begann eigentlich erst, als er selbst längst nichts mehr dazu beitragen konnte.

01:06:37: Seit adhesive liegt er in Groovy und so weit bekannt ist das bis heute seine längste Station.

01:06:46: Das war Radio Obscura!

01:06:48: Wenn euch diese Folge gefallen hat dann bleibt auf Frequenz.

01:06:51: folgt uns und lasst gerne eine Bewertung.

01:06:53: da

01:06:54: wir hören uns.

01:06:54: bis dahin bleibt

01:06:55: on the road cowboys

01:06:58: Verwinn ich.

01:07:00: Bleibt im Dunkeln

01:07:01: und Radio aus!

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